by LiSe | 28. März 2021 | Blog, Rezension & Buchempfehlungen
Benedict Wells’ Coming-of-Age-Roman „Hard Land“
Von Slávka Rude-Porubská
Altwerden ist nichts für Feiglinge – und Erwachsenwerden erst recht nicht. Daher hat es der 15-jährige Sam Turner aus Grady im US-Bundesstaat Missouri denkbar schwer: Der Ich-Erzähler im neuen Roman des aus München stammenden Autors Benedict Wells hält sich selbst für einen „unreifen Schisser“, einen Feigling und Loser. Wells gewinnt der fast stereotypen Figur des nerdigen Außenseiters, der in der Schulcafeteria stets allein am Tisch sitzt, überzeugende Konturen ab und schenkt ihm einen unvergesslichen Sommer, über den Sam im Rückblick resümiert: „Ich fühlte mich so, wie ich mich schon mein ganzes Leben fühlen wollte: übermütig und wach und mittendrin und unsterblich.“ (mehr …)
by LiSe | 28. März 2021 | Blog, Rezension & Buchempfehlungen
Anatol Regnier betrachtet sie einzeln, die „Schriftsteller im Nationalsozialismus“
Von Katrin Diehl
So geht Literaturgeschichte. Um ein Gespür dafür zu bekommen, was so alles passiert ist in diesen „1000 Jahren“, zoomt da einer heran, bis einzelne Menschen erkennbar werden in ihrem angestrengten, eifrigen, übereifrigen, verzweifelten, beizeiten auch mühelosen Unterfangen, für sich einen Weg zu finden durch die irgendwie neue Zeit, die da ausgebrochen ist, und die nichts anderes war als eine durch und durch verbrecherische Diktatur. Nicht, dass es da nicht schon einiges gäbe über das nationalsozialistische Deutschland und seine Schriftsteller und Schriftstellerinnen. (mehr …)
by LiSe | 26. Feb. 2021 | Blog, Titelgeschichte
Ulrike Draesner baut auf die Kraft der Sprache
Von Ursula Sautmann
Flucht und Vertreibung, Krieg und Exil sind Ereignisse und Erlebnisse, die Millionen von Menschen passieren und ihre Wirkung entfalten. Allzu oft sind sie so schmerzhaft, dass die Sprache versagt und nur noch das Schweigen bleibt. Ulrike Draesner ist aufgewachsen in einer bayerisch-schlesischen Familie mit eigener Fluchtgeschichte. Sie ist das auslösende Moment für ihre Trilogie über Flucht und Vertreibung. Die Autorin greift Erlebnisse und Erfahrungen in Zusammenhang mit Krieg und Exil auf und überführt sie in Romane, in Literatur. (mehr …)
by LiSe | 26. Feb. 2021 | Blog, Kolumne
Wenn „das Schöne ist erst des Schrecklichen Anfang, den wir noch grade ertragen“. Kommt uns bekannt vor. Irgendwie Schulzeit, Abitur. Aber vielleicht ist es ja umgekehrt. Das Schreckliche ist des Schönen Anfang? (mehr …)
by LiSe | 26. Feb. 2021 | Blog, Vermischtes
Die Mitarbeiter*innen der Münchner Stadtbibliotheken empfehlen für den Monat März diese Neuerscheinungen:
Brian Moore:
Schwarzrock
Diogenes
Historischer Hintergrund des eher schmalen, aber ungeheuer dicht erzählten Romans ist die Missionierung von Irokesen und Huronen durch Jesuiten, die schon Mitte des 17. Jahrhunderts, also rund 200 Jahre vor der Eroberung des „Wilden Westens“, tief in die Wildnis Nordkanadas vordrangen. Moore erzählt vom „Cultural Clash“: Mit tiefem Verständnis und warmem Blick für beide Seiten beschreibt er das totale Unvermögen sowohl der Indianer als auch der durchaus gutwilligen jesuitischen Patres, sich in der völlig fremden Gedankenwelt der jeweils anderen zurechtzufinden … mit dramatischen Konsequenzen für alle … (mehr …)
by LiSe | 26. Feb. 2021 | Blog, Vermischtes
Therese Giehses Nachlass in der Monacensia erzählt von einem Leben, das sich vorwiegend auf der Bühne abspielte.
Von Katrina Behrend Lesch
In München in der Herzog-Rudolf-Straße 1898 geboren, in der Wurzerstraße 1975 gestorben, beides in unmittelbarer Nähe der Kammerspiele, ihrer künstlerischen Heimat, dazwischen an vielen Orten gewesen – Therese Giehse wäre imstande, ihr Leben auf diesen lapidaren Nenner zu bringen. „Ich hab nichts zum Sagen“, warf sie ihrer Biografin Monika Sperr bei ihrer ersten Begegnung entgegen. Sie war frei von Äußerlichkeiten, trat nicht geschminkt auf, aber mit ihr zu arbeiten war für jeden Regisseur eine Bereicherung. Brecht hielt sie für die größte Schauspielerin Europas, Peter Stein beschrieb ihre Fähigkeit, sich die Texte der Autoren ganz zu eigen zu machen und damit ihrem Spiel ein unglaubliches Relief zu verleihen, als etwas Einmaliges. (mehr …)
by LiSe | 26. Feb. 2021 | Blog, Vermischtes
Erinnerungen an Ursula Haeusgen. Ein Gespräch mit Holger Pils, Geschäftsführer des Lyrik Kabinetts
Von Michael Berwanger
Wochen nach dem Tod von Ursula Haeusgen sind die Mitarbeiter*innen des Lyrik Kabinetts immer noch erschüttert. Bis zuletzt war die Gründerin und Mäzenin im Vorstand tätig und für alle eine Ansprechpartnerin. Die Stiftung, die sie ins Leben gerufen hat, ist geprägt von der Kraft ihrer Gründerin und lässt den Geist, in dem sie erschaffen worden ist, spüren. (mehr …)
by LiSe | 26. Feb. 2021 | Blog, Kurzgeschichte
Von Fabian Widerna
Genieße die Aussichtslosigkeit. Ein Zimmer ohne Fenster und Türen ist ’ne dumme Sache. Nicht bloß, weil man sich kaum, oder auch nur mit den üblichen Mitteln erklär’n kann, dort hingelangt zu sein, ohne im unverputzten Mauerwerk, weder im Boden noch an der Decke (dank Stehleiter) auch nur den Hauch einer Ritze des Hinweises auf das Vorhandensein von Öffnungen zu finden, die von den Auftraggebern gegebener Internierung genutzt worden hätten sein können, den Auftraggeber dieser Erklärung mangels Erklärung dort hinein befördert jedes Fünkchens sonstiger Anhänglichkeit der Hoffnung auf Freiheit an ihren Träger zu berauben, wenn keine Büchse bleibt, deren Grund sie bis zum Ende noch enthielte – unter Paarung des Paradoxons seiner Anwesenheit mit der Unwahrscheinlichkeit der Situation, die sich weigert, sich traum- oder auch nur alptraumhaft (aber oder wie auch immer) zu gerieren, ataraktisch, im Grunde. (mehr …)