[LiSe 01/26] Kurzgeschichte: Zurückbleiben bitte

Von Franz Oberhofer

Ingrid war eine Stimme. Und was für eine Stimme! Sie sprach durch die Menschen hindurch – täglich, stündlich – zur Orientierung, zum Halten, zum Aussteigen und zum: „Zurückbleiben bitte!“
Drei Jahrzehnte lang hatte sie die Hauptstadt mit ihrer Stimme durchmessen, ohne je selbst ein Zeichen gesetzt zu haben. Ingrid war eine in sich gekehrte Person mit dem sonderbaren Ehrgeiz, verstanden zu werden – durch Tonlage, Rhythmus und Präzision. (mehr …)

[LiSe 01/26] Rezension: Im wilden Osten

Tiny Strickers Abschluss der Reihe über Hippies in den späten 1960er Jahren.
Von Michael Berwanger

Liest man „hippies“, denkt man automatisch an Blumenkinder in San Francisco, Aussteiger in den neolithischen Wohnhöhlen von Matala oder Sinnsuchende im Ashram. Dass die Aufbruchswelle der Achtundsechziger den gesamten fernöstlichen Raum betraf, wird im neuesten Memoire des Münchner Autors (geboren 1949 in Gundelfingen) deutlich. Angetrieben von einer Nachhallerinnerung während einer sommerlichen Alpenwanderung, schickt Stricker noch einmal sich und zwei Altersgenossen auf eine Reise von Karachi (Pakistan) über Colombo (Sri Lanka) nach Chittagong in Bangladesch. (mehr …)

ver.di Bayern verleiht Kurt-Eisner-Medaille

100. Sitzung des Landesbezirksvorstands: ver.di Bayern ehrt besonderes Engagement mit Kurt-Eisner-Medaille

Ein besonderer Ort für einen besonderen Anlass: Am 15. Dezember fand die 100. Sitzung des Landesbezirksvorstands von ver.di Bayern im Weiße-Rose-Saal des Bayerischen Landtags statt. Über 50 ehrenamtliche Mitglieder des höchsten Mitbestimmungsgremiums von ver.di Bayern kamen zusammen und blickten gemeinsam auf wichtige gewerkschaftliche Themen und Entscheidungen. Im Rahmen der Sitzung wurde auch die Kurt-Eisner-Medaille verliehen.  (mehr …)

[LiSe 12/25] Blutwurst mit Zimt

Ein literarischer Streifzug durch Essgewohnheiten an Weihnachten

Was gibt es bei Ihnen an Heiligabend zu essen? Fondue mit Filetspitzen und sieben exotischen Saucen, Fünfgängemenü – von Forellenmousse über Gänsebraten bis Creme Bavaroise – oder traditionell Würstel mit Kartoffelsalat? Kein Tag im Jahr ist so mit Bedeutung überladen wie der 24. Dezember. Und damit auch seine Festtafel. Sie gibt dem Tag den äußeren Rahmen für alle Erwartungen und Enttäuschungen und spiegelt die Schicksale der Festgäste. (mehr …)

[LiSe 12/25] Kolumne: Wie alle Jahre

Wenn die Buchpreise verteilt sind, der Deutsche, der Georg-Büchner-, der Nobel-, der Alfred-Döblin-, der Wilhelm Raabe-, der Tukan-, der Bayerische, der Bremer, der Wasweißich-, ist für gute Befüllung unter dem Weihnachtsbaum gesorgt und Oma weiß, was sie ihren Töchtern, Enkeln oder dem Opa zum Christkind schenken soll, denn Weihnachten wird, das wissen wir seit Medias Markt-Werbung, unterm Baum entschieden. (mehr …)

[LiSe 12/25] Gedenktafeln der Literaten – Teil XIII

Das diktierte Wort: Karl Wolfskehl

Von Sevda Cakir

Der Dichter, Autor, Übersetzer, Essayist, Journalist und leidenschaftliche Briefschreiber Karl Joseph Wolfskehl (1869-1948) war seiner Herzensstadt München sehr verbunden. Eine Gedenktafel an der Römerstr. 16 in Schwabing erinnert daran. „Hier wohnte von 1909-1921 der Schriftsteller Karl Wolfskehl. Um ihn scharten sich Repräsentanten des Schwabinger Geisteslebens“. Ein Kompliment an den Netzwerker – wie er heute betitelt werden würde –, der zu jener Zeit wichtige Figuren der intellektuell-künstlerischen Szene in Kontakt brachte. Mit seiner Frau Hanna und den gemeinsamen Töchtern Renate und Judith musste er aber auch erleben, wie der Erste Weltkrieg sein geerbtes Vermögen verschlang. Ab 1915 waren die weiblichen Familienmitglieder gezwungen, ein badisches Landgut zu bewirtschaften. Karl Wolfskehl selbst verrichtete seine Tätigkeiten im Ausland. (mehr …)