[LiSe 09/20] Rezension: Mit der Leica gegen die Nazi-Bomber

Helena Janeczeks großartige Roman-Biografie über die Kriegsfotografin Gerda Taro  

Von Slávka Rude-Porubská

Inmitten des Wahnsinns knipste sie wie besessen, die winzige Leica über dem Kopf, als könnte sie sie vor den Bombern schützen. Der brave Soldat Gerda.“ Als hätte man ein Foto vor sich – mit knapp-anschaulicher Szene stellt die in München geborene Wahlitalienerin Helena Janeczek die Heldin ihres 2017 in Mailand erschienenen Romans vor, der jetzt von Verena von Koskull ins Deutsche übersetzt wurde. Gerta Pohorylle, Tochter einer jüdischen Familie aus Stuttgart, begeistert sich Ende der 1920er Jahre in Leipzig für sozialistische Ideen und wird 1933 wegen ihrer Kontakte zu politisch linken Kreisen verhaftet. Nach der Flucht aus Deutschland bringt sie sich in Paris autodidaktisch das Fotografieren bei und stürzt sich in den medialen Kampf an der Front. Gemeinsam mit ihrem Lebens- und Geschäftspartner, dem aus Ungarn geflohenen André Friedmann, dokumentieren sie – unter den Namen Gerda Taro und Robert Capa – den Spanischen Bürgerkrieg für internationale Medien. (mehr …)

20 Jahre Kriminalbuchhandlung glatteis

Gabriele Fauser kam Anfang 2000 von einem Besuch in der Frankfurter „Wendeltreppe“, Deutschlands ältester Krimibuchhandlung zurück und erklärte mir, dass so eine auf Kriminalliteratur spezialisierte Buchhandlung in München doch fehle. „Du kannst so was“, meinte sie, „du bist doch Buchhändlerin. Wir gehen auf die 50 zu und wir sollten unserem langweiligen Büroleben noch etwas Pep verleihen.“ Mein Zögern dauerte nicht lange, denn welche Buchhändlerin träumt nicht davon, irgendwann in ihrem eigenen Laden zu stehen? Bald schon hatten wir uns auf den Namen glatteis geeinigt, der sich auf den Kriminalroman von Hans Werner Kettenbach bezieht. Kurzum, im September 2000 öffnete glatteis seine Tür. Die Eröffnungstage waren mit Lesungen Donnerstag, 7. bis Samstag, 9. September 2000.

Wir hatten uns vorgenommen, mindestens 5 Jahre durchzuhalten. (mehr …)

Christine Wunnicke erhält den Literaturpreis 2020

Mit dem Literaturpreis der Stadt München wird die Schriftstellerin Christine Wunnicke für ihr herausragendes literarisches Gesamtwerk geehrt. Der Literaturpreis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird alle drei Jahre – alternierend mit dem Publizistikpreis und dem Übersetzerpreis – verliehen. Die für die Auszeichnung in Frage kommenden Münchner Schriftstellerinnen und Schriftsteller haben dazu beigetragen, München als Literaturstadt Geltung und Ansehen zu verschaffen. Die Vergabe hat der Feriensenat des Stadtrats nun in seiner Sitzung auf Empfehlung einer Jury beschlossen.
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Literaturfest München 2020 findet nicht wie geplant statt

Das Literaturfest München, geplant vom 11. bis 29. November, kann dieses Jahr nicht wie vorgesehen stattfinden. Das Festprogramm des Literaturhauses München mit dem Kuratorenprogramm forum:autoren muss 2020 entfallen, die Münchner Bücherschau hingegen soll durchgeführt werden. Dies teilen die Stiftung Literaturhaus München, der Börsenverein des Deutschen Buchhandels-Landesverband Bayern und das Kulturreferat der Landeshauptstadt München mit. Die für das Festprogramm des Literaturhauses und das forum:autoren charakteristischen Veranstaltungen mit internationalen Gästen vor großem Publikum lassen sich in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie nur sehr eingeschränkt oder überhaupt nicht realisieren. (mehr …)

Blutenburger Sommerbühne vom 12. Juli bis 6. September 2020

Die Stiftung Internationale Jugendbibliothek bietet im Innenhof von Schloss Blutenburg ein großes Open-Air-Programm für Kinder, Jugendliche und Erwachsene an

Nachdem die Bayerische Staatsregierung Ende Mai in Aussicht gestellt hat, dass ab Mitte Juni Veranstaltungen im Freien bis zu 100 bzw. mittlerweile bis zu 200 Personen erlaubt sind, hat sich die Internationale Jugendbibliothek kurzfristig entschlossen, die ‚Blutenburger Sommerbühne‘ ins Leben zu rufen.

Sie hat für dieses neu konzipierte Open-Air-Format Lesungen und Kindertheateraufführungen organisiert und mehrere Mitveranstalter für ein abwechslungsreiches Konzertprogramm am Abend gewonnen. Mit dem Ziel, in den kommenden Sommerwochen vor allem Kindern und Familien, die in den letzten Monaten ganz besonders von den Einschränkungen betroffen waren, ein attraktives Literatur- und Kulturprogramm anbieten zu können. Entstanden ist ein Programm mit über 70 Veranstaltungen: (mehr …)

Elke Erb erhält den Georg-Büchner-Preis 2020

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung verleiht den Georg-Büchner-Preis 2020 an die Schriftstellerin Elke Erb. Der Preis ist mit 50.000 Euro dotiert und wird am 31. Oktober 2020 in Darmstadt verliehen.

Begründung der Jury:
»Mit Elke Erb ehrt die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung ein unverwechselbares und eigenständiges schriftstellerisches Lebenswerk, dessen Anfänge 1975 in der DDR lagen und das sich nach deren Ende unbeirrt bis in die Gegenwart fortsetzt. Elke Erbs poetischer Sachverstand, der sich auch in ihrer reichen übersetzerischen Arbeit zeigt, beeinflusste mehrere Generationen von Dichterinnen und Dichtern in Ost und West. Ihre Gedichte zeichnen sich durch eine prozessuale und erforschende Schreibweise aus, in deren Verlauf die Sprache zugleich Gegenstand und Mittel der Untersuchung ist. Elke Erb gelingt es wie keiner anderen, die Freiheit und Wendigkeit der Gedanken in der Sprache zu verwirklichen, indem sie sie herausfordert, auslockert, präzisiert, ja korrigiert. Für die unverdrossene Aufklärerin ist Poesie eine politische und höchst lebendige Erkenntnisform.« (mehr …)

Ausschreibung „Writers Residency im Ebenböckhaus“

Bewerben können sich ab sofort professionelle Künstlerinnen und Künstler, deren Praxis auf Schreiben basiert, Autorinnen und Autoren sowie Kritikerinnen und Kritiker mit Wohnsitz außerhalb Bayerns. Sie richtet sich an Menschen jeder Nationalität und jeden Alters. Aufgrund der gegenwärtigen Situation ist die Writers Residency auf Bewerberinnen und Bewerber mit Wohnsitz in Europa begrenzt.

Zeitraum: 1. September bis 29. Oktober 2020
Bewerbungsfrist: Sonntag, 19. Juli 2020

Zur Ausschreibung …

[LiSe 07/20] „Democracy will win!“

Thomas Mann und die Politik – eine Ausstellung zur aktuellen Demokratie-Debatte im Münchner Literaturhaus.

Von Katrina Behrend Lesch

1938 konstatierte Thomas Mann, „(d)ass Demokratie heute kein gesichertes Gut, dass sie angefeindet, von innen und außen schwer bedroht, dass sie wieder zum Problem geworden ist.“ Heute haben seine Worte bestürzende Realität gewonnen, nach 75 Jahren Frieden und Freiheit, in einer Gesellschaft, in der Kräfte erneut an unseren demokratischen Grundwerten rütteln wollen. Diese Debatte um die Demokratie der Gegenwart hat das Literaturhaus aufgegriffen und sie am Beispiel Thomas Manns und seiner durchaus verschlungenen Entwicklung zu einem politischen Menschen in einer trefflichen Ausstellung veranschaulicht. Die Idee dazu kam der Leiterin Tanja Graf nach der Lektüre des jüngsten Werks „Das Weiße Haus des Exils“ von Frido Mann. Der heute in München lebende Enkel Thomas Manns erinnert sich darin an das kalifornische Haus seines Großvaters, das von der Bundesrepublik gekauft und 2018 als transatlantische Begegnungsstätte eröffnet wurde. In dem Buch (übrigens auch in einem Film, der in der Ausstellung gezeigt wird) wandert Frido Mann von Zimmer zu Zimmer, beschreibt die Zeit, die er dort als Kind verbracht hat, und verschränkt seine Erinnerungen mit den damaligen Ereignissen und den Reaktionen seiner Familie darauf, sie gleichzeitig in Beziehung zur heutigen Demokratie-Debatte setzend. (mehr …)