„Ich bin nicht tot. Ich bin durch alle Zeiten gereist. Ich bin alle Frauen geworden und doch keine andere. Ich will keine Zuwendung und ich will keine Wiedergutmachung. Ich will Autonomie. Ich werde mich mit ganz vielen Körpern verbinden. Wir könnten ein vielköpfiges Monster sein, ein öffentliches, ein gefürchtetes, eines, das erschreckend ist in seiner Lebendigkeit.“
(Bye Bye Lolita, S. 11)
In Lea Ruckpauls Romandebüt wird Weltliteratur neu erzählt: Dolores Haze, Vladimir Nabokovs Hauptfigur seines Romans „Lolita“, ist nicht tot. Sie hat ihren Tod nur vorgetäuscht und entzieht sich damit ihren Peinigern. Jetzt ist sie an der Reihe, jetzt spricht sie. Schonungslos blickt die erwachsene Frau zurück und erzählt ihre Version der Ereignisse, von ihrem Aufwachsen, ihrem Missbrauch. Lea Ruckpaul bedient sich hierfür einer „drastischen Ästhetik“ (Deutschlandfunk Kultur ): Die erwachsene Lolita spricht für das traumatisierte Kind, beschreibt, was ihr wiederfahren ist. Sie übernimmt die Autorschaft über ihre eigene Geschichte und befreit sich aus der Opferrolle.
Lea Ruckpaul, 1987 in Ost-Berlin geboren, war nach ihrem Studium an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy “ an verschiedenen Theatern als Schauspielerin tätig. Seit 2023 ist sie Ensemblemitglied des Residenztheaters in München. Ihre ersten Texte entstanden für das Theater. Ihr Debüt „My Private Jesus“ wurde 2023 am Düsseldorfer Schauspielhaus uraufgeführt und zum Heidelberger Stückemarkt eingeladen. 2025 wird Lea Ruckpaul mit dem Kurt-Meisel-Preis ausgezeichnet. „Bye Bye Lolita“ ist ihr erster Roman. Aktuell steht sie u.a. als Julia auf der Bühne des Residenztheaters und ist mit dieser Inszenierung auch in der aktuellen Ausstellung „making THEATRE“ im DTM zu sehen. Auch in Elsa-Sophie Jachs Inszenierung wird Weltliteratur neu befragt – und Julia überlebt.
Eintritt frei!