[LiSe 09/26] „Schaust halt“ … oder: Benedikt Feitens 60-seitige „München-Beschimpfung“

Von Katrin Diehl

Alles gar nicht so einfach. Auch das Granteln nicht, vor allem, wenn‘s darum geht, anderen gleichzeitig erklären zu wollen, was es mit diesem Granteln auf sich hat und wie sehr es in der bayerischen Landeshauptstadt zu Hause ist. Und ist es das überhaupt oder gehört auch das zu den überlieferten „Bildern“, die man bewahren möchte, um München, die Münchner*innen irgendwie charakterisieren, packen zu können? „München-Beschimpfung“ heißt das Bändchen, das unsere Stadt abspaziert in echt und im Kopf und gerne auch entlang ihrer neuralgischen Punkte, und das dabei weder Bier noch Fußball noch Brezn noch O-Fest … außen vor lässt. „München-Beschimpfung“ ist ein Stadtporträt, das die Vorstellungen, die als typisch oder urmünchnerisch gelten, sowohl stehen lässt als auch an ihnen rüttelt. (mehr …)

[LiSe 09/26] Kolumne: Die schönen Grenzen der Vier-Ohren-Ebene

Verstehen wir uns? Wahrscheinlich eher nicht. Wir reden aneinander vorbei. Vielleicht sind es nicht mehr als drei Millimeter. Drei Millimeter zu weit rechts, zu weit links von unseren Ohren, unseren Hirnen, unseren Herzen entfernt. Knapp daneben eben. Am Ende funktioniert dann ja meistens doch die Verständigung, worüber man mal kurz staunen darf. Die Person, die etwas sagt, ist wahrscheinlich in dem Moment, in dem sie das sagt, das einzige Wesen weit und breit, das zu hundert Prozent versteht, was da gerade aus seinem Mund kommt. „Schönes Wetter heute“, eine Kopfgeburt. (mehr …)

[LiSe 09/26] „Was liest du denn da?“ (Folge 7) – Traumata über Generationen hinweg

Von Markus Czeslik

Es ist einer dieser brüllend heißen Tage an einem über-füllten Badesee, wo sich alle Bewegung aufzulösen scheint und das Leben in einen seltsamen Schwebezustand gerät. Wo man hinblickt, drehen sich in der Gluthitze halbnackte Körper um die eigene Achse, werden Bäuche stolz vor sich hergetragen, schreien Kinder, die nass geworden sind oder unbedingt nass werden wollen. Es ist Hochsommer, Hochsaison, hoch wollen wir leben und in der Sonne braten. Bevor das Gehirn zermatscht und der Blick vollends trübe wird, sticht eine kleine Szene heraus. Da spielen zwei Kinder in aller Ruhe im Wasser nahe am Ufer, mit sich selbst beschäftigt. Nanu? Zu wem gehören denn diese Engel, die mit sich so im Reinen sind und in Seelenruhe Sand schaufeln? (mehr …)

[LiSe 09/26] Rezension: Aus Leningrad heraus

Edgar Selges zweiter Roman beschäftigt sich mit der Blockade Leningrads im Zweiten Weltkrieg.

Von Michael Berwanger

In seinem Debütroman „Hast du uns endlich gefunden“ beschreibt der Schauspieler und Autor Edgar Selge sein Aufwachsen in einer Strafanstalt. Sein Vater war Direktor dieser Einrichtung– ein strenger Patriarch mit Hang zur Übergriffigkeit, der den Übergang von NS-Justiz zur Rechtspflege einer Demokratie noch nicht vollzogen hatte. Die Familie wohnte in der Dienstwohnung auf dem Areal des Gefängnisses, die Eltern gaben sich nach außen kunstsinnig-weltoffen, werden von Selge aber als verbohrt-regressiv geschildert. Dieses Setting ist auch die Ausgangslage für den zweiten Roman – „Juras letzter Winter“ – und sie ist es auch nicht. Selge hatte seinen Erstling aus dem Blickwinkel eines Zwölfjährigen geschrieben, nun blickt er – als „alter Mann“, wie er sich selbst bezeichnet – aus dem Heute zurück und verknüpft das Tagebuch eines Leningrader Jugendlichen aus dem Jahr 1941/42 mit den Erinnerungen an seine eigene Jugend. (mehr …)

Einladung zur Beteiligung an einem Anthologieprojekt

„Feuer, Wasser, Luft und Erde“
Bild-Text-Dialoge
Einladung zur Beteiligung an einem Anthologieprojekt

In der Antike entstand die Vorstellung, dass alles Sein aus einem Mischungsverhältnis der vier Grundelemente Feuer, Wasser, Luft und Erde bestehe. Und auch wenn dieses Modell in der Wissenschaft längst überholt ist, wird es zum Beispiel in der Bildenden Kunst immer wieder aufgegriffen. So auch von der Malerin und Zeichnerin Ulrike Schönfelder-Hellwig. „Dieses Modell bietet mir eine Möglichkeit, meine Auseinandersetzung mit Natur und Landschaft zu strukturieren“, erklärt sie. (mehr …)

Stadt zeichnet Friedrich Ani mit dem Literaturpreis 2026 aus

Der Schriftsteller Friedrich Ani wird mit dem Literaturpreis der Landeshauptstadt München 2026 ausgezeichnet. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wird, alternierend mit dem Publizistik- und Übersetzungspreis, alle drei Jahre für ein herausragendes literarisches Gesamtwerk vergeben. Ausgezeichnet werden Schriftsteller*innen, deren Werke in Stil und Gehalt hohe Qualität aufweisen und München als Literaturstadt Geltung und Ansehen verschaffen. Zur Verleihung am Dienstag, 14. Juli, sprechen Stadträtin Anne Hübner (SPD-Stadtratsfraktion) in Vertretung des Oberbürgermeisters und Kulturreferent Marek Wiechers. Die Laudatio hält der Literaturkritiker und Publizist Thomas Wörtche. Die Veranstaltung findet mit geladenen Gästen statt. (mehr …)