[LiSe 10/22] Rezension: Spiele

Ulrike Draesners neuer Roman aus dem Umfeld des Olympia-Attentats 1972

Von Stefanie Bürgers

Katja, Journalistin, Anfang 40, steht  in der Münchner U-Bahn. Sie will Max anrufen, doch das fällt ihr schwer. Das Gespräch mit Max beginnt abgehackt, holprig. Man ahnt, dass Katja in Max’ Schuld steht wegen eines massiven Vertrauensbruchs in Teenagertagen. In Rückblenden – oftmals wie Gedankensprünge eingeführt – ergeben Katjas Erinnerungen für den Leser, die Leserin nach und nach ein Bild.
Als Halbwaise ist Katja in den 1960iger Jahren bei ihrem Vater in engem Kontakt zu den Großeltern aufgewachsen und kämpft mit dem frühen Verlust der Mutter. Sie verhält sich launisch, lässt ihren unkontrollierten Gefühlen Lauf, quält die eigene Katze. (mehr …)

Krimifestival München startet

Am 30. September fällt im Literaturhaus München der Startschuss zum Krimi-Herbst 2022. Charlotte Link, Deutschlands erfolgreichste Krimi-Autorin mit über 32 Millionen verkauften Büchern, feiert die offizielle Buchpremiere ihres neuen Romans “Einsame Nacht” – Der 4. Fall für Scotland-Yard-Ermittlerin Kate Linville um einen völlig undurchsichtigen Mordfall in den abgelegenen North York Moors. (mehr …)

[LiSe 09/22] München 72

München feiert 50 Jahre Olympiade und sich selbst, stolz auf die demonstrative Weltoffenheit und die farbenfrohen Spiele. Dabei stellt sich durchaus die Frage, was es da überhaupt zu feiern gibt. Der palästinensische Anschlag mit am Ende elf toten israelischen Athleten und einem toten bayerischen Polizisten zerstörte jede Illusion und begrub den Wunsch auf Verdrängung. Dazu kamen dann noch ein paar weiter dunkle Flecken.

Von Michael Berwanger

Es ist wenig erstaunlich, dass man zu diesem Jubiläum fast überall in München über die „Spiele 72“ stolpert. Ausstellungen finden sich – unter anderem – in der Staatsbibliothek, im Olympiapark, in der Pinakothek der Moderne, im Kunstareal und im Münchner Stadtmuseum, die gleich zwei Ausstellungskonzepte anbieten – innerhalb des Hauses und außerhalb, in Form einer „Spurensuche“. (mehr …)

[LiSe 09/22] Kolumne: Meine liebe Zeit

Träume nerven. Also, Träume in der Literatur. Zumal die Zeit für Traumpassagen biblischen Ausmaßes vorüber ist.  Die waren ja damals geradezu existenziell und richtungsweisend für alles, was da noch kommen sollte. Man denke nur an den Träumer Josef und die sich verbeugenden Garben, aber auch der Pharao träumte ja recht vielsagend von den sieben fetten Kühen, die aus dem Nil gestiegen kamen, und dann kamen noch die sieben mageren, und die mageren haben die fetten gefressen, ohne dabei – und das hat Bedeutung – selbst ein Gramm Fett zuzulegen … Pah! Auch Jakobs Traum von der Leiter, Engel rauf, Engel runter und das immer wieder, ist nicht ohne. Abgesehen davon, dass diese Träume die Zukunft vorausgesagt und also dafür gesorgt haben, dass man sich zum Beispiel auf eine Hungerkatastrophe vorbereiten konnte, haben sie Menschen wie Josef, Jakob … wirklich groß rausgebracht. (mehr …)

[LiSe 09/22] Lyrische Kostprobe: Der Schriftfallensteller

Franz J. Herrmann, der über zehn Jahre das Literaturblatt der Stadt München als Redakteur betreute – es handelt sich hier um den Vorläufer der Literaturseiten -, legt mit den Adamsmasken bereits seinen fünften Gedichtband vor, den er als Corana-Konzept-Album zu lesen empfiehlt. Sein Kinderbuch „Caspar, Melchior & Balthasar fliegen ins Morgenland“ stand auf der Short List des Rattenfänger-Literaturpreises der Stadt Hameln. In der Kurzbiographie seiner Adamsmasken wird darauf verwiesen, dass er noch zahlreiche Manuskripte in Petto habe, die auf mutige Verlage setzten. So man ihn fragen würde, warum er schreibe – tja, wer frägt eigentlich einen Fliesenleger danach, warum er Fliesen lege und keine Fliegen fange? (mehr …)

[LiSe 09/22] Jung und schreibend (Folge 11): „Und was machen wir, wenn die Flut kommt?“

Ines Frieda Försterling über die Kraft der Gedichte

Von Marie Türcke

Freitag, 36 Grad in Wien, die Hitze steigt zu Kopf.

Die Umstände ihres ersten Gedichts erinnert Ines Frieda Försterling gut: „Als Jugendliche habe ich das Gewicht der Welt plötzlich sehr stark gespürt. Aus der Schule kannte ich Gedichte und an einem Nachmittag als mich alles überfordert hat, dachte ich, ich versuche mal meine Gefühle aufs Papier zu bringen. Danach habe ich mich gleich leichter gefühlt. So entstand mit 13 mein erstes Gedicht und seitdem habe ich nicht mehr aufgehört zu schreiben.“ (mehr …)