[LiSe 09/19] Literarische Archive (Folge 7)

Breitgefächerte Wortkunst

Wolfgang Bächler, ein fast
Vergessener aus der ersten Reihe
der Nachkriegslyriker

Von Katrin Diehl

Welche Bedeutung hat der Nachlass eines Unbekannten? Er mahnt an Aufarbeitung. Er erinnert. Er lässt Wunden Wunden bleiben. „Dass Wolfgang Bächler in die Geschichte der Nachkriegslyrik gehört, ist selbstverständlich, muß aber wohl wiederholt werden“, schrieb im April 1976 Heinrich Böll in der Süddeutschen. Er hatte dort die Besprechung von Bächlers fünftem Gedichtband „Ausbrechen“ übernommen. Es muss wiederholt werden. Daran hat sich bis heute kaum etwas verändert, nicht nach der Herausgabe von Bächlers „Gesammelten Gedichten“ von 2012, ein wenig vielleicht nach dem im Februar dieses Jahres veranstalteten „Tag für Wolfgang Bächler“, einer Münchner Initiative des Instituts für Deutsche Philologie, der Monacensia und des Lyrik Kabinetts. Sie muss einfach immer mal wieder hoch gehalten werden, Bächlers ansprechende, sprachkräftige wie breitgefächerte Wortkunst, mit der er Deutschland weit über die Nachkriegszeit hinaus begleitet hat mit Blick auf dessen Natur, auf dessen Menschen, auch auf dessen Nachbarland Frankreich. Wolfgang Bächlers Nachlass liegt in der Monacensia und hat seine ganz eigene „Story“. (mehr …)

[LiSe 09/19] Ausschreibung: Artificial Intelligent Writing

Das Münchner Literaturbüro veranstaltet im Dezember 2019 eine Lesereihe zum Thema „künstliche Intelligenz und Literatur“. Gesucht werden Texte, die sich literarisch (die Form ist offen) mit den bekannten Problemen wie: Verhältnis Mensch-Maschine, Macht der Algorithmen, Roboter, künstliches Bewusstsein, künstliche Menschen, künstliche Literatur ohne Urheber u.s.w., auseinandersetzen. Die Autoren sollen bereit sein, ihre Texte selbst vorzutragen.

Die erbetenen Arbeiten sollen 5 bis 7 Normseiten nicht überschreiten. Einsendungen bitte ausschließlich digital an: lesung@muenchner-literaturbuero.de bis zum 15. 11. 2019.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.muenchner-literaturbuero.de

[LiSe 09/19] Buchtipps aus erster Hand

Die Internationale Jugendbibliothek empfiehlt für September diese beiden Neuerscheinungen:

Maria Parr: Manchmal kommt Glück in Gummistiefeln

Dressler Verlag

Es gibt Neues aus Knert-Mathilde: Langsam entwachsen Lena und Trille der Kindheit. Trille ist zum ersten Mal verliebt, seine Mutter benimmt sich irgendwie merkwürdig und sein Opa wird langsam wirklich alt. Da kann man sich schon Sorgen machen! Und mit Lena ist es auch nicht so wie früher – die hat gerade selbst ziemlich Stress mit den Jungs und ihrer Fußballmannschaft. In einer guten Mischung zwischen Ernsthaftigkeit und Humor erzählt Maria Parr von einer sensiblen Umbruchzeit und findet hierfür genau den richtigen Ton. (mehr …)

[LiSe 09/19] Kurzgeschichte: Im unheiligen Ehestand

Von Beate Klepper

Stand Lichtenberg am Fenster, um nach der Jacobi-Uhr oder dem Wetter zu sehen, war dies stets mit einer Art von Vorsicht verbunden. Eine Vorsicht, die sich in seiner immer dem Zimmer zugewandten Schulter zeigte, jederzeit bereit, zurückzuweichen. Tatsächlich ging er oft, wenn ein Bekannter vorbeiging, vom Fenster weg.

»Nicht sowohl um ihm die Mühe einer Verbeugung, als vielmehr mir die Verlegenheit zu ersparen zu sehen, dass er mir keine macht.«

Maria lächelte zwar über diese Bemerkung, doch ließ etwas in ihr nicht locker, das ihr sagte, er mochte schlicht und einfach nicht gesehen werden. Die »Verlegenheit« der versäumten Ehrerbietung eines Bekannten zählte Maria zu den kleineren Übeln, über die Lichtenberg hinwegsehen konnte. Das, was sie an vielen kleinen Zurückhaltungen und Empfindlichkeiten, besonders während und nach seiner Krankheit, an ihm erspähte, nahm zu. Zweifellos, so war es. Seine Art, engere Bekannte höflich aber bestimmt, den Busenfreund Dieterich auch unverblümt hinauszukomplimentieren, war deutlich. (mehr …)

[LiSe 09/19] Veranstaltung: Münchner Dichterinnen lesen Münchner Dichterinnen

Seit zehn Jahren treten Münchner Dichterinnen im Schamrock-Salon der Dichterinnen in München und in Wien auf. Augusta Laar, Lyrikerin und Musikerin, hat das Format 2009 begründet und für die Jubiläumsveranstaltung die Monacensia München als Mitveranstalter gewonnen. Das Konzept macht neugierig: Zehn zeitgenössische Dichterinnen setzen sich mit je einer ihrer Münchner literarischen Ahninnen als fiktiver kreativer Partnerin auseinander. Karin Fellner, Augusta Laar, Alma Larsen, Lisa Jeschke, Tamara Ralis, Theresa Seraphin, Sarah Ines, Gabriele Trinckler, Barbara Yurtdas und Nora Zapf werden Elsa Bernstein, Carry Brachvogel, Therese Giese, Annette Kolb, Paula Ludwig, Erika Mann, Ruth Schaumann, Karin Struck, Regina Ullmann und Marie Luise Weissmann zum Leben erwecken. München war zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Zentrum des Aufbegehrens junger Literatinnen. In dieser Tradition versteht sich die Initiatorin Augusta Laar, die nach immer neuen Präsentationsmöglichkeiten für Dichterinnen sucht. Die Monacensia eröffnet mit ihren Nachlässen die einmalige Gelegenheit, sich kreativ mit Leben und Werk ausgewählter literarischer Vorkämpferinnen auseinanderzusetzen.

Ursula Sautmann

Die Veranstaltung findet statt am Donnerstag, 19. September, um 19 Uhr in der Monacensia im Hildebrandhaus, Maria-Theresia-Straße 23. Der Eintritt ist frei, Anmeldung wird empfohlen unter monacensia.programm@muenchen.de

[LiSe 09/19] Rezension: Es muss nicht immer Brexit sein

Oder: Liebeserklärung an ein Land

Von Bernd Zabel

Eingeweihten ist er schon seit Langem bekannt, der Münchner Autor Tiny Stricker. Nach musikalischen Anfängen in der Band „Siloah“ und nach bewegten Hippie-Zeiten, die ihn auf dem Landweg bis nach Indien führten, kehrte er doch immer wieder nach München zurück, auch um das Notierte in Buchform zu gießen. So sind über die Jahre nicht weniger als 11 Bücher entstanden, zuerst im Maro-Verlag, Augsburg, jetzt bei p. machinery. (mehr …)