[LiSe 07/19] Ausschreibung: Nature Writing

Erstmals wird vom Literaturhaus München ein Seminar zum Schreiben über Natur veranstaltet. Es soll Aufschluss geben über diese im angelsächsischen Raum längst etablierte literarische Gattung. Geleitet wird das Seminar von der Lektorin Meike Rötzer (Matthes & Seitz) und Andreas Weber, Autor, Philosoph und Biologe (Universität der Künste, Berlin). Bewerben kann sich, wer nicht älter als 40 Jahre ist, über Schreiberfahrung verfügt und aktuell an Texten zum Nature Writing arbeitet.

Termin und Ort: 19.-24.9.2019
Literaturarchiv Sulzbach-Rosenberg.
Kosten: 300 Euro (für Seminarplatz, Hotel, Verpflegung).
Bewerbungsschluss: 15.7.2019.
Infos: www.literaturhaus-muenchen.de

[LiSe 07/19] Rezension: Das literarische Leben einer Stadt

Die „Literaturgeschichte Münchens“ reicht vom Spätmittelalter bis in die Gegenwart

Von Antonie Magen

München leuchtete. Über den festlichen Plätzen und weißen Säulentempeln, […] spannte sich strahlend ein Himmel von blauer Seide […]“. Der Anfang aus Thomas Manns Novelle „Gladius Dei“, die er 1902 in München schrieb, ist wohl eine der bekanntesten Beschreibungen der Stadt. Bis heute hat sie sich im kulturellen Gedächtnis gehalten und dient als Paradebespiel der Jahrhundertwendeliteratur, die eine ungeheure Stilvielfalt und Qualität aufweist und nicht zuletzt in München einen ihrer wichtigsten Entstehungsorte hat.  (mehr …)

[LiSe 06/19] Muße zum wirklichen Leben

Henry David Thoreau suchte sie in der Natur. Er gilt als der Säulenheilige des amerikanischen Nature Writing.

Von Katrina Behrend Lesch

Muße zum wirklichen Leben“ wollte der Lehrer und Landvermesser Henry David Thoreau finden, als er sich 1845 am Waldensee in einer selbstgezimmerten Blockhütte für zweieinhalb Jahre in die Natur zurückzog. Fern von allem Komfort seiner Zeit, so dicht wie möglich am Naturgeschehen, das war das Ziel seines Experiments. Dass er damit zu einem Idol für ein Heer von Aussteigern wurde hätte ihn wahrscheinlich am meisten erstaunt. Zumal die wenigsten bei ihrer Suche nach der „wilden, unberührten Natur“ im Sinn hatten, worum es ihm ging. „Es kam auf das genaue Beobachten, Horchen, Fühlen, Schmecken an, auf das Registrieren und Vermessen, auch auf die Selbstbeobachtung und Selbsterkundung…“, so formuliert es Ludwig Fischer in seinem bei Matthes & Seitz erschienenen Buch „Natur im Sinn“. Fischer, von Haus aus Biologe und Philologe, widmet sich darin ausführlich dem Nature Writing, einer Literaturgattung, die sich in England und Amerika großer Beliebtheit erfreut, in Deutschland hingegen ein Nischendasein fristet. Das drückt sich schon im Namen aus, der sich nur höchst ungelenk ins Deutsche übersetzen lässt. Die Bücher, die sich neuerdings auf dem deutschen Buchmarkt zu Bestsellererfolgen aufschwingen, stammen zumeist aus dem angelsächsischen Sprachraum.  (mehr …)

[LiSe 06/19] Kolumne: Kriegs-Beifang

Der Dichter mag dabei noch gar nichts Schlimmes denken, das Schlimme kommt ja dennoch über ihn. Er bummelt durch Bücher, geht eben mal Milch holen oder feilt an einer Ballade – schon wirft der Krieg ihn mit Gewalt aus seinem Leben. Bei Goethe (43, ein Sohn) jedenfalls war das 1792 so, als sein Herzog, Freund und Sponsor ihn an die Front nach Frankreich rief (alles sah nach schnellem Sieg aus und endete im Desaster). Oder bei Alfred Döblin, der (124 Jahre später) als Arzt und Dichter zerfetzte Beine absägen durfte, eiternde Wunden versorgen. Oder bei Heimito von Doderer, der ab 1916 als russischer Gefangener vier Jahre in sibirischen Lagern zubrachte und dort den Entschluss fasste, Schriftsteller zu werden.  (mehr …)

[LiSe 06/19] Lyrische Kostprobe

spiel mir das lied

            vom schafottschaf blut zerstäubt
als himbeerpulver am abendhimmel über dem ehrenmal
darunter die doldenskelette des bärenklaus verkrallt
ins graue leuchtender taubendreck wie grobe
brocken von feindschnee auf bronze sing mir
von helden + herkunft ein lied das trügt bis es trägt
deiner ahnen gewicht ich hab nur das malmen
des kiefers geerbt den man meinem großvater
wegschoss ins russische jede wortformung seitdem
ein phantom schmerz doch sah ich dich moskau + deine
aufschneiende schönheit die flocken so zärtlich
hebt niemand sie auf mit den wimpern

Axel Görlach

[LiSe 06/19] Literarische Archive (Folge 5): Der penetrante Neonazismus

Erika Mann und ihre „Pfeffermühle“ /  Der digitalisierte Nachlass in der Monacensia

Von Ina Kuegler

1.034 Mal stand sie auf der Bühne, dann war Schluss. Die letzte Station sollte 1937 New York sein, die erste war 1933 in München. Am 1. Januar hob Erika Mann (1905-1969) zusammen mit ihrem Bruder Klaus das politisch-literarische Kabarett „Die Pfeffermühle“ aus der Taufe und prägte es jahrelang. Die älteste Tochter des Literatur-Nobelpreisträgers Thomas Mann glänzte als Conférencière, als Schauspielerin, Sängerin, Texterin. Heute liegen Dokumente zur „Mühle“ in der Monacensia: 114 sind es – nur ein Bruchteil von insgesamt 6.167 Schriftstücken, dem kompletten, mittlerweile digitalisierten Erika-Mann-Nachlass. (mehr …)