[LiSe 05/21] Lyrische Kostprobe: Trotz allem

Siegfried Völlger, geboren 1955 im Bayerischen Wald, lebt in Augsburg. Er arbeitete u. a. als Buchhändler.

Einmal soll er gesagt haben: „Die Welt ist ein so sonderbarer Ort – ich beschreibe nur.“ Dieses für ihn vielleicht typische Understatement unterschlägt, welch hohes Erkenntnispotential in einer gelungenen Beschreibung liegt. Zudem versteht es Völlger, immer wieder Fallstricke freundlichen Humors und zarter Ironie auszulegen, damit es nicht allzu unspektakulär aussieht, wenn er mit offenen Armen durch die Welt läuft und geduldig, gelassen, hoffnungsvoll die Menschen und Dinge zu einer höflichen Begegnung aufruft.              RED (mehr …)

[LiSe 04/21] Lyrische Kostprobe … und außer.dem

Der 1965 geborene Autor Armin Steigenberger war von 1998 bis 2000 Vorsitzender des Münchner Literaturbüros. Seit 2001 ist er Schriftsteller und Lektor, organisiert Lesungen sowie Schreibseminare. Er arbeitet als Moderator für das poesie[magazin] des Radiosenders LORA München, schreibt Lyrik, aber auch Romane, Theaterstücke und Rezensionen und ist Mitherausgeber der Literaturzeitschrift außer.dem.

windmühle, -hose

die arme rudern wild, als krähten bretter.
da dreht sich was, mahlt schatten, kreist im wind.
was kreißt da nur? wächst aus dem schrot ein kind?
aus weizenslust ein innres brausen? wetter- (mehr …)

[LiSe 01/21] Lyrische Kostprobe: LAUTenLOS

Wolfgang Berends, der 1966 in München geboren wurde, ist seit 2004 Leiter der Bibliothek der Stiftung Lyrik Kabinett. Als Lyriker bestreitet er häufig Lesungen. Auch als Übersetzer und Rezensent ist er gelegentlich tätig. Zuletzt erschien sein Gedichtband „Nach Durchsicht der Wolken“ (Stadtlichter Presse, 2016).   RED

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Im Gehölz

Du schneidest alles,
was vor dir ist,
du durchschneidest
die Luft.

Der Wald ist bei uns
immer seltener, in den
wir, wie in die Rinde,
eingedrungen sind.

Die Bäume, warum
zählst du sie nicht,
zuende?

Wolfgang Berends

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[LiSe 12/20] Lyrische Kostprobe: Gekrümmter Raum

Der unwahrscheinliche Fall
eines Geschehens,

in dem so viel Nichts ist
wie Welt, deren Volumen

und Tiefe ich bin,
deren Oberfläche ich habe,

vor einem Hintergrund, den
ich mir weine.

Dort, wo das Gefundene
mich sucht, nimmt mich das Wahr-

Genommene wahr und das An-
Geschaute schaut sich in mir

und vergisst mich nicht.
Es redet mich in den Dingen.

Klaus Konjetzky

Vera Botterbusch hat uns zum Gedenken an ihren Mann einige Gedichte zukommen lassen, von denen wir hier gerne eines abdrucken.
Vera Botterbusch war, bis zu dessen Tod, 43 Jahre lang mit Klaus Konjetzky verheiratet. Sie ist Autorin, Filmemacherin und Fotografin sowie Mitglied des VS und des PEN.