Wenn sich hochgezogene Schultern mit heruntergezogenen Mundwinkeln irgendwo in der Mitte treffen, dann bedeutet das in der Regel: „Ist halt so“. „Ist halt so“ ist Alltag, gehört als mimische, gestische oder sprachliche Äußerung zum ewigen Hintergrundgeplätscher und -geplapper und hat es doch faustdick hinter den Ohren: Da ist gerade eine Batterie am Leergehen. Da macht sich gerade eine fette Resignation breit. Da hat eine*r jetzt echt keinen Nerv mehr, keinen Bock mehr darauf, Empathie zu zeigen, geschweige denn zu fühlen.
Das kleingeschriebene „halt“ gehört als Wortart zu den Partikeln, Teilchen, i-Tüpfelchen also, die sehr nah am Salz sind, das eine (gesprochene) Sprache ausmacht. Wer die als Lernende*r draufhat, hat sie drauf die fremde Sprache, ist vorgedrungen bis zu deren Herzschlag, dass sich nur noch so mit der Zunge schnalzen lässt. Partikel zeichnen sich dadurch aus, dass sie schwer fassbar sind, dass sie sich einschleichen, sie ihre Worthülsen gallertartig mit Bedeutung füllen, Sprache mit Launen vermengen. Partikel scheuen sich vor einer Definition und das macht sie aus. „Halt“, kleingeschrieben, gehört zu den Modalpartikeln und drückt so etwas wie eine Selbstverständlichkeit aus, etwas, was „halt“ zu akzeptieren ist. „Geh halt zum Zahnarzt!“, erzählt also eine ganze Geschichte und setzt gleichzeitig einen Punkt dahinter.
„Eben“ – noch so ein Partikel – und „halt“ liegen sehr nahe beieinander. „Eben“, kleingeschrieben, kommt von seiner äußeren Form her vielleicht ein bisschen feiner daher. Und deshalb schaffte es unser „halt“ eventuell auch leichter in die Sphären der Interjektionen. Interjektionen wiederum sind mehr Laute als Wörter. Sie werden spontan, fast reflexartig ausgestoßen, legen Empfindlichkeiten ziemlich offen: „Igitt“ oder „nanu“ oder „au“ gehören dazu. Von den Interjektionen wiederum ist es nicht weit zu den Verzögerungslauten, wie „äh“ oder „hm“, und jetzt sind wir endlich wieder beim „halt“, kleingeschrieben.
Manche klemmen das nämlich so gut wie hinter jeden zweiten Satz. Akademische oder auch belehrende bis alles- oder besserwisserische Vorträge kriegen dadurch etwas Hemdsärmeliges, fast Zugängliches. Gespielter Humbug bzw. eine nicht ganz einfache Gratwanderung. Denn: Wenn sich hochgezogene Schultern halt mit heruntergezogenen Mundwinkeln irgendwo in der Mitte treffen, dann bedeutet das halt in der Regel: „Ist halt so“. „Ist halt so“ ist Alltag, gehört als mimische, gestische oder sprachliche Äußerung halt zum ewigen Hintergrundgeplätscher und -geplapper und hat es halt doch faustdick hinter den Ohren.
Dika