Von Sevda Cakir

Joana Osman stiftet Frieden. Sie ist die Tochter eines palästinensischen Vaters und einer deutschen Mutter. Mit ihrem Debütroman „Am Boden des Himmels“ habe sie eine Möglichkeit gefunden, die traumatisierte Hälfte ihrer Identität in die andere – die deutsche Hälfte – zu integrieren, sagt sie.

In ihrer Geschichte erzählt sie von Freundschaften zwischen Israelis und Palästinensern. Davon, wie Beziehungen durch das Verstehen der Traumata des Gegenübers Tiefe bekommen können. Und von Wundern – in der Erscheinungsform eines Engels –, die bei Joanas Protagonist*innen bewirken, dass sich Betroffene plötzlich in die Lage der Gegenseite versetzen können.

Es ist, als wären wir Lesenden wirklich vor Ort, denn ihre Sprache lässt uns das erspüren. Diejenigen, die schon einmal dort waren, erkennen die Schauplätze, von denen die Rede ist, fühlen die Hitze, die das Buch ausstrahlt.

Die junge Autorin lebt und arbeitet in der Nähe von München. Ihre Friedensreise begann, als sie einen Freund in Israel kennenlernte. Zunächst trafen sie sich online, kurze Zeit später haben sie im wahren Leben ihre Freundschaft vertieft. Ronny Edry und Joana haben sich gemeinsam für das Projekt „Peace Factory“ stark gemacht, bei dem Menschen zueinander finden, die oft verfeindet sind. Diese kommen aus Israel und Palästina, Irak und USA, Afghanistan und Iran, Deutschland und Nigeria.

Joana Osman hat schon immer geschrieben. Nur hat sie nicht alles veröffentlicht. Es sei wie üben für den Ernstfall gewesen, sagt sie. Als sie mit ihrem Friedensroman begann, wusste sie, dass es so weit war. Auch ihr Verlag hat das sofort bemerkt.

Jetzt, nachdem ihr Roman in den vergangenen drei Jahren eine große Leserschaft erreicht hat, folgt sie – als frisch gebackene Mutter–  immer noch ihrem Impuls zu schreiben.

Doch der literarische Entstehungsprozess hat für sie eine neue Herausforderung bekommen: Sie tippt zuhause, während ihr acht Monate altes Kleinkind auf dem Boden spielt. Wenn dieses dann auf den Schoß möchte, hat Joana die Möglichkeit, das Getippte zu lesen, bevor sie es dann im weiteren Tagesablauf zu Ende entwickelt. So entsteht aktuell ihr neues Werk, das noch dieses Jahr erscheinen soll.

Ihr Lieblingsteeladen in München, und das wird auch im ersten Roman verraten, ist wie ein zweites Wohnzimmer für sie, eine wahre Wohlfühloase. Dort, wo sie sonst auch schreibt, kann sie zu einem Gespräch angetroffen werden. In Joanas Gegenwart wird auch ihre Vision greifbar: „… stell dir nur vor, wir alle haben irgendwo auf der Welt eine Freundin oder einen Freund, dann kannst du dir ja die Auswirkung vorstellen, die das haben könnte*“. Frieden, auf der ganzen Welt!

2020 gewann Joana Osman mit ihrem Debüt den Phantastikpreis der Stadt Wetzlar.

*frei interpretiert aus ihrer Rede, TEDx Hamburg, 2018

In unserer Serie „Jung und schreibend“, in der wir junge Münchner Autor*innen vorstellen, porträtierten wir bisher Lisa Jeschke, Leander Steinkopf, Daniel Bayerstorfer, Katharina Adler, Benedikt Feiten, Caitlin van der Maas, Samuel Fischer-Glaser, Vladimir Kholodkov, Annika Domainko, Jan Geiger, Ines Frieda Försterling, Rebecca Faber, Natascha Berglehner, Tristan Marquardt, Martin Kordić, Moritz Hürtgen und Bernhard Heckler.