[LiSe 01/18] Dichter-Denkmäler in München (Folge 3): „Bin im Hofbräuhaus. Goethe“

Das Standbild am Maximiliansplatz hatte einen Vorgänger

Von Ina Kuegler

Und dann ist auch noch das Wetter schlecht! Nur einen einzigen Tag bleibt Goethe in München, auf der Durchreise nach Italien.  „Ein Nebel, der für einen Regen gelten konnte, empfing mich heute früh vor München, den ganzen Tag blies der Wind sehr kalt, der Himmel war bedeckt“. Es ist der 6. September 1786, am 7. reist Goethe ab. München und Goethe – ein bisweilen sperriges Verhältnis. Das lässt sich auch an den Denkmälern ablesen, die die Stadt dem Dichter widmet. (mehr …)

[LiSe 01/18] Internationale Jugendbibliothek: Insekten und Spinnen in Jugendbüchern

Noch bis Oktober 2018 präsentiert die Internationale Jugendbibliothek in der Blutenburg eine Ausstellung über Insekten und Spinnentiere in Kinder- und Jugendbüchern. Bienen und Fliegen surren, Käfer und Ameisen wuseln, Spinnen und Zecken lauern – Insekten und Spinnentiere sind in der Kinder- und Jugendliteratur zahlreich vertreten. Systematisiert werden sie in Sachbüchern, sie schwirren durch Kindergedichte und -lieder und gehören ebenso zum Inventar klassischer Tierdichtungen wie sie in Bilderbüchern und Romanen zu Hause sind: „Die kleine Raupe Nimmersatt“ frisst sich seit Jahrzehnten durch viele Äpfel und Birnen, „Spyflugan Astrid“ erscheint als schwedisches Bilderbuchpendant zur vorwitzigen Biene Maja, und im Roman „Käferkumpel“ werden kluge Käfer zu Helden. Die Jahresausstellung begibt sich auf eine Expedition ins Tier- und Literaturreich, um die facettenreichen Darstellungen von Insekten und Spinnengetier in internationalen Kinder- und Jugendbüchern aufzuspüren. Sie präsentiert krabbelndes Getier aus der Nonsensdichtung, zeigt täuschend echt aussehende Sachbuchillustrationen und erkundet, wie Sechs- und Achtfüßler aufgrund ihrer Verhaltensweisen und Eigenschaften in der Fabel oder im modernen Kinderroman als Exempel und Symbol genutzt werden, um psychologische, soziale und politische Einstellungen sichtbar zu machen.

Zur Ausstellung werden Workshops für Schulklassen angeboten.
Öffnungszeiten: Mo – Fr 10 – 16 Uhr,
Sa / So 14 – 17 Uhr

[LiSe 01/18] Lyrische Kostprobe

Über dem Fehlboden (Trudering, um 1919)

Der Boden muss erneuert werden, auf dem wir stehen.
Unter dem Boden liegt der Fehlboden, weitere Schicht,
die die Sicht auf die Tragfähigkeit des Organismus sperrt.
Zwischen den beiden Kies aus der Eiszerfallslandschaft,
zwischen den Stockwerken wie unter dem Keller der
Kies, ich möchte auf seinen Symbolwert hinweisen.
Man sagt mir, auf ein Zimmer knappe vier Tonnen. (mehr …)

[LiSe 01/18] Buchtipps aus erster Hand

Karin Staisch von der Autorenbuchhandlung ist die erste Buchhändlerin, die wir von den „LiteraturSeiten München“ um eine Lektüre-Empfehlung gebeten haben. In Zukunft wollen wir  uns jeden Monat an eine Buchhandlung wenden, um Buch-Tipps aus erster Hand zu erhalten. (mehr …)

[LiSe 01/18] Kurzgeschichte: VRBOVSKO

Die Sonne zieht letzte Lichtschleppen über den Horizont. Der Asphalt ermattet und gerät ins Visier herandunkelnder Wälder. Übergriffiges Schwarz rückt Baumstamm um Baumstamm vor. Die Mittellinie bringt sich in Stellung. Ich muss nach Vrbovsko.

Aufwärts. Riesige Nachtschattengewächse beschweigen den Husten, der mich seit Tagen begleitet. Ertretenes Gefunzel vor der Gabel. Steige ich ab, frisst mich das bodenlose Dunkel des kroatisch-slowenischen Grenzgebiets. Ich muss nach Vrbovsko.

In Passau übernachtete ich bei meiner Mutter. In Linz speiste ich in Urfahr. In Wien schwamm ich in der Donau. In Ungarn fuhr ich an wogenden Gänsefeldern vorbei. In Budapest bröckelte der Ostblock. Sommer 1989 und ich muss nach Vrbovsko.  (mehr …)

[LiSe 01/18] Als die Dichter die Macht übernahmen

Volker Weidermanns Buch „Träumer“ bringt Literatur und Politik zusammen

Von Katrina Behrend Lesch

Die Bayrische Revolution hat gesiegt. Sie hat den alten Plunder der Wittelsbacher Könige hinweggefegt.“ So, wird überliefert, begann Kurt Eisner seine Rede, in der er Bayern zum Freistaat und sich selbst zum Ministerpräsidenten erklärte. Sie ist nicht dokumentiert, wie so vieles, was in dieser heißen kurzen Zeit zwischen November 1918 und April 1919 passierte, doch Augenzeugen erzählen von ihrer bannenden Wirkung. Es sollte der Beginn einer neuen Welt werden, in der alles möglich war: radikaler Pazifismus, direkte Demokratie, soziale Gerechtigkeit, die Herrschaft der Fantasie. Einen magischen Moment lang hatten die Dichter die Macht übernommen, träumten davon, nach dem schrecklichen vierjährigen Krieg eine Herrschaft des Volkes auf die Beine zu stellen, eine Herrschaft der Solidarität und Menschenfreundlichkeit. Kaiser und König waren abgesetzt, der Krieg war durch Kapitulation beendet worden, nun sollte das Volk regieren, und es würde seine Sache gerecht und gut machen. Es blieb ein Traum, das böse Erwachen ließ nicht lange auf sich warten. (mehr …)

Münchner Stadtbibliothek initiiert Literaturformat „Salon Mayer“

Mit zwei renommierten Frauen als Gästen startet am 8. und 9. Dezember die neue Reihe „Salon Mayer“ im Forum der Münchner Stadtbibliothek Am Gasteig, Rosenheimer Straße 5, und macht damit die Tradition des literarischen Salons öffentlich. Eine Lesung am Abend und das literarische Frühstück am folgenden Tag bringen durch Texte, Gespräche und Musik Gäste und Publikum zusammen. Der Eintritt an beiden Tagen ist frei. Am Freitag, 8. Dezember, um 19 Uhr stellt Comic-Autorin Barbara Yelin ihren Comic-Roman „Irmina“ im Gespräch mit der Autorin Julya Rabinowich und dem Literaturwissenschaftler Klaus Blanc vor. Im Anschluss spielen der Cellist Eugen Bazijan und der Gitarrist Vlado Grizelj Jazz-Standards. Am Samstag, 9. Dezember, um 11 Uhr folgt ein Literaturfrühstück, in dessen Zentrum dann Julya Rabinowich mit ihrem Roman „Spaltkopf“ steht. Sie wird zeichnerisch begleitet von Barbara Yelin.

(mehr …)

[LiSe 12/17] Geschenke – ein literarisches Ratespiel

In zehn Werken der Weltliteratur erfüllen Geschenke ihren Zweck: so hintersinnig, wie es eben große Autoren und Autorinnen ersinnen können. Auch eine Anregung für den literarischen Gabentisch. Wir wünschen viel Vergnügen beim kleinen Ratespiel!

  1. Ein amerikanischer Autor aus Chicago, Nobelpreis 1976, entwirft, durchsetzt mit fiktiven Briefen an Eisenhower, Einstein, Spinoza die
    Lebenskrise eines Professors, der seine kapriziöse Ehefrau verliert und sein Kind mit Geschenken an sich binden will:

Als erfahrener Vater wartete er weise, bis sie den (Ford) Falcon erreichten und sagte erst dann: „Ich habe Geschenke für dich im Kofferraum!“ „O Papa, was hast du mitgebracht?“ … Und er überlegte, wie sie diese Welt der großen Werkzeuge, der physikalischen Prinzipien und der angewandten Wissenschaft einst erben würde.

  1. Österreicher wider Willen, der in seinem umfangreichsten Roman von Rom aus die engen Verhältnisse seiner Heimat sezieren lässt:

Die Mutter sagt zu einem solchen Mann, ich schenke dir einen Erben und nimmt ihm gleichzeitig und tatsächlich praktisch alles weg. Andererseits hat der neue Vater das Gefühl, die Schuldigkeit getan zu haben, auf die es ihm angekommen ist. Ist der Erbe da, interessiert ihn die Frau gar nicht mehr. (mehr …)