[LiSe 01/16] Zum Gedenken: Aufräumarbeiten

Stellen Sie sich vor, Sie verschlafen an Ihrem Geburtstag, weil Sie tüchtig gefeiert haben am Abend davor. Als Sie im Büro eintreffen, ist dort nichts mehr, die Kollegen sind tot, alles ist zerstört. Renald Luzier, genannt Luz, kam an seinem 43. Geburtstag, den 7. Januar 2015, zu spät zur Redaktionskonferenz. Als er in den Räumen der Satirezeitschrift Charlie Hebdo eintrifft, ist alles schon vorbei. Was er vorfindet ist Chaos, Zerstörung, Blut und Leichen. Beim Anschlag auf die Redaktion wurden 12 Menschen ermordet, darunter acht Redakteure – fast die gesamte Redaktions-Belegschaft. (mehr …)

[LiSe 01/16] Kurzgeschichte: Immer Ärger mit Robbie

Mein Mobiltelefon während wir zur Konferenz unterwegs sind im selbst fahrenden Dienstwagen mit Roboter Robbie sagt plötzlich in die Stille hinein „Anruf von Teresa“.

Ich sage: „Konferenzvorbereitung läuft. Rückruf in drei Stunden.“

Robbie wiederholt: „O.k., Rückruf in drei Stunden.“ Wir stecken im Altstadtring fest, das wird sehr knapp.

„Solln wir lieber drehen, Rob?“

Er sollte sämtliche Stauinfos eigentlich zusammenführen, speichern, berechnen und an mich herausgeben. Integriertes Navigator-Diktier-Radiosystem, dritte Generation. Er gibt tonlos zurück „Noch zehn Minuten, Roy.“ Roy war mein Vorgänger, ist jetzt draußen, Alkoholiker, der arme Kerl. (mehr …)

[LiSe 01/16] Rezension: Schwankendes Terrain

In ihrem neuen Roman „Schlaf der Vernunft“ erzählt Tanja Kinkel den Werdegang einer RAF-Terroristin.

Tanja Kinkel schreibt vor allem historische Romane. In ihrem neuen Buch „Schlaf der Vernunft“ greift sie ebenfalls auf ein geschichtliches Thema zurück, allerdings auf eines der jüngeren Geschichte. Dass bei der Titelgebung Francisco de Goyas berühmte Radierung Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer aus der Sammlung Los Caprichos Pate stand liegt nahe. Eine der zahlreichen Interpretationen lautet, dass sich alles in monströse Visionen verwandelt, wenn die Vernunft schläft. Oder anders gesagt, sobald die Vernunft sich zurückzieht und der Fantasie keine Zügel mehr anlegt, geschieht Ungeheuerliches. Eine Steilvorlage für den Roman, denn er spielt in der Zeit zwischen den 70er und 90er Jahren, als die Rote Armee Fraktion die Bundesrepublik mit ihren Gewalttaten erschütterte. Als sie von Revolution sprach, während es für alle anderen Terror war. 1998 erklärte sie ihre Selbstauflösung, zeitgleich setzt die Handlung ein, nämlich mit der Begnadigung einer RAF-Terroristin. (mehr …)

[LiSe 12/15] Kolumne: Fuck-up-Nights

Manchem Anfang wohnt ein Zauber inne, aber auch ein Scheitern … doch gerade dieses Scheitern und das Bekenntnis dazu kommen derzeit groß in Mode. Junge Ökonomen bekennen sich z. B. an der ehrwürdigen Frankfurter Universität in „Fuck-up-Nights“ dazu, mit mindestens einer Firmengründung gescheitert zu sein und es sofort wieder zu versuchen. – Moment mal, wir haben doch hier jetzt Advent, die Zeit der weichen Herzen und Kerzen und der unzähligen Ludwig Thoma-„Heilige Nacht“-Lesungen! Werfen wir also einen prüfenden Blick auf die Chancen jenes Start-up-Unternehmens, wie es das Neue Testament uns als literarische Quelle und der bayerische Oberdichter in marzipansüßer Vers-Variante überliefern: Betlehem-Konzept, Knowhow, Personal und Kapitalausstattung. (mehr …)

[LiSe 12/15] Meine Lieblingsbuchhandlung (Folge 8)

Ein Königreich für ein Buch

„Buchpalast“ – die Haidhauser Lieblingsbuchhandlung von Christoph „Stofferl“ Well

Mut und Witz bewiesen Katrin Rüger und Friederike Wagner, als sie ihre vor eineinhalb Jahren eröffnete Buchhandlung auf den Namen „Buchpalast“ tauften. Nun prangt einem der Name auf dem Weg von der U-Bahn-Station am Max-Weber-Platz in die Kirchenstraße entgegen, umkränzt vom reichen Blüten- und Blattwerk einer Glyzinie. Ein Hingucker schlechthin und eine Anspielung auf das nahe gelegene Maximilianeum, dem Sitz der Politik, indes sie sich als den Sitz der Kultur begreifen. Eine Portion Ironie schwingt dabei mit, denn das Lädchen umfasst gerade mal 43 Quadratmeter. (mehr …)

[LiSe 12/15] Ausstellungen: Bullerbü-Idylle

Bullerbü-Idylle

Zwei Ausstellungen in der Internationalen Jugendbibliothek

Was gibt es Gemütlicheres als eine Tasse Kakao und warme Zimtschnecken, wenn draußen der Herbstwind ums Haus weht und der Regen ans Fenster peitscht? Eine „Bullerbü-Idylle“, geprägt von Illustrationen in den Büchern Astrid Lindgrens. Die meisten von ihnen entstammen den Stiften und Farben von Ilon Wikland, die 1930 in Estland geboren wurde und seit 1944 in Schweden lebt. Lasse, Bosse, Lotta, Madita, Ronja, Karlsson und noch vielen anderen literarischen Figuren Astrid Lindgrens hat sie ein Gesicht gegeben. (mehr …)

[LiSe 12/15] Krimiwettbewerb

Schreibtischtäter zwischen 9 und 14 Jahren gesucht

Zum 14. Mal können Kinder zwischen 9 und 14 Jahren ihren eigenen Krimi schreiben und einer Jury vorstellen. Ob alleine, zu zweit, mit der ganzen Schulklasse oder in der Gruppe – wer eine Idee hat, sollte unbedingt zum Stift oder in die Tasten greifen. Einsendeschluss und Deadline: 19. Februar 2016. Der Kinder-Krimipreis ist eine Initiative der Münchner Stadtbibliothek, des Jugendkulturwerks und des Vereins Kultur & Spielraum gemeinsam mit Unterstützung des Kulturreferats der Landeshauptstadt München. Zum glanzvollen Abschluss des Wettbewerbs werden im großen Saal des Literaturhauses die Krimis vorgestellt. Alle Kinder, die mitgeschrieben haben, sind dabei. Die Preisverleihung findet am 17. März im Rahmen des 15. Kinder-Krimifests statt.

Weitere Infos unter www. kinderkrimifest-muenchen.de