by LiSe | 29. Dez. 2015 | Blog, Vermischtes
Ein literarischer Schutzraum
Friedrich Ani ist Stammkunde im Buchladen „Glatteis“
34 waagrecht: tödliches Nussaroma; 46 senkrecht: männliche Vorsilbe für Tötungsarten – ein Kreuzworträtsel für Krimifans. Spürsinn und Kombinationsgabe sind gefragt in diesem Ratespiel, das die Münchner Buchhandlung „Glatteis“ ihren KundInnen zum Jahreswechsel offeriert. Ausgedacht hat sich das Kreuzworträtsel ein treuer Kunde der Kriminalbuchhandlung – und Stammkunden hat dieser Buchladen viele. Einer von ihnen ist der wohl prominenteste und beste deutsche Krimi-Romancier: Friedrich Ani. Seit 15 Jahren kommt er in die Corneliustraße 31. „Von Anfang an war die Buchhandlung ein Zuhause für mich, eine Anlaufstelle, ein literarischer Schutzraum“, verrät der Münchner Schriftsteller. (mehr …)
by LiSe | 29. Dez. 2015 | Blog, Lyrische Kostprobe
Herbstkind
Kühl rinnt die Sonnenzeit im Stundenglas,
Aus Glas ein Licht, aus hohen Himmels Blau,
Treibt Kälte gleißend Gold ins graue Gras.
Den Winterschläfer zieht´s in seinen Bau.
Noch unsichtbar hängt Schnee schon in der Luft,
Und zieht als Schattenkälte durch die Kleider,
Kartoffelfeuers süßer bitterer Duft,
Es schwelt zum Sonnenfrösteln unsrer beider.
Und Blätter fallen, schmieren taumelnd ab.
In seinem Bettchen fiebrig liegt ein Kind.
Denkst nie ans Ende, aber schmückst das Grab,
Willst nur ins Warme, weil so rau der Wind.
Der Schnee legt sich nun endlich auf das Land.
Nun sind es wir, die süchtig uns noch treiben,
Wir spähen zahm nach Krippen, trotz Verstand,
Wie wartend Wild, bis sich die Jäger zeigen.
Ottfried Fischer
by LiSe | 29. Dez. 2015 | Blog, Rezension & Buchempfehlungen
Stellen Sie sich vor, Sie verschlafen an Ihrem Geburtstag, weil Sie tüchtig gefeiert haben am Abend davor. Als Sie im Büro eintreffen, ist dort nichts mehr, die Kollegen sind tot, alles ist zerstört. Renald Luzier, genannt Luz, kam an seinem 43. Geburtstag, den 7. Januar 2015, zu spät zur Redaktionskonferenz. Als er in den Räumen der Satirezeitschrift Charlie Hebdo eintrifft, ist alles schon vorbei. Was er vorfindet ist Chaos, Zerstörung, Blut und Leichen. Beim Anschlag auf die Redaktion wurden 12 Menschen ermordet, darunter acht Redakteure – fast die gesamte Redaktions-Belegschaft. (mehr …)
by LiSe | 29. Dez. 2015 | Blog, Kurzgeschichte
Mein Mobiltelefon während wir zur Konferenz unterwegs sind im selbst fahrenden Dienstwagen mit Roboter Robbie sagt plötzlich in die Stille hinein „Anruf von Teresa“.
Ich sage: „Konferenzvorbereitung läuft. Rückruf in drei Stunden.“
Robbie wiederholt: „O.k., Rückruf in drei Stunden.“ Wir stecken im Altstadtring fest, das wird sehr knapp.
„Solln wir lieber drehen, Rob?“
Er sollte sämtliche Stauinfos eigentlich zusammenführen, speichern, berechnen und an mich herausgeben. Integriertes Navigator-Diktier-Radiosystem, dritte Generation. Er gibt tonlos zurück „Noch zehn Minuten, Roy.“ Roy war mein Vorgänger, ist jetzt draußen, Alkoholiker, der arme Kerl. (mehr …)
by LiSe | 29. Dez. 2015 | Blog, Rezension & Buchempfehlungen
In ihrem neuen Roman „Schlaf der Vernunft“ erzählt Tanja Kinkel den Werdegang einer RAF-Terroristin.
Tanja Kinkel schreibt vor allem historische Romane. In ihrem neuen Buch „Schlaf der Vernunft“ greift sie ebenfalls auf ein geschichtliches Thema zurück, allerdings auf eines der jüngeren Geschichte. Dass bei der Titelgebung Francisco de Goyas berühmte Radierung Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer aus der Sammlung Los Caprichos Pate stand liegt nahe. Eine der zahlreichen Interpretationen lautet, dass sich alles in monströse Visionen verwandelt, wenn die Vernunft schläft. Oder anders gesagt, sobald die Vernunft sich zurückzieht und der Fantasie keine Zügel mehr anlegt, geschieht Ungeheuerliches. Eine Steilvorlage für den Roman, denn er spielt in der Zeit zwischen den 70er und 90er Jahren, als die Rote Armee Fraktion die Bundesrepublik mit ihren Gewalttaten erschütterte. Als sie von Revolution sprach, während es für alle anderen Terror war. 1998 erklärte sie ihre Selbstauflösung, zeitgleich setzt die Handlung ein, nämlich mit der Begnadigung einer RAF-Terroristin. (mehr …)
by LiSe | 27. Nov. 2015 | Blog, Titelgeschichte
Elf Anfänge aus literarischen Werken deutscher Sprache zwischen 1810 und 2013 – Anfänge, die meist so pointiert sind, dass sie als Keimzelle der folgenden 30 bis 3000 Seiten wirken. Wir wollten Ihnen, unseren Leserinnen und Lesern, die spielerische Chance geben, daraus Autor/in und Werk zu erraten und wünschen Ihnen dabei viel Vergnügen! (mehr …)
by LiSe | 27. Nov. 2015 | Blog, Kolumne
Manchem Anfang wohnt ein Zauber inne, aber auch ein Scheitern … doch gerade dieses Scheitern und das Bekenntnis dazu kommen derzeit groß in Mode. Junge Ökonomen bekennen sich z. B. an der ehrwürdigen Frankfurter Universität in „Fuck-up-Nights“ dazu, mit mindestens einer Firmengründung gescheitert zu sein und es sofort wieder zu versuchen. – Moment mal, wir haben doch hier jetzt Advent, die Zeit der weichen Herzen und Kerzen und der unzähligen Ludwig Thoma-„Heilige Nacht“-Lesungen! Werfen wir also einen prüfenden Blick auf die Chancen jenes Start-up-Unternehmens, wie es das Neue Testament uns als literarische Quelle und der bayerische Oberdichter in marzipansüßer Vers-Variante überliefern: Betlehem-Konzept, Knowhow, Personal und Kapitalausstattung. (mehr …)
by LiSe | 27. Nov. 2015 | Blog, Vermischtes
Ein Königreich für ein Buch
„Buchpalast“ – die Haidhauser Lieblingsbuchhandlung von Christoph „Stofferl“ Well
Mut und Witz bewiesen Katrin Rüger und Friederike Wagner, als sie ihre vor eineinhalb Jahren eröffnete Buchhandlung auf den Namen „Buchpalast“ tauften. Nun prangt einem der Name auf dem Weg von der U-Bahn-Station am Max-Weber-Platz in die Kirchenstraße entgegen, umkränzt vom reichen Blüten- und Blattwerk einer Glyzinie. Ein Hingucker schlechthin und eine Anspielung auf das nahe gelegene Maximilianeum, dem Sitz der Politik, indes sie sich als den Sitz der Kultur begreifen. Eine Portion Ironie schwingt dabei mit, denn das Lädchen umfasst gerade mal 43 Quadratmeter. (mehr …)