Tukan-Preis der Stadt München für Thomas Willmann

Der diesjährige Tukan-Preis wird an Thomas Willmann für seinen Roman „Der eiserne Marquis“ vergeben. Die Vergabe beschloss der Kulturausschuss des Stadtrats auf Empfehlung einer Jury in seiner gestrigen Sitzung. Der mit 8.000 Euro dotierte Tukan-Preis zeichnet jährlich eine sprachlich, formal und inhaltlich herausragende literarische Neuerscheinung aus. In die Auswahl kommen alle belletristischen Veröffentlichungen von Münchner Autorinnen und Autoren. Zur Diskussion standen in diesem Jahr insgesamt 51 Bücher. (mehr …)

[LiSe 10/23] Kolumne: Auf der Höhe der Zeit

Es wird sich ein bisschen viel gewundert. Manche reiben sich auch erstaunt die Augen. Sind verblüfft. Kriegen gar Herzklopfen. Und wie das eben so ist mit allem, was inflationär betont, hervorgehoben, benannt wird: Erst kann man es nicht mehr hören, und dann überhört man es einfach. Genervt schaltet man insgesamt ab ob der Phrasendrescherei oder – ein Zeichen des Goodwills – sie/er lässt ein paar Sätze verstreichen …, und vielleicht lohnt es sich ja dann, den Aufmerksamkeitspegel peu à peu wieder langsam nach oben steigen zu lassen. (mehr …)

[LiSe 10/23] Jung und schreibend (Folge 23): Andrej Murašov: Geschenke

Von Sevda Cakir

Andrej Murašovs Debütroman „Alles Gold“ entpuppt sich als ein Geschenk. Der Hip-Hop-Scholar erzählt eine Coming-Of-Age-Geschichte in Wort und „Musik“. Dazu kann die interessierte Leserschaft einfach dem Album-Hinweis im Buch folgen und schon werden die Szenen aus den Seiten musikalisch lebendig. Zusätzlich hat der Katapult-Verlag farbige Illustrationen von Malik Heilmann mit in das Werk aufgenommen. Dadurch können Augenblicke in der Welt der jungen Protagonist*innen intensiv miterlebt werden. (mehr …)

[LiSe 10/23] Kurzgeschichte: Mauseleben

Von Wolfram Hirche

Schon zum dritten Mal heute, diese Falle. Gebratener Schinken, etwas Käse, achtsam auf den kleinen Spieß gesteckt, der von oben in die Falle hineinragt. Dann konzentriert den Metallbügel nach hinten über den Draht-Käfig gespannt und mit einem weiteren Bügel arretiert. So arretiert, dass die Klappe zur Käfig-Falle weit offensteht. Damit diese Klappe sich blitzschnell schließt, sobald das Tier am Schinkenkäse zupft, weil dann der Bügel sich löst und nach vorne schnappt. Es sei denn, die Maus würde von außen schnuppernd an die Gitterstäbe stoßen, dann käme es zu einer Fehlschließung. (mehr …)

[LiSe 10/23] Alles Blau: Zu Tania Rupel Teras neuem Erzählband

Von Ulrich Schäfer-Newiger

Dieses Buch ist ein blaues Buch: Der blaue Umschlag, ein blaues Gemälde wiedergebend, innen ein blaues Selbstbildnis der Autorin, das blaue Hardcover, die 19 blauen Bilder im Innern, die von der Autorin selbst stammen. Alle fünf Gedichte im Buch sind auf blauem Untergrund mit weißer Schrift gedruckt (vom letzten, dem fünfseitigen Langgedicht Tropfen auf der Scheibe allerdings nur die erste Seite). Gleichermaßen die jeweils ersten Seiten der sechs Prosatexte. Blau soll ins Auge springen, noch bevor man eine einzige Zeile der Texte gelesen hat. Ein handwerklich hervorragend gemachtes, solides blaues Buch. (mehr …)

[LiSe 09/23] SUSAN SONTAG for ever

Michael Krüger erinnert sich an die kluge Essayistin, die es großartig verstand, Intellektualität zu inszenieren. In diesem Jahr wäre sie 90 Jahre alt geworden.

Von Katrin Diehl

Sagen wir es einmal so: Wer etwas über Susan Sontag wissen will, ist bei Michael Krüger ganz sicher nicht an der falschen Adresse. Hier in München über Jahrzehnte lang Verlagsleiter von Hanser war er ihre Anlaufstelle in Deutschland, war ihr Verleger in Germany. Und wenn man jemandes Verleger ist, ist man ja immer viel mehr als jemandes Verleger. Man kriegt dann Einblicke, lernt den Autor, die Autorin jenseits der Texte kennen, versteht, wie das Gegenüber tickt, bekommt – wie im Falle von Susan Sontag – viel Zigarettenrauch vors Gesicht geblasen und weiß das zu nehmen. „Wir waren eigentlich ziemlich schnell befreundet“, erinnert sich Michael Krüger, was zum einen daran gelegen habe, so berichtet er weiter, dass Sontag sein echtes Interesse an ihren Essays und was in denen verhandelt wurde, gespürt habe. (mehr …)