[LiSe 06/22] Kolumne: Ich erinnere dieses Narrativ

„Wir erzählen unser Leben in Geschichten“, hat die Kinderbuch-Autorin Kirsten Boie einmal in einem langen Gespräch mit der ZEIT gesagt. Und von der amerikanischen Intellektuellen Joan Didion gibt es einen Essay-Band mit dem schönen deutschen Titel „Wir erzählen uns Geschichten, um zu leben“. Das Geschichtenerzählen ist wirklich eine schöne Sache. Mancher lange laue Sommerabend bleibt in Erinnerung wegen der vielen lustigen, traurigen, bestürzenden Geschichten, die wir gehört haben. Aber die Zeit der Geschichten ist vorbei. Wir erzählen uns keine Geschichten mehr, sondern Narrative. (mehr …)

[LiSe 06/22] Literaturhaus München: Nikolaus Heidelbach Originale

Ausstellung des Buchillustrators Nikolaus Heidelbach im Literaturhaus München

Mit rund 100 Buchpublikationen aus vier Jahrzehnten gehört Nikolaus Heidelbach zu den prägenden Illustra-toren der Gegenwart. Erstmals zeigt das Literaturhaus München eine Werkschau des auf dem Buchmarkt allgegenwärtigen Künstlers. An die 250 Originale seiner Werke können bewundert werden: darunter preisgekrönte Buchillustrationen zur Sammlung Grimm’scher Märchen, zu Märchen von Hans Christian Andersen und Michael Köhlmeier. Seine farbsatten Aquarelle, die voller Sinnlichkeit, Detailfreude und markantem Humor sind, entfalten im Original ihre besondere Leuchtkraft.  Red (mehr …)

[LiSe 06/22] Lyrische Kostprobe: Mit Essen spielen

Àxel Sanjosé, geboren 1960 in Barcelona, ist ein deutsch-katalanischer Lyriker. Manchmal müsse er sich wegen seines Brotberufs in Flughäfen aufhalten. Das sei nicht sehr schön, sagt er, aber er habe einen ganz guten Trick herausgefunden: Er suche die Flughafenkapelle auf, die zwar meistens auch nicht schön sei, aber wunderbar leer. Und irgendwie veranließen ihn die internalisierten Konventionen, dort auf elektronische Geräte zu verzichten. So habe er schon den einen oder anderen Gedichtentwurf zu Stande gebracht. Nur so als Tipp, meint er, natürlich fahre er viel lieber mit dem Zug. (mehr …)

[LiSe 06/22] Jung und schreibend (Folge 10): Emanzipatorische Kraft

Jan Geiger ist mitten in der Freien Szene

Von Katrin Diehl

Jan Geiger kennt das Gute am Theater und deshalb möchte er es füttern und das fast beständig, denn es ist sein Ding,  dialogisch zu schreiben. Seine Website lädt zu Texten ein, die auf ihre Uraufführung warten, andere sind im Verlagsprogramm des „Drei Masken Verlag“ untergekommen, wieder andere habe es längst auf die Bühne geschafft. „Und da steht man dann jedes Mal ein bisschen ungläubig davor“, sagt Jan Geiger, bisher sei es aber immer nur toll gewesen, immer nur schön und jedes Mal staune er, was da alles noch bei der Umsetzung seines Stücks passiere. (mehr …)

[LiSe 06/22] Empfehlungen: Buchtipps aus erster Hand

Die Mitarbeiter*innen der Münchner Stadtbibliotheken empfehlen für den Monat Juni diese Neuerscheinungen:

Gary Shteyngart: Landpartie
Penguin

Es ist März 2020. In einem idyllischen Landhaus außerhalb von New York versammelt der Schriftsteller Sasha Senderovsky eine illustre Gruppe alter Freunde, um die Pandemie bei gutem Essen und anregenden Gesprächen auszusitzen. Über die nächsten Monate wachsen neue Freund- und Liebschaften, während sich längst vergessen geglaubte Kränkungen mit frischer Kraft manifestieren. Doch mit der Ankunft eines Hollywoodstars gerät das mühsam konstruierte Gleichgewicht dieser Wahlfamilie gefährlich ins Wanken. Shteyngart dokumentiert die Gefühls- und Erlebniswelt des Jahres 2020 und verpackt sie in einen süffig-intelligenten Roman. (mehr …)

[LiSe 06/22] Kurzgeschichte: Das Kind

Von Linda Benedikt

Ich hatte einst ein Kind. Ich kam zu ihm, wie die meisten Frauen zu Kindern kommen; es waren auf jeden Fall keine außergewöhnlichen Umstände.

Die Schwangerschaft verlief ohne Beschwerden, die Geburt war kurz und das Kind gesund. Ich gab ihm gerne meine Brust, war angetan von seinen blinden Blicken und hin und weg von seiner neugeborenen Frische. Die von Hungerschreien zerbrochenen Nächte störten mich nicht. Ich schubste sachte seine Wiege, wenn es greinte, legte es mir über die Schulter, wenn ich schrieb und korrigierte meine Texte, wenn es schlief. (mehr …)

[LiSe 06/22] Rezension: Mit der Kraft der Worte gegen die Härte und Unerbittlichkeit der Nachkriegszeit

Volker Widmann und seine starke Naturpoetik

Von Ursula Sautmann

In „Die Molche“ malt Volker Widmann mit Worten eine Kindheit im Übergang zur Jugend in einem bayerischen Dorf. Der Krieg zwischen den Nationen ist beendet, in den Seelen der Menschen tobt er weiter. Die Väter sind innerlich und äußerlich versehrt und mit ihrem Schweigen den Familien ein Rätsel, die Mütter geben ihr Bestes, nur Halt suchen die Heranwachsenden vergebens. (mehr …)

Verleihung des Tukan-Preises 2021 an Fridolin Schley

Der Schriftsteller Fridolin Schley wird für seinen Roman „Die Verteidigung“ mit dem Tukan-Preis 2021 ausgezeichnet. Der mit 6.000 Euro dotierte Preis der Stadt München zeichnet jährlich eine sprachlich, formal und inhaltlich herausragende literarische Neuerscheinung eines Münchner Autors/einer Münchner Autorin aus.

Preisverleihung am Donnerstag, 2. Juni 2022, 19 Uhr, Literaturhaus München, Salvatorplatz 1, durch Stadtrat Dr. Florian Roth (Fraktion Die Grünen-Rosa Liste) in Vertretung des Oberbürgermeisters. Hans Dieter Beck (Tukan-Kreis) spricht Grußworte, die Laudatio hält die Autorin Dagmar Leupold. Musik: Kilian Kemmer & Matthieu Bordenave (Keyboard & Saxophon).
Der Eintritt ist frei, aus Platzgründen wird eine telefonische Anmeldung erbeten unter 29193427. (mehr …)