[LiSe 04/22] Kolumne: Parasiten-Bücher

Das Schöne an Ana Ivanovic ist ihr offenes Lächeln, etwas übermütig und ganz ohne Kunsthonig. Sie steht auf den Fotos der Champagner-Buch-Präsentation in einem Berliner Nobelhotel von „Einer von Euch“ neben dem Olivenbauern Martin Suter, der neben dem Bauernbuam von der Oberaudorfer Schweinsteige in die Kamera grinst. Der Kriminalschriftsteller und frühere Werbetexter aus der Schweiz hat den ehemaligen Fußballer Sebastian Schweinsteiger befallen, ausgefragt und ausgesaugt und ein ziemlich mittelmäßiges Buch, einen „Biographischen Roman“ verfasst, der nahezu einhellig verrissen wurde, schade um Ana. (mehr …)

[LiSe 04/22] Lyrische Kostprobe: Peruanische Einsichten

Patricia Colchado, 1981 in Chimbote, Peru, geboren, ist Lyrikerin und Kinderbuchautorin. Neben der Literatur sind Tanz und Zeichnen ihre großen Leidenschaften.

Verheißener Garten

Wo bist du in all dieser Zeit gewesen?
Ich umarme ihn während ich aufhöre zu staunen.
Sein erstes Lächeln
seit der Verwüstung unserer Dörfer.
In den Eingeweiden dieses Blumen-Kindes
verkümmert der Samen einer schändlichen Vergangenheit. (mehr …)

[LiSe 04/22] Jung und schreibend (Folge 8): Der achtsame Blick und seine Geschichten

Vladimir Kholodkov besitzt Romandurchhaltekraft

Von Katrin Diehl

Die Konstellation ist durchaus nicht einfach, birgt dafür aber einiges an Potential. Zumal aus schriftstellerischer Sicht. Hat sich ja auch einer ausgedacht, der daraus einen Roman machen wollte. „Für mich macht das eigentlich den größten Reiz aus an Literatur: dass sie Fiktion ist“, sagt Vladimir Kholodkov, eine Fiktion, die sich in einer durch und durch realistischen, sich ziemlich offenbarenden Welt abspielt (Nabokovs „Lolita“ und „Pale Fire“ zählen zu Kholodkovs Lieblingswerken). (mehr …)

[LiSe 04/22] Carl Amery Festival

Aus Anlass des 100. Geburtstags von Carl Amery veranstaltet der Verband Deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller bis zum 9. April das Festival „Ökologie und Literatur“. Der Visionär Amery hatte in seinen Schriften auf die kommende ökologische Katastrophe hingewiesen, die Verbindungen zu gesellschaftlichem Verhalten aufgezeigt und Wege gewiesen, wie wir unsere Welt neu gestalten können. (mehr …)

[LiSe 04/22] Kurzgeschichte: Endstation

Von Nina Hölzl

Der Junge nähert sich mit schlurfenden Schritten und bleibt unbeholfen vor mir stehen. Seine Jeansjacke ist viel zu groß, seine Hose für meinen Geschmack zwei Nummern zu klein, und die weißen Turnschuhe mit drei Streifen fallen ihm schon fast von den Füßen. Zögernd und mit unsicherem Blick, der mich aus halb-geschlossenen Augen hinter verdunkelten Brillengläsern trifft, hebt er eine Hand und drückt leicht gegen mich. (mehr …)

[LiSe 04/22] Buchtipps aus erster Hand

Die Mitarbeiter*innen der Münchner Stadtbibliotheken empfehlen für den Monat April diese Neuerscheinungen:

Evelyn Schlag: In den Kriegen
Hollitzer

Ein Krieg ist gerade zu Ende gegangen. Drei Männer und eine Frau machen sich auf den Weg über verlassene Landstriche zu einer mythischen Halbinsel. Tanjas Verlobter Andrij ist gefallen. Jens und Iwo, zwei Deutsche, haben als Freiwillige an der Seite der ukrainischen Nationalisten gekämpft, Andrij war einer von ihnen. Vitalij, der Vierte, ist ein junger Dichter. Der Überfall der Deutschen 1941, an dem auch der Urgroßvater von Jens teilgenommen hat, ist nach wie vor lebendig in der Geschichte der Ukraine … In diesem pazifistischen Roman über den Krieg werden Schrecken und Tod durch den Aberwitz der Akteure konterkariert. (mehr …)

[LiSe 04/22] Auszeichnung: Anita Augspurg Preis für Schamrock e.V.

Bereits im vergangenen Monat konnte Augusta Laar, Begründerin und Aktivistin von Schamrock e.V., den Anita Augspurg Preis zur Förderung der Gleichberechtigung von Mädchen und Frauen der Stadt München (gemeinsam mit extra e.V. – Suchthilfe für Frauen) entgegennehmen. Der Verein, gegründet 2012, organisiert alle zwei Jahre ein Festival der Dichterinnen und zudem regelmäßig Veranstaltungen mit und über Lyrikerinnen. (mehr …)

[LiSe 04/22] Rezension „Wir müssen Brot haben!“

Das Tagebuch eines jungen Mannes lässt erahnen, wie brutal Zwangsarbeit unter den Nationalsozialisten abgelaufen ist.

Von Katrin Diehl

Es gibt gerade bei Tagebüchern eine gewisse Banalität der Wiederholungen, die einem den immer auch voyeuristisch-neugieren Blick ins Private dieser oder jener Bekanntheit etwas vergällen kann. Aber so ist halt der Alltag. Mal ist einem wohl, dann wieder weniger. Mal wacht man früh auf, dann ein wenig später. Und auch die Jahreszeiten kehren ja immer wieder, die ersten Blüten, der erste Schnee … Ja, ja. (mehr …)