[LiSe 01/21] Kurzgeschichte: Vorbildlich

Von Gabriele Müller

Kinder haben ein Recht darauf, mindestens so blöd zu sein wie ihre Eltern“, sagte Maxim. Sein Vater saß neben ihm, drückte wütend auf die Hupe, als der Autofahrer vor ihm bei Gelb nicht mehr über die Kreuzung fuhr. Der Abend hatte sich doch sehr schnell dem Ende zugeneigt.

„Das Aroma der Cassisreduktion disturbiert mich“, hatte Maxim eine Stunde zuvor gesagt, als sie bei einem alten Schulfreund seines Vaters eingeladen waren. „Und der Wacholder …“

Er müsse mitkommen, hatte sein Vater insistiert. Während Maxims Mutter rechtzeitig den Menstruationsbeschwerdenjoker aus dem Ärmel gezogen hatte.

Es gab fünf Gänge. Die beiden Kinder – Maxim und die Tochter des Gastgebers – saßen mit am Tisch. Mussten. Auf Etikette wurde großen Wert gelegt. Besteck von außen nach innen. Keine Soft Drinks. Keine Kontaktaufnahme mit fremden Knien. Kein Wort über Geschäfte oder aufgespritzte Lippen, auch nichts Theologisches. Die Lautstärke des gesprochenen Wortes hatte sich der Lautstärke der Essensgeräusche anzupassen. Die Kinder durften nur reden, wenn sie dazu aufgefordert wurden. (mehr …)

[LiSe 01/21] Rezension: Entenhausen ist überall

Donald Duck und Bayern oder so

Von Katrin Diehl

Gedacht war das anders. Nämlich so: In München geht‘s los mit der Wiesn und zeitgleich liegt in Buchläden, Kiosken, Zeitschriftenecken der neue Comic-Band des „Disney-Konzern“ aus. Titel: „Donald Duck in München“. Darauf die uns allen so vertraute, breitschnäbelige Comic-Ente. Dieses Mal in Seppl-Hose, einem Wiesn-Herzl (für „Daisy“) auf der Brust unterm Matrosenkragen, die vierfingerige Knubbelhand hält  eine Brezn in die Luft und los geht’s beschwingt über den Marienplatz – das Neue Rathaus und die Frauenkirche stehen hinten brav Kulisse –, dazu noch ein seltsames Ding von grünem Hütchen mit Wisch (Gamsbart?), das schwebend überm runden Donald-Entenkopf Schritt zu halten sucht. Alles klar. „Donald Duck in München“ eben. Ein nettes Mitbringsel, ein Gag, ein Erinnerungsstück, ein schmaler, leichtgewichtiger bunter Comic. (mehr …)

[LiSe 01/21] Jagdszenen aus Dachau: Anmerkungen zur Selbstausbeutung

Von Michael Berwanger

Ein Kriminalroman lebt weniger von seinem Plot, als von der Verkommenheit seiner Protagonist*innen. Im neuen Roman des Dachauer Autors Florian Göttler wird das genüsslich durchexerziert: Ein Münchner Kommissar lässt sich nach seinem Burnout in die Provinzialität des Dachauer Hinterlands versetzen, in der Hoffnung, dort zur Ruhe zu kommen. Doch was findet er? Gierige Bauunternehmer, käufliche Kommunalpolitiker, zudringliche Kirchenmänner und eine nationalistische Dorfbevölkerung. Das klingt alles etwas übertrieben, aber wer sich – wie der Rezensent – in der Geschichte und den Gepflogenheiten des Dachauer Landkreises auskennt, weiß, dass das nicht weit hergeholt ist.

Es ist wunderbar, dem Autor zuzusehen, wie er mit Geschichtsklitterung aufräumt. Auch der vermeintlich volksnahe Räuber Mathias Kneißl kommt dabei nicht gut weg. Dazu bevölkern noch herzhaft gezeichnete Figuren den fulminanten Plot, in dem es teilweise sehr derb zur Sache geht. (mehr …)

[LiSe 01/21] Literaturstipendien: Ausschreibung 2021 der Landeshauptstadt München

Die Landeshauptstadt München vergibt 2021 sieben Stipendien für Autor*innen und Übersetzer*innen in Höhe von jeweils € 6.000,-. Zusätzlich wird der Leonhard und Ida Wolf-Gedächtnispreis für Literatur vergeben (€ 3.000,-).

Mit den Literaturstipendien und dem Leonhard und Ida Wolf-Gedächtnispreis für Literatur sollen vielversprechende Projekte vorwiegend jüngerer Münchner Autor*innen gefördert werden. Für die Literaturstipendien besteht keine Altersbeschränkung, für den Leonhard und Ida Wolf-Gedächt-nispreis kommen nur Autor*innen unter 30 Jahren in Fragel. Das Stipendium für Übersetzer*innen fördert eine herausragende Leistung in der Übertragung eines besonders anspruchsvollen Textes ins Deutsche.  Red

Einsendeschluss: 15. März 2021

Rückfragen bitte an: Katrin Dirschwigl, katrin.dirschwigl@muenchen.de

Weitere Informationen unter: muenchen.de/kulturfoerderung

[LiSe 01/21] In eigener Sache: Wir suchen …

Mitarbeiter redigieren gesucht… zur Unterstützung unseres Redaktionsteams Personen, die gut und gerne redigieren.

Der Aufwand beim Redigieren des monatlichen literarischen Veranstaltungskalenders beträgt etwa fünf Stunden im Monat.

Zu erledigen ist die Aufgabe jeweils um den 15. jeden Monats herum. Die Tätigkeit ist ehrenamtlich, die Atmosphäre innerhalb der Redaktion einfach wunderbar.

Interessierte melden sich bitte unter: redaktion@literaturseiten-muenchen.de

7. Hohenemser Literaturpreis ausgeschrieben

Für den erneut mit 7.000 Euro dotierten „Hohenemser Literaturpreis für deutschsprachige Autor*innen nichtdeutscher Muttersprache 2021“ können bis zum 14. Februar 2021 Beiträge eingereicht werden.

Der von Michael Köhlmeier angeregte Preis, der als Biennale seit 2009 veranstaltet wird, trägt dazu bei, die kulturelle Vielfalt der von Einwanderung geprägten deutschsprachigen Literaturszene hervorzuheben. Die Geschichte und Kultur des Dreiländerecks wurde stets durch Zuwanderung geprägt. So blickt auch die Stadt Hohenems auf eine Geschichte zurück, die seit Jahrhunderten durch kulturellen Austausch und grenzüberschreitende Beziehungen geprägt ist. Europäische Verbindungen die durch die Hohenemser Grafen aufgebaut wurden, die Bildung einer jüdischen Gemeinde im 17. Jahrhundert aber auch die Arbeitsmigration der letzten Jahrzehnte führte dazu, dass einer großen Zahl neuer Bürger*innen nichtdeutscher Muttersprache in dieser Region ihren Lebensmittelpunkt gefunden haben. (mehr …)

Ausschreibung Literaturstipendien der Stadt München 2021

Die Stadt vergibt 2021 sieben Literaturstipendien in Höhe von jeweils 6.000 Euro. Eines der Stipendien ist für Übersetzungen vorgesehen, zwei Stipendien werden für Kinder- und Jugendbuchprojekte vergeben, in diesem Bereich können auch illustrierte Projekte mit mehreren Beteiligten eingereicht werden.
Bis Montag, 15. März, können sich Autorinnen und Autoren beziehungsweise Übersetzer*innen mit Wohnsitz in München (S-Bahn-Bereich) beim Kulturreferat bewerben. Die eingereichten Texte müssen deutschsprachig und bisher unveröffentlicht sein.

Mit den biennal vergebenen Literaturstipendien sollen vielversprechende literarische Projekte insbesondere von Münchner Nachwuchsautor*innen gefördert werden. Das Stipendium für Übersetzer*innen fördert eine herausragende Leistung in der Übertragung eines besonders anspruchsvollen Textes ins Deutsche.
Zusätzlich wird der Leonhard und Ida Wolf-Gedächtnispreis für Autor*innen unter 30 Jahren in Höhe von bis zu 3.000 Euro vergeben.
Detaillierte Ausschreibungsbedingungen sind online abrufbar unter www.muenchen.de/kulturausschreibungen.

Quelle: Rathaus Umschau 235 / 2020, veröffentlicht am 07.12.2020

#femaleheritage – Große Resonanz beim Blog der Monacensia

Die Monacensia freut sich über eine unerwartet hohe Beteiligung an der Blogparade „#femaleheritage − Frauen und Erinnerungskultur“. Von 11. November bis 9. Dezember hatte die Monacensia zur interdisziplinären Vernetzung aufgerufen. Die Resonanz ist beeindruckend: 158 Beiträge verzeichnet der Blog allein in diesem Zeitraum. Noch bis Dienstag, 22. Dezember, veröffentlicht die Monacensia unter blog.muenchner-stadt- bibliothek.de weiterhin täglich einen Artikel, dann wieder ab Montag, 4. Januar 2021. Die breite öffentliche Wahrnehmung der Blogparade unterstreicht der Hashtag #femaleheritage, der bislang 3.440 Tweets mit einer potenziellen Reichweite von 4,925 Millionen Impressions umfasst.

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