[LiSe 06/20] Rezension: Immer dem Ball nach

Eine Graphic Novel über den Fußballer Oskar Rohr

Von Katrin Diehl

Es geht gleich in medias res. Vor allem für die Bayern. Die Bayern. Es ist nämlich „Ossi“ gewesen, der die am 12. Juni 1932 zur ersten Meisterschaft geschossen hat. In Nürnberg hat er gegen Eintracht Frankfurt vor 55.000 Zuschauern einen Elfer reingekriegt. Am Ende stand es dann 2:0. „Ossi“, das war Oskar Rohr, ein Mannheimer, den der Trainer Richard Dombi, der eigentlich Richard Kohn geheißen hat, bei seinem Wechsel vom VfR Mannheim zum FC Bayern kurzerhand mitgenommen hatte. Da traf der junge Mann dann bald mit Kurt Landauer, Präsident des Vereins, auch mit Walther Bensemann, Fußballpionier und Gründer der Fußballzeitung „Kicker“, zusammen. Und darum geht es in dieser ansprechenden Graphic Novel eben auch, zu zeigen, wie jüdisch die Anfänge des Fußballsports in Deutschland gewesen sind. Ossi Rohr, geboren 1912, ein Ausnahmetalent, ein Stürmerass, ein Toreschießer, trippelte sich mit unerwarteten Haken und einigem Tempo durch die deutsche Kata-strophengeschichte. Den grobstrichigen, flotten Panels zu folgen (Text: Julian Voloj, Zeichnungen: Marcin Podolec), heißt einem Leben zu folgen und das hat hier wirklich großen Unterhaltungswert. (mehr …)

[LiSe 06/20] Rezension: Kleinfamilien-Katastrophen in der Großstadt

Martina Borgers neuer Roman „Wir holen alles nach“  

von Slávka Rude-Porubská

Es braucht keine weltweiten Pandemien, damit das Leben der Kleinfamilie Poschmann in der Münchner Innenstadt aus den Fugen gerät. Nein, der Alltag der alleinerziehenden Sina, Mutter des achtjährigen Elvis, ist derart eng getaktet und fragil ausbalanciert, dass selbst die kleinste Störung im Tages- und Wochenablauf einer Katastrophe gleichkommt. Und erst recht im Sommer, wenn Sinas Exmann David schon wieder einmal die vereinbarte Ferienaufteilung für Elvis in der letzten Minute platzen lässt. Aufgerieben zwischen den vom Werbeagentur-Chef ganz selbstverständlich geforderten Überstunden, emotionalen Schwankungen in ihrer neuen Beziehung zu dem arbeitssuchenden und mit seiner Alkoholsucht kämpfenden Torsten und Bedürfnissen ihres stillen, sensiblen Sohnes findet Sina Rettung in der akuten Notsituation bei Ellen, der freundlichen Rentnerin aus der Nachbarschaft. (mehr …)

[LiSe 06/20] Rezension: Leidensstationen

Von Stefanie Bürgers

Dieses Buch ist ein Roman. Alles, was darin steht, ist erfunden, auch wenn es sich so oder so ähnlich zugetragen haben könnte“, so lautet der professionelle „Disclaimer“. Und doch weiß man als Leser nach wenigen Seiten, die Authentizität straft den Hinweis Lügen. Die Story lässt sich zu gut verorten im Pasing der „Achtz’ger“. Der Protagonist – nur vermutlich Stefan Wimmer  – erzählt freimütig und selbstironisch von vielen Niederlagen – bei Mädels und gegenüber vermeintlich Stärkeren – als „grispeliger“, bemitleidenswerter „Looser“. Zwischen Pasing, Blumenau und Obermenzing im Bus und „auf’m Radl“ unterwegs auf der Jagd nach dem Schlüsselerlebnis zum Erwachsenwerden. New-Wave ist Mitte der 1980er Jahre angesagt. Stefan stets in schwarzer Kutte mit Stachelarmband,  Kajalstrich und Roboterstiefeln genehmigt sich im Kreise der Vertrauten – der sogenannten „Kajalclique“ – mittags regelmäßig ein paar Weißbier’ am Stadtparkkiosk. (mehr …)

Wiggerl Greiner: Ein Meister des Münchner Humors

Ausstellung im Innenhof des Isartors vom 27. Mai bis 13. November 2020
Ludwig Greiner war der beste Freund von Karl Valentin, sein Grafiker, sein Bühnenbildner und sein Theatermaler. Zu fast allen Szenen Valentins schuf er Plakate und Zeichnungen. Greiners Humor war höchst inspirierend. Zu allen Ideen Valentins hatte er die passenden Einfälle. Ein Leben lang befruchteten sich die beiden gegenseitig.
Wiggerl Greiners große Leidenschaft war das Zeichnen und die Musik. Er arbeitete als Gastwirt, Illustrator für Zeitschriften und Werbeanzeigen, Kulissenmaler und Ausstatter für Theater und Film, gestaltete Gaststätten und entwarf und baute Faschingswägen. Daneben trat er als Unterhaltungsmusiker auf und komponierte und textete eigene Lieder. Greiners Wesen war geprägt durch einen unverwüstlicher Humor. Er verstand es allen Lebenslagen, waren sie noch so schwierig, eine komische Seite abzugewinnen.

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Stiftung Lyrik Kabinett übernimmt die Lyrik-Bibliothek aus dem Nachlass von Christoph Meckel

Der im Januar verstorbene Dichter und Graphiker Christoph Meckel (1935-2020) war dem Lyrik Kabinett und seiner Gründerin Ursula Haeusgen durch eine jahrzehntelange Freundschaft verbunden. 1990 las er zum ersten Mal im Lyrik Kabinett, 2017 zum letzten Mal. In Kooperation mit dem Carl Hanser Verlag ehrte die Stiftung den Dichter aus Anlass seines 80. Geburtstags (2015) mit einer Ausgabe seiner gesammelten Gedichte und mit einer Festlesung.

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Monacensia ist ab sofort wieder geöffnet

Nach vielen Wochen Schließung öffnet die Monacensia im Hildebrandhaus am Montag, 18. Mai, wieder ihre Türen. Literaturarchiv, Bibliothek, Dauer- und Sonderausstellungen sind – unter Einhaltung der erforderlichen Abstands- und Hygienemaßnahmen – wieder für alle Besucherinnen und Besucher zu den gewohnten Öffnungszeiten zugänglich. (mehr …)

Von der Isar nach Jerusalem – Gabriella Rosenthal (1913—1975) – Zeichnungen

Inspiriert von dem französischen Illustrator Honoré Daumier, von Wilhelm Busch und auch Walter Trier zeugen Gabriella Rosenthals Werke von einem alltagsnahen, heiteren und liebevollen Blick auf das spannungsreiche und vielfältige Leben in Jerusalem zwischen 1935 und 1955. Gleichzeitig verweist sie mit feinsinnigem Humor auf ihre bayerische Vergangenheit. Sie zeichnete Vertreterinnen und Vertreter aller Augenzwinkern beleuchten ihre Skizzen den Alltag ihres Umfelds, ohne dabei gesellschaftspolitische Probleme auszusparen oder zu beschönigen. (mehr …)

„Mit Poesie durch Pandemie“ – Lyrik-Aktion auf Facebook

Die bisherigen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie haben Wirkung gezeigt. Langsam schimmert ein Fünkchen Normalität in weiter Ferne. Doch der Shut-Down des öffentlichen Lebens hat schwerwiegende Folgen, vor allem für den künstlerisch-kulturellen Betrieb. Die Absage Existenzgrundlage unter den Füßen weggezogen. Um die Krise zu überstehen, müssen sie erfinderisch werden, damit sie auch in den Weiten der Digitalität präsent und sichtbar bleiben.

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