[LiSe 03/26] Kurzgeschichte: Spanner

Von Tania Rupel Tera

Es dämmerte und der Spanner verlor die Geduld. Der Bursche und das Mädchen redeten weiter. Er dachte an seinen Opa. Einst hat er ihn nach Gott gefragt. Ein begabter Beobachter – war die Antwort. Als Kind verstand er das nicht, als Rentner nun verspürte er dieses Bedürfnis. Nicht dass er sich am Fenster göttlich fühlte. Er wusste nicht, womit die Freiheit füllen. Ich habe keine Gabe, nur so gucken … Er schlüpfte in seine Boots. Wir gehen raus, Joe, vielleicht hört man dort was. Du brauchst das Mäntelchen. Der Hund schüttelte sich. Vor der Tür pinkelte er und wollte gleich zurück. Geh nach links, flüsterte das Herrchen, sie spannen deinen armen Spanner auf die Folter. Mensch und Tier flanierten im Schnee, der stärker geworden war. Die langen Haare des Mädchens waren weiß geworden. Schneebraut, murmelte der Mann, und die Erinnerung kam wie Blitzeis. Seine Beine knickten. (mehr …)

[LiSe 03/26] Buchtipps aus erster Hand

Die Mitarbeiter*innen der Münchner Stadtbibliotheken empfehlen für März diese Neuerscheinungen:

Jessica Berger Gross: Hazel sagt Nein
Lübbe

In der Hoffnung auf ein ruhigeres Leben ziehen die Blums vom pulsierenden Brooklyn ins beschauliche Riverburg, wo Vater Gus nach herausfordernden Jahren endlich eine Professur ergattert hat. Doch der idyllische Schein trügt. Gleich an ihrem ersten Schultag wird die achtzehnjährige Hazel ins Büro des Direktors zitiert. Er verkündet ihr Unglaubliches: Jedes Jahr sucht er sich eine andere Schülerin aus der Abschlussklasse aus, mit der er eine sexuelle Beziehung eingeht. Dieses Jahr ist sie die Auserwählte. Instinktiv sagt Hazel Nein – und setzt damit eine Kette von Ereignissen in Gang, die das Leben ihrer Familie, aber auch die gesamte Stadtgesellschaft auf den Kopf stellt. (mehr …)

[LiSe 03/26] Rezension: Unscheinbares Dasein

Peter Bechers Roman über das Leben eines Schulfreunds

Von Michael Berwanger

Für jeden von uns ist das eigene Dasein das Besondere schlechthin, auch wenn es für alle anderen banal erscheinen mag. Für uns selbst haben sich unsere Höhen und Tiefen fest in das Gedächtnis – und mehr noch – in das Gefühl eingegraben. Aber wie erzählt man interessant von einem gewöhnlichen Leben? (mehr …)

Monacensia startet „Voices of Exile“: Neue Sammlungslinie zu Exil und Diaspora

Erste Zugänge: Manuskripte der Autorinnen Volha Hapeyeva und Rania Mleihi

Mit „Voices of Exile“ eröffnet die Monacensia eine neue Sammlungslinie für Exil‑ und Diaspora‑Autor*innen in München. Sie erweitert damit ihren langjährigen Exil‑Schwerpunkt und stärkt die Sichtbarkeit vielsprachiger Gegenwartsliteratur. Zum Auftakt übergeben zwei in München lebende Künstlerinnen am 7. März 2026 ihre Manuskripte an die Monacensia. (mehr …)

[LiSe 02/26] Crazy Machines – Verrückte Maschinen in der Internationalen Jugendbibliothek

Von Ursula Sautmann

Fifi lebt in einem Hochhaus mit vielen Fenstern. Hinter diesen Fenstern leben viele unbekannte Menschen, und sie sehen traurig aus. Da muss sie etwas machen, findet Fifi, und sammelt, was Menschen wegwerfen oder einfach stehen lassen: Spülmaschine, Gießkanne, Leiter, Wäscheleine, Regenschirm, Stuhl und vieles mehr. Fifi baut die Dinge aufeinander, ineinander und nebeneinander, das Gebilde, die Maschine, wird größer und größer. Neugierig schauen die Mitbewohner*innen und denken bei sich, was soll das werden. Fifi spürt, jetzt braucht die Maschine Hilfe, sie lädt zum Fest, und die Menschen beginnen zu spielen, zu reden und zu lachen – nicht nur die Maschine erwacht zum Leben. „I think we’ve got it working“ („Ich denke, es läuft“), sagt ihr Vater. „Can we invent something new? Together?“ („Können wir was Neues erfinden? Gemeinsam?“), will Fifi wissen. (mehr …)

[LiSe 02/26] Kolumne: Der oder das nächste Halt

Wenn sich hochgezogene Schultern mit heruntergezogenen Mundwinkeln irgendwo in der Mitte treffen, dann bedeutet das in der Regel: „Ist halt so“. „Ist halt so“ ist Alltag, gehört als mimische, gestische oder sprachliche Äußerung zum ewigen Hintergrundgeplätscher und -geplapper und hat es doch faustdick hinter den Ohren: Da ist gerade eine Batterie am Leergehen. Da macht sich gerade eine fette Resignation breit. Da hat eine*r jetzt echt keinen Nerv mehr, keinen Bock mehr darauf, Empathie zu zeigen, geschweige denn zu fühlen. (mehr …)