[LiSe 09/19] Kolumne: Tommys bittere Beeren

Der Franke ist nicht zu unterschätzen, schon gar nicht der Oberfranke. Die vielseitige Aronia-Beere (Aronia melanocarpa) beispielsweise wurde von findigen Franken erstmals für uns entdeckt. Sie schmeckt bitter und soll wahnsinnig gesund sein. Die Beere ist resistent gegen alles und übersteht auch Minus problemlos.

Das erinnert uns, daas erinn- ja: Da geistert doch dieser kalifornische Gaudibursch aus Bamberg seit Dezember 2017 durch die deutsche Literaturszene, die seit dem Ableben des temperamentvollen Marcel R-R reichlich spröde wirkt! Im Schlauchboot des Entertainers hinaus aufs offene Meer der Literaturkritik! Am 8. Dezember 2017 erklärte der Neukalifornier Thomas Gottschalk den drei Fahnenträgern des Literarischen Quartetts im ZDF, warum dieser Pilzsammler Peter Handke aus dem Bois vor Paris mit seinem „letzten Epos“ (so Handke) „Die Obstdiebin“ faszinierend ist. Thea Dorn und Volker Weidermann stand der Mund offen, Christine Westermann war begeistert – keiner hatte mit derartiger Fernseh-Präsenz und literarischer Eloquenz gerechnet. Wochenlang schliefen die TV-Macher der Republik nicht mehr wenn sie an T. G. dachten: Wie konnte man den für die „Literatur“ einfangen? Die Quote steigern? Schließlich gelang es. Die Chefs seines „Heimatsenders“, lockten den bunten Vogel wieder zum BR, Abteilung Kultur, Unterabteilung Literatur, Unterunterabteilung Desaster. (mehr …)

[LiSe 09/19] Tagung: Verfolgt und zensiert – Kultur unter Druck

In einigen Ländern Mittelosteuropas ist in den letzten Jahren ein Erstarken von Unterdrückungspolitik und Diskriminierungsmechanismen zu beobachten. Kultur- und Kunstschaffende sehen sich zunehmend zensiert und Erpressungen ausgesetzt. Die Tagung untersucht die Lage der Betroffenen und fragt nach Reaktionen und Strategien angesichts der sich verändernden politischen Bedingungen.

Evangelische Akademie Tutzing
Schlossstr. 2+4, 82327 Tutzing
www.ev-akademie-tutzing.de

[LiSe 09/19] Lyrische Kostprobe

Das Gewissen

Ich trag ein Bewusstsein mit mir,
eine Welt in der Welt,
in die ich gestellt,
ein beladener Raum in mir.

Fehlungen der Vergangenheit für immer
sind eingegraben im Sinn,
losgelöst vom Leib ist er hinter der Stirn;
die einigende Lösung kommt die nimmer?

Hier ist Geist und hier ist Leib,
irgendwo sitzt Gefühl und Gemüt.
Um Einheit der Splitter bin ich bemüht.
Die Dinge denkend zu empfinden liegt weit.

So weinen denn nur meine Gedanken,
der Leib fühlt beklommen,
wär doch alles verschwommen,
und brächt Weinen zerreißend mich ins Schwanken.

Raimund Fellner

[LiSe 09/19] Literarische Archive (Folge 7)

Breitgefächerte Wortkunst

Wolfgang Bächler, ein fast
Vergessener aus der ersten Reihe
der Nachkriegslyriker

Von Katrin Diehl

Welche Bedeutung hat der Nachlass eines Unbekannten? Er mahnt an Aufarbeitung. Er erinnert. Er lässt Wunden Wunden bleiben. „Dass Wolfgang Bächler in die Geschichte der Nachkriegslyrik gehört, ist selbstverständlich, muß aber wohl wiederholt werden“, schrieb im April 1976 Heinrich Böll in der Süddeutschen. Er hatte dort die Besprechung von Bächlers fünftem Gedichtband „Ausbrechen“ übernommen. Es muss wiederholt werden. Daran hat sich bis heute kaum etwas verändert, nicht nach der Herausgabe von Bächlers „Gesammelten Gedichten“ von 2012, ein wenig vielleicht nach dem im Februar dieses Jahres veranstalteten „Tag für Wolfgang Bächler“, einer Münchner Initiative des Instituts für Deutsche Philologie, der Monacensia und des Lyrik Kabinetts. Sie muss einfach immer mal wieder hoch gehalten werden, Bächlers ansprechende, sprachkräftige wie breitgefächerte Wortkunst, mit der er Deutschland weit über die Nachkriegszeit hinaus begleitet hat mit Blick auf dessen Natur, auf dessen Menschen, auch auf dessen Nachbarland Frankreich. Wolfgang Bächlers Nachlass liegt in der Monacensia und hat seine ganz eigene „Story“. (mehr …)

[LiSe 09/19] Ausschreibung: Artificial Intelligent Writing

Das Münchner Literaturbüro veranstaltet im Dezember 2019 eine Lesereihe zum Thema „künstliche Intelligenz und Literatur“. Gesucht werden Texte, die sich literarisch (die Form ist offen) mit den bekannten Problemen wie: Verhältnis Mensch-Maschine, Macht der Algorithmen, Roboter, künstliches Bewusstsein, künstliche Menschen, künstliche Literatur ohne Urheber u.s.w., auseinandersetzen. Die Autoren sollen bereit sein, ihre Texte selbst vorzutragen.

Die erbetenen Arbeiten sollen 5 bis 7 Normseiten nicht überschreiten. Einsendungen bitte ausschließlich digital an: lesung@muenchner-literaturbuero.de bis zum 15. 11. 2019.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.muenchner-literaturbuero.de

[LiSe 09/19] Buchtipps aus erster Hand

Die Internationale Jugendbibliothek empfiehlt für September diese beiden Neuerscheinungen:

Maria Parr: Manchmal kommt Glück in Gummistiefeln

Dressler Verlag

Es gibt Neues aus Knert-Mathilde: Langsam entwachsen Lena und Trille der Kindheit. Trille ist zum ersten Mal verliebt, seine Mutter benimmt sich irgendwie merkwürdig und sein Opa wird langsam wirklich alt. Da kann man sich schon Sorgen machen! Und mit Lena ist es auch nicht so wie früher – die hat gerade selbst ziemlich Stress mit den Jungs und ihrer Fußballmannschaft. In einer guten Mischung zwischen Ernsthaftigkeit und Humor erzählt Maria Parr von einer sensiblen Umbruchzeit und findet hierfür genau den richtigen Ton. (mehr …)