by LiSe | 5. Jan. 2018 | Blog, Lyrische Kostprobe
Über dem Fehlboden (Trudering, um 1919)
Der Boden muss erneuert werden, auf dem wir stehen.
Unter dem Boden liegt der Fehlboden, weitere Schicht,
die die Sicht auf die Tragfähigkeit des Organismus sperrt.
Zwischen den beiden Kies aus der Eiszerfallslandschaft,
zwischen den Stockwerken wie unter dem Keller der
Kies, ich möchte auf seinen Symbolwert hinweisen.
Man sagt mir, auf ein Zimmer knappe vier Tonnen. (mehr …)
by LiSe | 5. Dez. 2017 | Blog, Lyrische Kostprobe
Verlorene Herde
Die Bäume stehn
auf einem Bein
in nasser Wiese
Kra – kra, komm mit
Unsere Schafe
unsere Schafe weiden
Sie weiden
anderswo
Hinter den blauen Bergen
umkreist von Krähenschwärmen
sitzen wir
unter einem Baum, blinzeln
und schaun
Kra – kra, komm mit
Achim Bade
by LiSe | 30. Okt. 2017 | Blog, Lyrische Kostprobe
Das Gedicht ist ein anderes
Du bist der, der du nicht bist
ich ist ein anderer, sagte er
bin also ich, was ich nicht
bin zwischen dir und mir
und beide sind wir
begrenzt durch das, was nicht
du bist ein Teil von mir
wenn ich nicht du wäre,
dann wüsste ich nicht,
dass ich ich
Bist ich du und bin du ich
unendlich
wenn ich eine andere bin und du ein anderer
dann ist alles gleich
so anders
Véronique Dehimi
by LiSe | 6. Okt. 2017 | Blog, Lyrische Kostprobe
Du moderst so gesund
Goldener Oktober
Dir stopft das Laub den Schlund
Dein Laub, bretthart
Goldener Oktober
Dir tropft doch Blut vom Bart
Das Eisen schnitt die Luft
Geldzählender Penner
Dein Augenlicht verpufft
Hans-Karl Fischer
by LiSe | 31. Aug. 2017 | Blog, Lyrische Kostprobe
spiel mir das lied vom schafottschaf blut zerstäubt
als himbeerpulver am abendhimmel überm ehrenmal
drunter die dolden skelette des bärenklaus verkrallt
ins graue leuchtender taubendreck wie grobe
brocken von feindschnee auf bronze schrei mir
von helden + herkunft ein lied das trügt bis es trägt
deiner ahnen gewicht ich hab nur das malmen
des kiefers geerbt den man meinem großvater
wegschoss ins russische jede wortformung seitdem
ein phantom schmerz doch hab ich dich moskau +
deine aufschneiende schönheit gesehn die flocken so
zärtlich hebt niemand sie auf mit den wimpern
Axel Görlach
by LiSe | 2. Juli 2017 | Blog, Lyrische Kostprobe
Den Arsch gepackt
und zugestoßen
Flasche geleert
totgeschlafen
In später Nacht
In nasse Stiefel getaumelt
mit der Herde getrottet
aufgefädelt
Den Namen geknurrt
einen Holm erwischt
und wieder in die Planken
getreten
bis zum späten Licht
Zur Baracke gestolpert
und die Flasche gepackt
Jörg Schön