[LiSe 03/22] Lyrische Kostprobe: Heimatlied, 2018

Phor meinem Phaterhaus steht eine Linde
Phor meinem Phaterhaus steht auch ein Photograph
Der phragt, ob er phon Phaterhaus und Linde
Ein Photo machen darph

Auph seinem iPhone sechs macht er sein Photo
Drauph sieht man die Scheißlinde und das Haus
Der Photograph sieht sehr zuphrieden aus

Samuel Fischer-Glaser

[LiSe 02/22] Lyrische Kostprobe: Bunt und betörend

Der Maler, Grafiker, Keramiker und Autor Stefan Wehmeier hat viele Jahre als Kunstkritiker und freier Journalist für Zeitungen und Zeitschriften geschrieben. 2021 ist in der Dortmunder „edition offenes feld“ sein Lyrik-Band  „Und draußen der Tag“ erschienen. Das Buch versammelt Gedichte aus den letzten 25 Jahren und ist somit auch eine kleine Zeitreise von hier nach dort  und anderswo.

Stefan Wehmeiers Gedichte bekennen sich zur mutigen Einfachheit –, es reihen sich kurze Szenen aneinander, die vielfach Natureindrücke verarbeiten, bunt und betörend. Nicht selten „erzählen“ die Gedichte von unterwegs, spiegeln diese Momente aus dem Blickwinkel des Malers wider, der genau erkennt, worauf es ankommt.Und über allem liegt eine Melancholie, der man sich nur schwer entziehen kann. (mehr …)

[LiSe 11/21] Lyrische Kostprobe

Ein Kenotaph für Newton, Opening Night.

Gravitationsfinsternis.
Die Nacht öffnet ihren Mund wie ein Planet. Oben, wird unten
behauptet, pflanze jemand Zypressen, lockere die Erde, häufe
Dünger im Kreis um die Kugel. Der Zirkel noch frisch, das totale
Lächeln von Masse. So bohrt man sich schließlich Tunnel zur
Nacht. Durch Gebirge, Moose und Dohlen. Dabei auch versehentlich
gekitzelte Tamarisken. Jedoch die Nacht öffnet ihren Mund, wie
ein Planet. Der hat dem Schwarz Reflexe antrainiert, und so gibt’s
dunkle, zuckende Klumpen: Die igeln sich ein und
adlern sich aus. (mehr …)

[LiSe 10/21] Lyrische Kostprobe: Ohne Distanz

Seit Jahresbeginn läuft das Litauische Kulturjahr unter dem Motto: „Ohne Distanz – Litauische Kultur in Bayern 2021“

Im Lyrik Kabinett wird am 7. Oktober der Litauische Lyriker und Bürgerrechtler Tomas Venclova im Gespräch mit dem Schriftsteller und ehemaligen Verleger des Carl Hanser Verlags, Michael Krüger, auftreten. Außerdem stellen sich Lyriker*innen der jüngeren Generation Litauens vor: Aušra Kaziliūnaitė, Giedrė Kazlauskaitė und Marius Burokas, von dem wir hier das Gedicht „mieste karantinas“ im Original und in deutscher Übersetzung präsentieren dürfen. Wir danken dem Autor und dem Portal „lyrikline“ (www.lyrikline.org), wo man mehr über den Verfasser und über litauische Lyrik erfahren kann. (mehr …)

[LiSe 09/21] Lyrische Kostprobe

Tier und Sprache

Mara-Daria Cojocaru ist Schriftstellerin und Philosophiedozentin. Sie hat bislang vier eigenständige Gedichtbände, einen Band poetischer Korrespondenzen mit Ron Winkler und zwei Sachbücher publiziert. 2015 war sie Finalistin beim Literarischen März. Neben dem Bayerischen Kunstförderpreis Literatur 2017 erhielt sie den Alfred-Gruber-Preis beim Lyrikpreis Meran, den Deutschen Preis für Nature Writing 2021 sowie den Lyrikpreis des Mondseelandes 2021. Am liebsten schreibt sie in der Gesellschaft von Tieren. (mehr …)