Der Gründer der Autorengalerie Helmut Vakily

„Eine Radierung, in der eine Japanerin in den Spiegel schaut, weckte in mir erotische Erinnerungen und ,Wer allein lebt in diesem Haus‘ nimmt Bezug auf mein Dasein im fortgeschrittenen Alter“, sagt der am 2. April 1938 geborene Lyriker. Immer nur dann, wenn die Begegnung mit einer Person, einer Katze, einem Zustand die Wiederspiegelung zulasse, also der Lyriker und sein Gegenüber fugendicht eine Einheit bildeten, könne ein Portraitgedicht entstehen. In seltenen Fällen entstehe ein Gedicht in wenigen Tagen. In der Regel „begleite“ er, so Vakily,  das Geschriebene über Jahre, auch Jahrzehnte, bis zur endgültigen Fassung. Seit Ende der 1950er Jahre schuf er auf diese Weise 110 Portraitgedichte und „77 Mitteilungen“ (Aphorismen).

Ein Zelt

für Hafis

Von der Stille abgenabelt
lagen offen die Gedichte
Doch als sie neben ihm Platz nahm,
glatt gebügelt von der Nacht,
hatten sie Hunger
nach Strand,
nach Marzipan

Und wie er zu laufen begann,
von der Fußspitze bis zu ihrem Teich,
der sich sanft um seine Strophe rankte,
aßen sie Brot,
tranken sie Wein,
bauten ein Zelt
und schliefen in der Glut von Hafis
Asche

Helmut Vakily