by LiSe | 4. Mai 2022 | Blog, Rezension & Buchempfehlungen
Das neue Buch von Timo Feldhaus spiegelt die gesellschaftlichen Zustände am Ende der Napoleonischen Zeit.
Von Stefanie Bürgers
1816 in Europa, ein Jahr ohne Sommer. Das Jahr zuvor war auf einer der Inseln Indonesiens ein Vulkan ausgebrochen und das wirkte weltweit nach. Im Sommer fällt Schnee. Die Tage bleiben dunkel. Die Ernte fällt aus. Hungersnöte sind die Folge. In dieser Zeit sucht Mary Godwin – nach der Heirat wird aus ihr Mary Shelley werden – ihren Weg, beladen mit dem fordernden Vermächtnis der Mutter, einer überzeugten Feministin. (mehr …)
by LiSe | 29. März 2022 | Blog, Rezension & Buchempfehlungen
Die Mitarbeiter*innen der Münchner Stadtbibliotheken empfehlen für den Monat April diese Neuerscheinungen:
Evelyn Schlag: In den Kriegen
Hollitzer
Ein Krieg ist gerade zu Ende gegangen. Drei Männer und eine Frau machen sich auf den Weg über verlassene Landstriche zu einer mythischen Halbinsel. Tanjas Verlobter Andrij ist gefallen. Jens und Iwo, zwei Deutsche, haben als Freiwillige an der Seite der ukrainischen Nationalisten gekämpft, Andrij war einer von ihnen. Vitalij, der Vierte, ist ein junger Dichter. Der Überfall der Deutschen 1941, an dem auch der Urgroßvater von Jens teilgenommen hat, ist nach wie vor lebendig in der Geschichte der Ukraine … In diesem pazifistischen Roman über den Krieg werden Schrecken und Tod durch den Aberwitz der Akteure konterkariert. (mehr …)
by LiSe | 29. März 2022 | Blog, Rezension & Buchempfehlungen
Das Tagebuch eines jungen Mannes lässt erahnen, wie brutal Zwangsarbeit unter den Nationalsozialisten abgelaufen ist.
Von Katrin Diehl
Es gibt gerade bei Tagebüchern eine gewisse Banalität der Wiederholungen, die einem den immer auch voyeuristisch-neugieren Blick ins Private dieser oder jener Bekanntheit etwas vergällen kann. Aber so ist halt der Alltag. Mal ist einem wohl, dann wieder weniger. Mal wacht man früh auf, dann ein wenig später. Und auch die Jahreszeiten kehren ja immer wieder, die ersten Blüten, der erste Schnee … Ja, ja. (mehr …)
by LiSe | 27. Feb. 2022 | Blog, Rezension & Buchempfehlungen
Die Jahre des Petrarca-Preises
Von Katrin Diehl
Natürlich hat dieser Band etwas Wehmütiges. Vielleicht hatte man sich ja mal wieder getroffen, hat einmal tief durchgeatmet und gesagt, „da sollte ja eigentlich schon was bleiben von diesem Preis …, eine Art Chronik …, das müsste doch machbar sein …“ Vielleicht hat dieses Treffen ja in der Schackstraße gleich beim Siegestor stattgefunden, dort bei H. Burda, wo die Idee vor fast 50 Jahren ihren Anfang genommen hatte. (mehr …)
by LiSe | 30. Jan. 2022 | Blog, Rezension & Buchempfehlungen
Die Mitarbeiter*innen der Münchner Stadtbibliotheken empfehlen für den Monat Februar diese Neuerscheinungen:
Gerda Blees: Wir sind das Licht
Zsolnay
Die Geschichte einer stillen Radikalisierung: Eine Wohnung, drei Frauen, ein Mann. Eine der Frauen ist tot. Als der Notarzt eintrifft, herrscht eine ruhige, ja unheimliche Atmosphäre, und er stellt fest: Elisabeth ist – vor den Augen ihrer Mitbewohner – verhungert. Muriel, Petrus und Elisabeth haben, jede*r auf eigene Art, den Halt im Leben verloren. Der Verzicht auf Nahrung scheint diese Lücke zu füllen. Was sich von innen – bis in den Tod – richtig anfühlt, ist von außen nur sehr schwer zu fassen. Der Debütroman erhielt zahlreiche Preise und war das Lieblingsbuch der niederländischen Buchhändler*innen 2020. (mehr …)
by LiSe | 30. Jan. 2022 | Blog, Rezension & Buchempfehlungen
Thomas Krafts neuer Roman über eine vergessene Geschichte kolonialer Verstrickungen Deutschlands in Afrika
Von Stefanie Bürgers
Die Journalisten Paula und Stefano sind für eine Filmreportage auf den Spuren des Kolonialismus in Ghana unterwegs und lernen zunächst die berüchtigten Forts an der Küste kennen, von denen aus die Sklaven verschifft wurden. Als ihr Freund Richard, Diplomat an der deutschen Botschaft in Accra, von der während der Nazidiktatur legendären deutschen Pilotin Hanna Reitsch erzählt, erfährt Paulas und Stefanos Projekt eine Wendung.
Reitsch hat den Zweiten Weltkrieg überlebt und sich in Ghana mit der ersten Segelflugschule Afrikas unter der schützenden Hand des damaligen Diktators etabliert. Zuvor hatte sie bei Kriegsende den Einsatz von Selbstmordpiloten in einem letzten sinnlosen Aufgebot propagiert.
Paula spürt eine Verbindung zu dieser Geschichte, da ihr Großvater als junger Pilot in den letzten Kriegstagen bei einem Einsatz ums Leben kam, und ihr Vater deshalb als Halbweise aufwuchs. Ein Trauma, das sich in Paulas Familie bis in die Gegenwart erstreckt. Als auf die beiden Journalisten ein Überfall verübt wird, sollen sie offenbar von weiteren Nachforschungen abgehalten werden.Zurück in Deutschland entdeckt Paula, dass Reitsch immer noch eine Ikone rechter Kreise ist. Bedrohlich wird die Situation, als Stefano krankenhausreif geschlagen wird. Er will, dass Paula „es zu Ende bringt“. Die nunmehr investigative Recherche gewinnt zunehmend an Brisanz. Auch die Rolle von Richard scheint zweifelhaft. Eine zunächst harmlose Geschichtsdokumentation entpuppt sich als zunehmend riskant.
Der Wechsel der Erzählperspektive von Kapitel zu Kapitel enthüllt gekonnt die individuelle emotionale Verstrickung der einzelnen Protagonisten. Thomas Kraft, Autor und Kulturmanager, ist ein guter Beobachter menschlicher Verhaltensweisen. Er lebt in der Nähe von München. Sein jüngster Roman ist ein spannender Politkrimi vor wenig bekanntem historischem Hintergrund.
Thomas Kraft:
Zeit der Narben
Roman, 315 Seiten
Broschur
CONTE Verlag
St. Ingbert, 2021
18 Euro