by LiSe | 3. Nov. 2015 | Blog, Titelgeschichte
Literaturfest München vom 18. November bis 6. Dezember
Zum sechsten Mal lädt München zum Literaturfest ein. Literaturfest – das ist: das forum:autoren, ein literarisch-experimentelles Programm, das jedes Jahr von einem anderen Kurator gestaltet wird und in verschiedenen Lokalitäten stattfindet; ein hochkarätig besetztes Festprogramm im Literaturhaus sowie die 56. Münchner Bücherschau im Gasteig mit Lesungen internationaler Autoren und tollen Kinder- und Familienaktionen. (mehr …)
by LiSe | 29. Sep. 2015 | Blog, Titelgeschichte
Eine Erich Kästner-Ausstellung des Literaturhauses München
Fast 30 Jahre, von 1945 bis zu seinem Tod 1974, hat Erich Kästner in München gelebt. Er hat den Literaturpreis der Landeshauptstadt München und andere Auszeichnungen erhalten. Die Ausstellung weist auf Bekanntes hin und arbeitet Unbekanntes heraus. Sie spricht Experten, Laien und Kinder an. (mehr …)
by LiSe | 31. Aug. 2015 | Blog, Titelgeschichte
Faust im Nacken
Was dürfen oder müssen Gymnasialschüler in der Oberstufe lesen?
Verdirbt oder fördert die Pflichtlektüre die Freude am lebenslangen Lesen?
Der Lehrplan für die Oberstufe bayerischer Gymnasien, Fachbereich Deutsch umfasst in seinen gut zehn Seiten allgemeine Vorgaben zur „sprachlich-literarischen“ und „geistesgeschichtlich-kulturellen Bildung“. Er ist in sechs Kapiteln abgehandelt, wobei das Kapitel „Sich mit Literatur und Sachtexten auseinandersetzen“ eine eher marginale Rolle spielt. Dennoch fordert er von den Schülern „Aufgeschlossenheit für Themen und Stoffe der Literatur“, Erweiterung „kultureller Zusammenhänge“, „Offenheit für Fragen der Ästhetik“, „eine differenzierte Weltsicht“ und „lebenslange Lesebereitschaft“. Das klingt nach hohen Ansprüchen und ausgedehnter Pflichtlektüre. Dabei ist auffällig, dass der Lehrplan – außer zeitgeschichtlichen Eingrenzungen – offenhält, was in der Oberstufe gelesen werden soll. Also ab jetzt nur noch Felicitas Hoppe und Alexander Kluge? Keineswegs! (mehr …)
by LiSe | 26. Juni 2015 | Blog, Titelgeschichte
Ein Buchladen mit Historie
Die Autorenbuchhandlung und ihr Stammkunde Albert Ostermaier
Der Blick geht nach oben: da hängt sie, die berühmte Lampe, die Leuchte, die Inspirationsquelle. Geschaffen hat sie der international renommierte Lichtkünstler Ingo Maurer. An ihrem filigranen Geäst, bestückt mit viel Watt und Bücher beleuchtend, hängen pergament-artige Zettel: ein Gedicht von Friedrich Hölderlin, Dankesschreiben an und gute Wünsche für die Autorenbuchhandlung. „Hier sein heißt lebendig bleiben“, hat Friedrich Ani auf einen Zettel gekritzelt. „Das Ziel ist wo wir bereits sind“, brachte Michael Lentz zu Papier. Und Albert Ostermaier schmückte sein Blatt mit „Mississippi“. Dieses Gedicht hat der Lyriker, Dramatiker und Romancier Ostermaier der Autorenbuchhandlung gewidmet. „Ich bin seit dem Ende der Achtziger hier Kunde und saß so lange dort, dass ein Teil meines Rückgrats ein Buchrücken dieser einzigartigen Buchhandlung ist, deren ehemalige Leiterin Hilde Schiweck für mich die wunderbarste Cicerone in der Welt der Literatur war“.
Hilde Schiweck – ja, das ist Geschichte, wie überhaupt die Autorenbuchhandlung in der Wilhelmstraße 41 auf eine stolze Historie zurückblicken kann. 1973 wird der Buchladen gegründet, von Schriftstellern wie Martin Gregor-Dellin, Michael Krüger, Paul Wühr, Günther Herburger oder Tankred Dorst. 20 000 DM bringen zwölf Gesellschafter auf und schaffen die erste genossenschaftlich organisierte Autorenbuchhandlung. Der Eintrittsscheck von 1000 DM ist für den Schriftsteller die Garantie, dass seine Werke hier gelesen und gekauft werden können. „Dort stehen sie, die Bücher unserer Autoren“, sagt Buchhändlerin Anne Richter und zeigt auf die prall gefüllten Regale über dem roten Sofa.
Das in die Tage gekommene Möbelstück steht im hinteren Eck, hat Ostermaiers Rückgrat vielleicht das eine oder andere Mal entlastet und lädt zum bequemen Schmökern ein. Denn fündig wird der/die LeserIn in der Autorenbuchhandlung allemal – dafür sorgt ein feines, erlesenes Sortiment. Gleich am Eingang der Buchhandlung sind Neuerscheinungen platziert, auf einer riesigen Fläche. Inmitten der Novitäten liegt auch „Lenz im Libanon“, Ostermaiers jüngster Roman, den der 47Jährige nach einem Besuch der dortigen Lager mit Hunderttausenden Flüchtlingen aus Syrien geschrieben hat. Flüchtlinge – ein brennendes Thema, das der Schriftsteller als Kurator beim „forum:autoren“ in den Mittelpunkt beim Münchner Literaturfest stellt.
Wen er für November eingeladen hat, verrät Ostermeier noch nicht. „Ich kann jetzt nur sagen, ich bin mehr als glücklich und auch stolz, wer da alles kommen wird und wie überwältigend die Resonanz auf die Einladungen war und die Bereitschaft, gerade für dieses Thema Haltung und Gesicht und Herz zu zeigen“. Ostermaier hat dem traditionellen „forum:autoren“ den Titel „front:text“ gegeben und spielt damit auf die Agentur Frontex an, die im Mittelmeer vor illegaler Einwanderung „schützen“ soll. Nach Gegenstrategien gefragt, meint der Autor kurz und bündig: „Jeder kann etwas tun. Das fängt im Kopf an. Bei der Sprache. In München gibt es hervorragendes Engagement für Flüchtlinge, da kann jeder mitmachen“.
Ostermaier ist in München eine Institution. Seit Jahrzehnten lebt und arbeitet er in der Landeshauptstadt. Ende der 80er Jahre schreibt er erste Gedichte, sein 1995 im Bayerischen Staatsschauspiel uraufgeführte Stück „Zwischen zwei Feuern. Tollertopographie“ eröffnet Ostermaiers Kariere als Theaterautor. „Ende Juli kommt mein Stück ‚Gemetzel‘ zur Eröffnung der Nibelungenfestspiele heraus, danach ein Stück über Serge Gainsbourgh, ‚Moi non plus’, eine Produktion der Ruhrfestspiele“, sagt der Allrounder. Und wann gibt es wieder ein Stück in München? „Ich hoffe spätestens in der übernächsten Spielzeit“.
Derweil müssen die Münchner mit Prosa und Lyrik von Ostermaier vorlieb nehmen – so etwa mit seinem Band „Autokino“, in dem auch das an der Leuchte der Autorenbuchhandlung hängende Gedicht „Mississippi“ abgedruckt ist. Lyrik hat im Buchladen in der Wilhelmstraße Gewicht, auch wenn sie neuerdings im hinteren Teil der Buchhandlung logiert. Ganz vorn kann sich dagegen die Kinder- und Jugendliteratur platzieren. „Wir wollen auch ein jüngeres Publikum, wir brauchen Nachwuchs“, sagt Geschäftsführerin Karin Staisch. Die Autorenbuchhandlung hat deshalb in diesem Frühjahr zu Lesungen für Jugendliche eingeladen bzw. plant weitere im Herbst, auch für Erwachsene.
Frühjahr, Sommer, Herbst – Albert Ostermaier scheint immer unter Hochdruck. Der Schriftsteller, der samstags auch noch auf dem Fußballplatz trainiert (schließlich ist er Torwart in der Autorennationalmannschaft), bekennt auf die Frage: Wie schaffen Sie das alles? „Zu Schreiben ist ein Geschenk, dafür bin ich jeden Tag dankbar und ich weiß, wie fragil es ist. Und wenn man die Chance hat, mit Literatur und Festivals etwas zu bewegen, und sei es nur einen einzelnen Menschen, und wenn wir mit dem forum:autoren die Geschichten erzählen können, die erzählt werden müssen, da ist es alle Erschöpfung wert und am Ende ein Glück“.
Ina Kuegler
In unserer Serie „Meine Lieblingsbuchhandlung“ stellten wir bislang „Buch & Bohne“ mit Christoph Poschenrieder vor, die Buchhandlung Lehmkuhl mit Hans Magnus Enzensberger, „Buch in der Au“ mit Su Turhan und Literatur Moths mit Thomas Jonigk und Christof Loy.
by LiSe | 28. Mai 2015 | Blog, Titelgeschichte
Es ist der klassische Einstieg. Da ist ein junger Schriftsteller so richtig überzeugt, den Knüller des Jahres geschrieben zu haben. Hoffnungsfroh schickt er sein Werk an eine Reihe von Verlagen und Agenturen – und handelt sich eine Absage nach der anderen ein. Doch weil ihn wie jeden Autor der Traum vom gedruckten Buch umtreibt, denkt er nicht ans Aufgeben, sondern ans Selbstverlegen.
Auch Bernhard Straßer (35) aus Traunstein im Chiemgau träumt ihn. Mit Kurzgeschichten hat es der Berufsberater schon zu lokalem Ansehen gebracht. Mit der Coming of Age-Geschichte „Kleinstadtrebellen“ gedenkt er groß rauszukommen. „Jeder, der schreibt, will ein Buch veröffentlichen. Will einen Bestseller schreiben, will Preise bekommen, hören, er hat einen verdammt guten Roman geschrieben. Auch ich …“, kommentiert er selbstironisch in seinem Blog (www.chiemgauseiten.de/über mich). Doch er findet keinen Verlag, und so ist Selbstverlegen das Zauberwort, das ihm dazu verhelfen soll. Neu ist das nicht, schon immer haben Autoren, die von den Verlagen abgelehnt wurden, eine ganze Auflage vorfinanziert und selbst an den Leser gebracht, was wahrlich kein Pappenstiel ist. Heute heißt das Self Publishing, und Straßer muss keinen Pfennig in die Hand nehmen. Er wählt aus den verschiedenen Self Publishing-Plattformen eine aus, die ihm die besten Bedingungen bietet, und los geht’s. Eigentlich habe er sich gleich für CreateSpace entschieden, sagt er, der Plattform von Amazon. Einfache Handhabung, gutes Honorar. Fürs E-Book 60 Prozent vom Verkaufspreis, den er selbst festlegt. Dass andere Anbieter bis zu 70 Prozent zahlen, weiß er mittlerweile. Bei der Print-Ausgabe werden zusätzlich die Druckkosten abgezogen, da kommt er auf 20 Prozent. Die Abrechnung erfolgt monatlich.
Mit dieser Leichtigkeit der Veröffentlichung werben auch alle anderen Plattformen und locken mehr oder weniger mit dem gleichen Slogan: Schreiben, Hochladen, Publizieren. Bei der Covergestaltung allerdings habe er sich professionelle Hilfe geholt, sagt Straßer, das kleine Bild müsse den Leser, der durch die Amazon-Bestsellerlisten scrollt, ja sofort ansprechen. „Mir hat dabei ein befreundeter Grafiker geholfen. Überhaupt ist das meine Erfahrung, die ich mit den ,Kleinstadtrebellen‘ gemacht habe. Das war so ein Learning by Doing. Bei meinem nächsten Buch will ich vor allem eines, ein sauberes Lektorat. Das ist mir wichtig.“
Amazon war übrigens nicht der Vorreiter auf dem Gebiet des Self Publishings. Doch erst als sich 2007 der Online-Versandbuchhändler auch zum Online-Verleger aufschwang, schien diese neue Sparte so richtig in die Gänge zu kommen. Heute reden wir von sechs- bis siebenstelligen Auflagenzahlen und entsprechenden Tantiemen, und das alles für Bücher, die weder auf den gängigen Bestsellerlisten noch auf den Feuilletonseiten großer Zeitungen auftauchen. Viele dieser Bestseller-Autoren haben bei Amazon publiziert, ihre Werke sind digital und als Print-Ausgabe nur bei Amazon erhältlich, die E-Books nur auf dessen E-Book Reader Kindle lesbar. „Abhängig ist man schon“, gibt Bernhard Straßer zu. „Vor allem vom Bewertungssystem, das darüber entscheidet, ob ich in den Charts vorne und sichtbar bleibe oder nach hinten rutsche.“ Wobei sein Roman wahrscheinlich auch deswegen nicht zu den Topsellern gehört, weil er nicht die gängigen Genres bedient: Krimis, Thriller, Frauen-, Liebes- und Erotikromane, fast ausschließlich Unterhaltungslektüre, das belletristisch anspruchsvolle Buch sucht man nicht bei den E-Books.
Trotz aller Möglichkeiten, die ihm die neuen Medien erschließen, ist der Traum eines jeden Schriftstellers das gedruckte Buch. Den Verlag hat der SelfPublisher erfolgreich umgangen, auch wenn er sich heimlich nach einem sehnt. Sein Buch liegt als Datei abgespeichert in der Cloud, zusammen mit zigtausend anderen, und wartet darauf, vom Leser als E-Book heruntergeladen oder als Print-Ausgabe, als Book on Demand, bestellt und erst dann gedruckt zu werden. Nun muss es zum Kunden gelangen. Das geht nur über den Handel, um den die digitale Buchwelt nicht herumkommt. Und doch nimmt das Gros der Buchhändler diese riesige und noch dazu lukrative Einnahmequelle kaum wahr. Ein verlagsloses Buch scheint für sie wie ein Kleid ohne Label für den Modefreak, man fasst es sozusagen mit spitzen Fingern an. Dabei verdienen sie dank der Buchpreisbindung an ihm genauso viel wie an denjenigen, auf denen ein Verlagsname prangt.
Auch die Werbung hängt damit zusammen. Das Buch eines SelfPublishers erscheint ja in keinem Verlagsverzeichnis, wird von keiner Presseabteilung an die Feuilletons verschickt, fällt durch keine Anzeige ins Auge, es sei denn, der Autor zahlt sie selbst. „Für mich ist das die Ochsentour“, sagt Bernhard Straßer. „Klinkenputzen bei Redaktionen und Buchhändlern, Lesungen, Hinweise auf Facebook, regelmäßige Eintragungen in meinem Blog, Austausch in entsprechenden Internetforen undundund. Aber das bringt was. Ich war erstaunt, wie viel Resonanz ein Bericht in der Zeitung hat.“ Leben kann der Familienvater von seinen Tantiemen noch nicht. Doch wer weiß, vielleicht wird ja sein nächster Roman, der bereits fertig geschrieben ist, demnächst der Knüller des Jahres.
Katrina Behrend Lesch
by LiSe | 27. Apr. 2015 | Blog, Titelgeschichte
Hell und heiter – Literatur Moths – die Lieblingsbuchhandlung von Thomas Jonigk und Christof Loy
Hell, loftig, großzügig – so präsentiert sich Literatur Moths. Hohe Räume mit Industrie-Charakter laden zur Schatzsuche ein. Während andere Münchner Buchhandlungen mit ihren bis zu Decke reichenden Regalen und eng aneinandergepressten Büchern eher Papier-Höhlen ähneln, gibt Moths den Blick frei: auf bibliophile Bücher und ausgewählte Geschenke in luftigen Regalen aus Schalholz, auf Exponate aktueller Ausstellungen an den Wänden, auf Genuss-Bildbände im Kochbuch-Kabinett oder auf den großen Tisch gleich im Eingangsbereich. Wer es auf diese Plattform geschafft hat, darf sich als Autor oder Verlag glücklich schätzen: Hier präsentiert sich nur er-lesene Literatur. „Was dort ausliegt, ist extrem in-spirierend – eine Oase der Literatur und der Individualität“, schwärmen zwei Stammkunden von Moths, der Schriftsteller Thomas Jonigk und der Opernregisseur Christof Loy. Seit sie 2013 als „verhasste Deutsche“ von Zürich ins Münchner Lehel gezogen sind, schätzen sie die Buchhandlung in der Rumfordstraße 48.
Literatur Moths gibt es schon sehr viel länger: 1994 eröffnete Regina Moths diesen Buchladen – den wohl schönsten in München, der 2009 auf der Frankfurter Buchmesse zur „Buchhandlung des Jahres“ gekürt wurde. Moths, die nach ihrer Lehre in Frankfurt Theater, Film- und Fernsehwissenschaften studiert hat, ist Buchhändlerin und Galeristin zugleich – davon zeugen die Lesungen, zu denen Regina Moths im Schnitt jeden Monat lädt und die Kunstausstellungen, die rund sechs Mal im Jahr stattfinden. Kunst gibt es bei Moths freilich das ganze Jahr über in den beiden Schaufenstern: Die von Regina Moths gestaltete Ladenfront ist immer einen Ausflug in die Rumfordstraße beim Isartorplatz wert. Während andere Läden beim Oktoberfest weißblaue Fähnchen aushängen, gab es beispielsweise bei Moths ein Wurstfenster – zwei Berliner Schneiderinnen präsentierten ihre Stoffwurstwaren.
„Moths ist tatsächlich eine der schönsten, niveauvollsten und im besten Sinne subjektivsten Buchhandlungen, die wir kennen“, sagen Jonigk und Loy. Und die sollten es eigentlich wissen – schließlich kommen sie beruflich in ganz Europa herum: Christof Loy hat gerade zwei Opern in Basel und Genf inszeniert, demnächst stehen unter anderem Regie-Arbeiten in Stockholm („Der Rosenkavalier“) und Wien („Peter Grimes“) an. Besucher der Münchner Staatsoper, an der derzeit Loys Inszenierung der Donizetti-Oper „Roberto Devereux“ mit Edita Gruberova zu sehen ist, dürfen auf eine neue Regie-Arbeit des Regisseurs hoffen: „Sobald Intendant Nikolaus Bachler und ich uns auf ein Stück und einen Termin einigen können“, verrät der 52-jährige. Thomas Jonigk, 1995 von „Theater heute“ zum Nachwuchsdramatiker des Jahres gekürt, ist Allrounder: Der 49-jährige reüssiert als Schriftsteller, Regisseur, Theaterautor und Librettist. In der kommenden Spielzeit hat er unter anderem Auftragswerke an der Deutschen Oper Berlin und dem Theater an der Wien. „Anfänglich war ich reiner Theaterautor, aber mein Interesse geht mittlerweile viel mehr in Richtung Prosa, weil ich da viel autonomer bin.“ Seinen nächsten Roman wird Jonigk natürlich auch bei einer Lesung in der Buchhandlung Moths vorstellen.
Lesungen bei Moths ziehen seit Jahren SchriftstellerInnen, PublizistInnen und LeserInnen an. Zu Gast in der Rumfordstraße waren in jüngster Zeit unter anderem Sibylle Berg, Sibylle Lewitscharoff, Georg Klein, Stevan Paul, Heinrich Steinfest, Hans Pleschinski (er ist bei Moths Stammkunde), Feridun Zaimoglu oder die Balzac-Übersetzerin Melanie Waltz.
Regelmäßiger Gast bei Moths ist der von der ARD-Sendung „Druckfrisch“ bekannte Publizist Denis Scheck, der die Vorzüge unabhängiger Buchhandlungen wie Moths für ein Stadtviertel so preist: „Die Gegend, in der man lebt, verblödet dann weniger“. Regina Moths reagiert – auf Amazon angesprochen – gelassen: „Wir sind auch eine Internetbuchhandlung und waren es schon zehn Jahre vor Amazon.“ Wer die Homepage von Moths einmal angeklickt hat, weiß, dass er nicht nur Bücher innerhalb 24 Stunden bestellen kann, sondern fühlt sich auch gut beraten, optisch umschmeichelt und gut unterhalten. „Diese Heiterkeit ist uns wichtig“, ergänzt Regina Moths.
Heiter und unaufgeregt erzählt sie auch, wie sie ihren Stammkunden Christof Loy erstmals in ihren Räumen kennenlernte. So habe sie Thomas Jonigk, den sie vom Studium in Frankfurt kannte, von ihren diversen Reisen zu europäischen Opernhäusern erzählt, um Inszenierungen von Loy hautnah miterleben zu können. Daraufhin habe Jonigk den Laden verlassen und sei nach fünf Minuten mit Christof Loy wiedergekommen. „Hier ist der Regisseur“, erklärte Jonigk. Die beiden Künstler sind seit 2008 ein Paar. „Eine Heirat zwischen Männern ist noch immer ein politisches beziehungsweise gesellschaftliches Statement“, sagt der Autor. Angesichts der Proteste in Frankreich oder der Rolle von Homosexuellen in Osteuropa offenbart sich laut Jonigk, dass die Gesellschaft in puncto Minderheitenschutz oder individueller Freiheit eher rückschrittlich sei. Der internationale Opernbetrieb setze ganz andere Akzente, meint Loy. Erforderlich sei da die Fähigkeit, sich auf einen gemeinsamen Dialog und auf eine gemeinsame Arbeit einzulassen. „Das basiert auf extrem großem Vertrauen – und das ist vorbildlich in Bezug auf gerade stattfindende gesellschaftliche Prozesse und Veränderungen“.
Ina Kuegler