by LiSe | 1. Dez. 2014 | Blog, Titelgeschichte
Winterleiden und Winterfreuden rund um das Weihnachtsfest, das schildern die acht Autoren, die wir diesmal für unser Weihnachtsrätsel aus drei Jahrhunderten für Sie ausgesucht haben – wir wünschen wieder viel Vergnügen und Leseanregung für die stille Zeit!
1. Der politisch verfolgte Autor promovierte über Fischnerven, revoltierte, verstarb, als es gerade richtig losgehen sollte.
Er kam bald vom Weg ab, und eine sanfte Höhe hinauf, keine Spur von Fußtritten mehr, neben einem Tannenwald hin, die Sonne schnitt Kristalle, der Schnee war leicht und flockig, hie und da Spur von Wild leicht auf dem Schnee, die sich ins Gebirg hinzog. Keine Regung in der Luft als ein leises Wehen, als das Rauschen eines Vogels, der die Flocken leicht vom Schwanze stäubte. Alles war so still, und die Bäume weithin mit schwankenden weißen Federn in der tiefblauen Luft.
2. Ein moralisch-literarischer Gigant von solchem Einfluss, dass Thomas Mann von ihm sagte , hätte der noch gelebt, hätte der Krieg sich nicht getraut, auszubrechen.
… sie alle betrachtete Lewin als auserwählte Günstlinge des Glückes, weil ihnen vergönnt war, hier in Kittys Nähe zu sein. Aber alle diese Schlittschuhläufer, schien es, waren dabei von der größten Seelenruhe, holten sie ein, überholten sie, redeten sogar mit ihr und vergnügten sich ganz ohne Rücksicht auf sie, indem sie sich das vorzügliche Eis und das schöne Wetter mit Lust zunutze machten.
3. Der körperlich und seelisch schwer leidende Autor gilt als Poet der menschlichen Isolation, des Surrealen oder auch der Gottessuche.
… starkes Schneegestöber füllte den weiten Raum zwischen mir und ihm; einen Wagen hatte ich, leicht, großräderig, ganz wie er für unsere Landstraßen taugt; in den Pelz gepackt, die Instrumententasche in der Hand, stand ich reisefertig schon auf dem Hofe; aber das Pferd fehlte, das Pferd. Mein eigenes Pferd war in der letzten Nacht, infolge der Überanstrengung in diesem eisigen Winter, verendet.
4. Der Verzweiflungsschriftsteller schlechthin, der uns mit dem wieder und wieder Überdrehen der Negativ-Schraube oft zum Lachen bringt vor Entsetzen. Gedichte, Dramen, Romane.
„Ein Schneetreiben ist absolut ein Vorgang des Todes…aber was ist ein Schneetreiben? Wie kommt es zustande? Auflehnung, woraus dieses Wunder besteht…meine ganze Schilderung ist ja nichts als Angst, nichts als eine kindische Angst vor einem ungewöhnlichen Schauspiel…“ Der Ingenieur hatte den Maler auf der Straße liegend aufgefunden und in seinen Wagen gesetzt und mitgenommen. „Ohne den Ingenieur wäre ich umgekommen in diesem Schneetreiben“, sagte er.
5. Er wollte mehr und bessere Romane schreiben als sein Vorbild (siehe 2.); es gelang zwar nicht, aber er bekam den Nobelpreis, der andere nicht.
… die Knöchel aneinander gedrückt, liefen wir ganz tief geduckt, überließen uns der Geschwindigkeit und glitten endlos, endlos im stillen Zischen des körnigen Pulverschnees. Es war schöner als jedes Fliegen oder sonst irgend etwas, und wir entwickelten die Fähigkeit, es zu tun und zu genießen durch die langen Aufstiege mit den schweren Rucksäcken, die wir trugen. Wir konnten den Aufstieg weder erkaufen noch ein Billet zum Gipfel nehmen.
6. Er schreibt keine Pageturner, weder auf Handlung noch auf Psychologie kommt es ihm an: Nur Stil und Beobachtung des Augenblicks. Vielleicht sollte man sein Urteil über ihn gelegentlich überprüfen.
„Keine Ekstase !“ (Nie mehr Ekstase) Um diese zu bezwingen, suchte er im Gelände nach einem Anhaltspunkt. Im besonnten Graben bildete der Schnee eine schimmernde Furche: die schönste Frau, die er je gesehen hatte. Ein unwillkürlicher Schrei, und aus einem Gebüsch kam sogar ein kleines Echo zurück. Schwermut und Geilheit erfaßten Sorger.
7. Engländer, treibt sich viel in Italien herum, und manche halten ihn für einen der besten lebenden Schriftsteller überhaupt.
Vielleicht ist der Schnee mein Element, dachte er. Einen Augenblick lang stellte er sich vor, wie er unter dem Weiß begraben war. Die stetig fallenden Flocken würden die Falten seiner Jacke und Hose ausfüllen und ganz langsam den Berg aus Fleisch, der Harold Cleaver war, mit einer weichen, weißen Schicht zudecken. Der Gedanke kam ihm seltsam luxuriös vor.
8. Die Autorin überrascht ihre Leser nur einmal pro Dekade mit unterhaltsamer, präzise beobachtender Dialog-Prosa, immer preis- und bestsellerverdächtig.
„Fröhliche Weihnachten“ brüllte er, und dann nahm er ein Schmucketui aus der Tasche und schob es zu Xandra hinüber. Boris und mir warf er zwei Bündel Zwanziger (500 Dollar für jeden!) quer über den Tisch. … Und obwohl in der uhrenlosen, klimagesteuerten Casino-Nacht Wörter wie „Tag“ und „Weihnachten“ ziemlich sinnlose Konstrukte waren, erschien mir inmitten der bunt klingenden Gläser der Gedanke an Glück gar nicht so untergangsbedroht oder fatal.
Auswahl : Wolfram Hirche
Lösung des Rätsels auf Seite 4
by LiSe | 1. Okt. 2014 | Blog, Titelgeschichte
Das Münchner Literaturbüro feiert seinen 30. Geburtstag mit Lesungen, Büchertagen sowie Werkstatt- und Lyrikpreis
Ein Stuhl, ein Tisch, eine Lampe: Eine junge Frau nimmt Platz, streicht zwei Papierbögen glatt und beginnt vorzulesen. „Heimatliebe“ heißt der Text, eine schnörkellose Geschichte über eine Dreiecksbeziehung. Nach zehn Minuten ist der Vortrag vorbei – so wollen es an diesem Abend die Regularien vom Münchner Literaturbüro (MLB), das zu seiner 1719. Lesung eingeladen hat. 1719 – das dürfte Münchner Rekord sein. Seit 30 Jahren veranstaltet das MLB in Haidhausen (offene) Lesungen, Lyrikwettbewerbe oder Büchertage und gehört damit zu den Säulen des Münchner Literaturbetriebs.
Anders als bei Poetry Slams, bei denen das Publikum per Applaus Noten verteilt, geht es in den MLB-Räumen in der Milchstraße 4 differenzierter zu: Es sind moderierte Lesungen mit Werkstattcharakter, mit noch nicht veröffentlichten Texten im Diskurs mit dem Auditorium. Nach dem Vortrag von Prosa und Lyrik wird sachkundig kritisiert oder gelobt, mal engagiert oder spröde, mal pauschal oder detailverliebt, mal geschäftsmäßig oder humorvoll. „Nehmen Sie die innere Bügelfalte weg“ heißt es da aus dem Auditorium. Oder: „Das sind alles Teflon-Geschichten, da bleibt nix hängen“. Oder: „Das war eine schöne, schlicht erzählte Story“. Knapp 40 ZuhörerInnen sind es bei diesem 1719. Abend, Stammgäste und Newcomer sitzen eng aneinandergereiht auf Klappstühlen, nippen an einem Glas Wein und lauschen den vorgetragenen Texten. „Unser Modell war die Gruppe 47, wir wollten einen basisdemokratischen Umgang mit Literatur“, erinnert sich Petra Lang, langjährige Vorsitzende, und Josef Rohrhofer, derzeit Vorstand des Literaturbüros, ergänzt: „Das entsprach in den frühen 80er Jahren durchaus dem Zeitgeist“ – schließlich entstanden damals Literaturbüros in Freiburg, Hamburg oder Berlin.
Seit 1984 haben Hunderte von bekannten und weniger bekannten Autoren in der Milchstraße gelesen; zu den Renommierten gehören unter anderem Wolfgang Bächler, Wolfgang Koeppen, Herbert Rosendorfer, Asta Scheib, Gerhard Köpf, Christian Enzensberger, Marianne Hofmann, Joseph von Westfalen, Ralf Bönt oder Anton G. Leitner (siehe auch nebenstehenden Kasten). Sie alle saßen auf dem „elektrischen Stuhl“, wie der Platz am Tisch neben dem Moderator scherzhaft genannt wurde. „Die Kritiken im MLB wirken“, sind sich die Organisatoren des Literaturbüros sicher. „Das zeigen die vielen Veröffentlichungen in renommierten Verlagen, Stipendien oder Preise“. Einen (unfreiwillig) bleibenden Eindruck hatte die Milchstraße auch beim Ost-Berliner Ministerium für Sicherheit (MfS) hinterlassen: Ein IM hielt in den Stasi-Akten fest, dass das Geld beim MLB nicht reiche und das Literaturbüro „schlecht organisiert“ sei.
Von „schlechter Organisation“ kann wohl kaum die Rede sein angesichts der Fülle von Lesungen, Wettbewerben, Fachgesprächen, Diskussionen und der Herausgabe etlicher Anthologien und Publikationen, die das MLB – natürlich alles ehrenamtlich – auf die Beine gestellt hat. Schon vor der Gründung des Vereins MLB hatte es im Haidhausen-Museum Werkstattgespräche zwischen 1978 und 1984 gegeben, 1980 folgten die ersten Haidhauser Büchertage – doch in feste Bahnen brachte Gründungsvater Kay Ken Derrick all diese Aktivitäten erst, nachdem das Literaturbüro 1984 ein eingetragener Verein mit einer festen Bleibe in der Milchstraße geworden war, der seitdem vom Kulturreferat des Stadt München finanziell unterstützt wird.
Die Freitagslesungen, die Haidhauser Büchertage, der Haidhauser Werkstattpreis und der Lyrik-Preis München – das sind die inhaltlichen Schwerpunkte, die sich das MLB seit Jahren setzt. Daneben haben das Büro oder seine Protagonisten immer wieder Publikationen und Anthologien herausgebracht, so etwa das „Literatur –Bulletin“, die Zeitschrift „Torso“ oder „Ausser.dem“. Vor vier Jahren erschien der Band „schöneböse Kindheit“, ein Textsammlung von 50 Geschichten aus der Kindheit. Diese Anthologie von MLB-Mitgliedern und anderen Autoren wurde allein in München auf 20 Lesungen vorgestellt. Die Büchertage gingen bislang 27 Mal über die Bühne, gedacht sind sie als Forum für Münchner Kleinverlage, Literaturzeitschriften und Autorengruppen, die sich in Lesungen vorstellen können. Diese Chance genutzt haben unter anderem die SchreiberInnen der Münchner Zeitschrift BISS.
Den Lyrik-Preis München gibt es seit 2010, er wurde ins Leben gerufen von Stein Vaaler, Hans-Karl Fischer und Kristian Kühn. Die Vorrunden laufen in der Milchstraße, die Endausscheidung geht einmal im Jahr im Gasteig über die Bühne, wo eine Fach-Jury den mit 1000 Euro dotierten Lyrik-Preis München vergibt. Dazu erklärt MLB-Vorsitzender Rohrhofer: „Ohne die Förderung durch die Landeshauptstadt München, insbesondere durch das Kulturreferat und durch die Stadtbibliothek sowie die Gasteig GmbH war und wäre die Arbeit des MLB finanziell nicht zu stemmen“.
Während der Lyrik-Preis München in diesem Oktober zum 5. Mal verliehen wird, ist der Werkstattpreis mit dem Moderator Rainer Kegel schon lange volljährig. An elf Offenen Abenden in der Milchstraße wählt das Publikum aus bis zu sechs Beiträgen den Tagessieger, der sich dann mit den weiteren Vorrundenbesten im Gasteig messen muss. Im Vortragsaal der Stadtbibliothek kürt das Auditorium per Stimmzettel den Sieger. Tagessiegerin bei der 1719. Lesung wurde übrigens Miriam Nonnenmacher – ihre Dreiecksgeschichte „Heimatliebe“ fand den größten Beifall. MLB-Tagessieger zu werden, kann Folgen haben: Uwe Tellkamp schaffte das im Jahr 2001, bevor er 2004 den Ingeborg-Bachmann-Preis gewann und 2008 mit „Der Turm“ den Deutschen Buchpreis.
Ina Kuegler
by LiSe | 1. Sep. 2014 | Blog, Titelgeschichte
Börsenverein des Deutschen Buchhandels warnt vor den Folgen des Freihandelsabkommens (TTIP)
Interview mit Alexander Skipis
Mehr Wachstum, mehr Jobs, mehr Geld, keine Zölle: das Transatlantische Freihandelsabkommen (TTIP) zwischen EU und USA klingt wie Weihnachten und Ostern zusammen. Seit Monaten wird in Brüssel verhandelt – hinter verschlossenen Türen. Schriftsteller, Verleger und Buchhandlungen befürchten, dass mit der Unterzeichnung des Freihandelsabkommens die Buchpreisbindung für gedruckte Bücher und für E-Books gekippt wird. Was das bedeuten könnte, wollten die „LiteraturSeiten München“ von Alexander Skipis wissen, dem Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels (Frankfurt).
LiteraturSeiten (LS): Was bedeutet und was bringt eigentlich die Buchpreisbindung?
Alexander Skipis: Die Buchbranche ist ein wichtiger Kulturzweig in Deutschland, der keine direkten staatlichen Subventionen erhält und marktwirtschaftlich organisiert ist. Ziel der Buchpreisbindung ist es, das Buch als Kulturgut vor dem Preiswettbewerb zu schützen. Jedes in deutscher Sprache erscheinende Buch und E-Book hat für mindestens 18 Monate einen vom Verlag festgesetzten Preis. So garantiert die Buchpreisbindung, dass es ein vielfältiges Buchangebot und ein weit verzweigtes Netz an Buchhandlungen gibt. Verlage können durch die Preisbindung eher auch Titel jenseits der Bestseller auf den Markt bringen. Das Ergebnis: Die Titelvielfalt auf dem deutschen Buchmarkt ist eine der größten weltweit. Die Buchpreisbindung sichert so die Qualität und Vielfalt auf dem Buchmarkt und trägt in erheblichem Maße zur Kultur und Gesellschaft in Deutschland bei.
LS: Welche Gefahr sehen Sie in den Verhandlungen zum Freihandelsabkommen für die deutsche Buchkultur?
Skipis: Da der kulturelle Sektor nicht aus dem Verhandlungsmandat ausgeklammert wurde, stehen beim Freihandelsabkommen die flankierenden Schutzmaßnahmen zur Disposition, die für den Buchmarkt überlebensnotwendig sind. Den großen amerikanischen Online-Firmen wie Amazon, Google oder Apple ist die Buchpreisbindung schon lange ein Dorn im Auge. Ohne Zweifel werden sie sich massiv dafür einsetzen, dass sie zu Fall gebracht wird. Ohne Preisbindung stehen die Vielfalt und die Qualität des Buchmarkts in Deutschland auf dem Spiel. Es würde ein Massensterben von Buchhandlungen eintreten. Das können Sie in allen Ländern ohne Buchpreisbindung sehen. In der Folge würden Verlage nur noch leicht verkäufliche Massenware produzieren, neue Autoren hätten es schwer und den Lesern stünde eine deutlich geringere Auswahl zur Verfügung. Auch die Preise würden letztlich steigen. Auch das sieht man in Ländern ohne Buchpreisbindung. Der Vergleich mit dem US-amerikanischen Buchmarkt zeigt, dass dort der durchschnittliche Buchpreis höher ist als hierzulande. Da die Gespräche zum TTIP hinter verschlossenen Türen geführt werden, ist für die Öffentlichkeit und auch für uns völlig intransparent, ob nun die Preisbindung und urheberrechtliche Fragen Gegenstand der Verhandlungen sind oder nicht.
LS: Die französische Regierung hat darauf gedrängt, die Kultur aus den Verhandlungen auszuklammern. Wie verhält sich die deutsche Regierung?
Skipis: Der Börsenverein hat sich schon zu Beginn der Verhandlungen zum Freihandelsabkommen vehement für eine kulturelle Ausnahme eingesetzt. Die Bundesregierung hat diese Forderung allerdings in der letzten Legislaturperiode nicht aufgegriffen. In der Koalitionsvereinbarung der Bundesregierung für diese Legislaturperiode ist die Ausnahme für den Kultursektor im Freihandels-abkommen aufgenommen. Deshalb erwarten wir jetzt, dass die Bundesregierung sich auch entsprechend dafür auf europäischer Ebene einsetzt. Kulturstaatsministerin Monika Grütters macht sich auf europäischer Ebene für eine kulturelle Ausnahme stark, der Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat sich ebenfalls in diese Richtung geäußert.
LS: Bei den Verhandlungen ist offenbar strittig, ob E-Books Kulturgüter oder Dienstleistungen sind. Wenn das digitale Buch nur eine Dienstleistung ist, fällt es dann noch unter den Kultursektor?
Skipis: Sie weisen da auf einen sehr wichtigen Punkt hin. In der Tat sind wir sehr aufmerksam, dass nicht Teile des Kultursektors, nur weil sie nach der Nomenklatur der EU unter „Dienstleistungen“ oder „Telekommunikation und Medien“ fallen, auf diesem Weg doch verhandelt werden.
LS: Warum ist die Buchpreisbindung für digitale Bücher wichtig? Hätte das Ende der E-Book-Preisbindung Auswirkungen auf den Buchhandel, die Verlage, die Print-Bücher, die Autoren, die Leser?
Skipis: Für die kulturelle Bedeutung macht es keinen Unterschied, ob Bücher digital oder gedruckt vorliegen. Der Wegfall der Preisbindung für E-Books hätte fatale Folgen. Deshalb ist die Buchpreisbindung hier genauso wichtig. Auch hier würde ein Preiswettbewerb der Qualität und Vielfalt schaden. Zudem befürchten wir, dass dies auch Einfluss auf die Preisbindung für Print-Bücher hätte.
LS: In Bremen haben Buchhändler gegen TTIP demonstriert und ihre Schaufenster mit Krepp-Papier zugeklebt. Können Sie sich vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels noch andere Protestformen vorstellen?
Skipis: Wir appellieren an unsere Mitglieder, direkt ihre Bundestagsabgeordneten auf das Thema anzusprechen. Zudem sollten sie ihre Kunden und ihr Umfeld für das Thema sensibilisieren. Es kann nicht eindringlich genug darauf hingewiesen werden, welche Konsequenzen das Freihandelsabkommen für unsere Branche haben könnte.
LS: Warum gründen die deutschen Verlage und der Buchhandel keine eigene Online-Plattform?
Skipis: Es gibt solche Plattformen bereits. Ein Beispiel ist buchhandel.de, das aktuell weiter ausgebaut wird. Kunden können darüber E-Books kaufen oder Bücher bestellen und in einer Buchhandlung vor Ort abholen. Der Buchhandel und die Verlage selbst sind hierzulande digital gut aufgestellt und begegnen den aktuellen Entwicklungen mit innovativen Ideen. Inzwischen bieten zwei Drittel der Verlage E-Books an und 80 Prozent der Buchhandlungen haben einen Internetauftritt mit eigenem Online-Shop. Beim Verkauf von E-Books hat die deutsche Buchbranche zudem im vergangenen Jahr mit dem „Tolino“ eine erfolgreiche Alternative zu Amazons Kindle geschaffen. Innerhalb kürzester Zeit ist die Allianz von Thalia, Hugendubel, Weltbild und der Telekom zum schärfsten Konkurrenten des Kindle geworden. Nur ein halbes Jahr nach seiner Einführung lag der Marktanteil des Tolino bei 37 Prozent, gegenüber dem Kindle mit 43 Prozent.
Interview: Ina Kuegler
by LiSe | 1. Juli 2014 | Blog, Titelgeschichte
Das White-Ravens-Festival der Internationalen Jugendbibliothek wird am 19. Juli in der Blutenburg eröffnet. Dazu gibt es bayernweite Aktionen.
Am 19. Juli startet das White-Ravens-Festival für Internationale Kinder- und Jugendliteratur in München. Zum dritten Mal hat die Internationale Jugendbibliothek (IJB)in Obermenzing Autoren und Illustratoren aus dem In- und Ausland eingeladen. Sechs Tage lang werden sie von Schloss Blutenburg aus in München und bayernweit junge und jung gebliebene Leser entführen zu Workshops, Gesprächen, Lesungen und allerlei auch experimentelle gemeinsamen Aktionen rund um Kinder- und Jugendliteratur. Christiane Raabe, Direktorin der IJB, hat das Format entwickelt als Festival für hochwertige und besondere Literatur. Für dieses und andere Projekte hat sie im Mai die Bayerische Europamedaille von Europaministerin Beate Merk überreicht bekommen.
White Ravens wurde das Festival für Kinder- und Jugendliteratur 2010 im Haus getauft. Weiße Raben sind seltene Vögel, sie lassen aufmerken und staunen, manchmal beunruhigen sie vielleicht sogar, in jedem Fall aber stehen sie für den Reichtum an Möglichkeiten. Genau das will das Festival, das keineswegs nur in der idyllischen Umgebung von Schloss Blutenburg stattfindet, sondern bayernweit „on tour“ geht in Bibliotheken, Schulen, Kulturzentren und andere Bildungseinrichtungen. 16 Autoren und Illustratoren aus Deutschland, Finnland, Irland, Italien, Frankreich, Belgien, Österreich, England, Südafrika, Georgien, Tschechien, Kolumbien lesen und erzählen, auch in ihren Herkunftssprachen, über sich und ihre Arbeit.
Christiane Raabe hat Kunst, Malerei, Geschichte und Philosophie studiert und in mittelalterlicher Geschichte promoviert. Zur IJB kam sie 2007. Von Anfang ist es ihr hier ein Anliegen, die Bibliothek in den Dienst qualitativ hochwertiger Kinder- und Jugendliteratur zu stellen, kreative Räume zu gestalten für die Vermittlung von Literatur abseits globaler und damit glatt gebürsteter literarischer und ästhetischer Formate und Muster. Es gehe ihr nicht, stellt sie klar, um Leseförderung, nicht um Gebrauchsliteratur, nicht um Bestseller und Novitäten. Kinder- und Jugendliteratur versteht sie als ebenbürtigen Teil des Gesamtgebäudes Literatur. Aus dieser Sicht heraus geht es um den Respekt vor der kindlichen Welt und damit vor dem Kinderbuch, um die literarische Durchdringung von Jugend als einer Phase, die heute länger dauert und sich kaum mehr abgrenzen lässt vom Erwachsenenalter. Die Art der Narration und der Stilmittel unterscheidet sich zusehends weniger von Erwachsenenliteratur, All-Age-Titel wie „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ gewinnen an Bedeutung.
Wer später Proust lesen will, sollte im Blick haben, was er als Kind und Heranwachsender liest. Aus dieser Einsicht heraus wünscht Christiane Raabe sich, dass auch Eltern und Großeltern sich verabschieden vom Diktat „kindgerechter“ Literatur. Seltsame Bilder, ungewohnte Blickwinkel, eigenartige Erzählmuster, ungewöhnliche thematische und gestalterische Ansätze mögen zunächst verstören, dann aber auch an- und aufregen, wie „weiße Raben“ eben. Als Beispiel nennt die Bibliotheksleiterin den magischen Realismus, der in Deutschland keine Tradition hat, in Dänemark aber, neben Spanien und Südamerika und auch Japan, eine große Rolle spielt. Oft genug ist es derartige und vergleichbare Literatur, die hierzulande durchfällt und erst gar nicht erst übersetzt wird, besser: würde, denn genau diese Weiße-Raben -Literatur fördert die IJB mit allen Mitteln. Und das kann man durchaus wörtlich verstehen. Denn als Raabe zu Beginn ihrer Tätigkeit erfahren musste, dass gerade Heranwachsende bei den klassischen Lesungen immer mal wieder abzuschalten oder unangenehm aufzudrehen drohen, begann sie, mit weniger bewährten Mitteln der Vermittlung zu experimentieren. Aus diesem Grund pflegen Autoren in der IJB inzwischen nicht mehr nur vom Blatt zu lesen, sondern versuchen sich in Gesang und Tanz, Moderation und Blattgestaltung, Blog und Interview.
Das White-Ravens-Festival ist zwar klein und fein, vermag aber die Arbeit der IJB in ganz besonderer Weise zu bündeln und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Was im Hintergrund in der weltweit einzigartigen Bibliothek für die Entwicklung der Kinder- und Jugendliteratur gearbeitet, geforscht und nicht zuletzt sorgfältig gesammelt und archiviert wird, können die Münchner im reichhaltigen Jahresprogramm regelmäßig und fast täglich für sich und ihre Kinder entdecken. Einen besseren Einstieg als das Festival gibt es nicht. Es beginnt mit der Auftaktveranstaltung am Samstag, 19. Juli, geplant als Lesenacht für Jugendliche und junge Erwachsene, mit Musik, Café, Barbetrieb, gemeinsam mit acht Autoren, die auch in ihren Originalsprachen lesen und erzählen. Am Sonntag geht es weiter mit einem Lesefest mit sieben Kinderbuchautoren (u.a. Christine Nöstlinger und Axel Scheffler) und einem Fußballmatch der Autoren gegen Kinder und Jugendliche. Ein weiterer Höhepunkt ist der Auftritt von zwei Kinder-Lyrikern im Lyrik-Kabinett.
Das Gesamtprogramm unter www.ijb.de.
Ursula Sautmann
by LiSe | 1. Juni 2014 | Blog, Titelgeschichte
Die Villa Waldberta in Feldafing, das internationale Künstlerhaus der Stadt München, beherbergt Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt. Jährlich werden 30 bis 40 Gäste eingeladen und können hier bis zu drei Monate kostenlos wohnen und arbeiten. Gerade ist Südamerika zu Gast – drei Schriftsteller aus Haiti und vier Schauspieler aus Brasilien.
Die Lage des Hauses ist überwältigend. Der Blick schweift über den Starnberger See ans gegenüber liegende Ufer und bis zu den Alpen. Hier präsentiert sich Bayern aufs Prächtigste, und manch einer, der aus einer ganz anderen Ecke der Welt kommt, braucht erstmal eine Eingewöhnungszeit. Karin Sommer, die Leiterin der Villa Waldberta, ist sich aber sicher, dass die meisten Gäste schnell ihren Rhythmus finden und den Aufenthalt erfolgreich nutzen können. Seit seiner Entstehung 1901/02 gingen in dem stattlichen Haus Kosmopoliten und Künstler ein und aus. Diesen Geist wollte die letzte Besitzerin Bertha Koempel, die jedes Jahr in den Sommermonaten von New York nach Feldafing kam, wohl erhalten. 1965 gründete sie eine Stiftung und vermachte die Villa Waldberta inklusive Park der Landeshauptstadt mit der Auflage, das Anwesen als Baudenkmal zu erhalten. Doch erst seit 1982 existiert das Haus in seiner heutigen Form, strömt durch seine Räume ein ständiger Fluss von Künstlerinnen und Künstlern, wird internationale Kulturarbeit gefördert.
Bei der Vergabe der Stipendien lässt sich das Waldberta-Kuratorium von Experten beraten, von Institutionen wie dem Goethe-Institut, der Pasinger Fabrik oder aus der freien Szene. Doch eigentlich könnte jeder Bürger Vorschläge machen, sagt Karin Sommer. Einen Münchenbezug sollten sie haben und dem städtischen Kulturaustausch zugute kommen. Überzeugt das Projekt und lässt es sich mit anderen schwerpunktmäßig bündeln, werden die dafür geeigneten Künstler eingeladen. Schwerpunkte in diesem Jahr sind „Junge Kunst International“ und „Das Fremde und das Eigene“. Derzeit erarbeiten vier brasilianische Schauspieler ein zweisprachiges Theaterstück über die 1908 in München geborene Olga Benario, die in Brasilien als Revolutionärin Geschichte schrieb und 1942 von den Nazis im KZ ermordet wurde. Das Stück hat am 20. Juni in der Pasinger Fabrik seine Welturaufführung und soll auch noch in Rio de Janeiro gezeigt werden.
Die drei aus Haiti stammenden Gäste der Villa Waldberta wurden für das große Kulturprogramm „Kreyòl. Die Kultur des Widerstands in der Karibik“ eingeladen, ein von dem Künstler und Kurator Siegfried Kaden initiiertes Projekt. Ein sehr randständiges und nicht gerade München bezogenes Thema, will man meinen, aber Hilario Batista Félix macht in seinem Vortrag klar, dass die kreolische Kultur, in der meist unterprivilegierte schwarze Menschen beheimatet sind, zu den Erblasten des Kolonialismus gehört und also auch uns etwas angeht. Félix ist in Kuba geboren und setzt sich als Präsident der Vereinigung „Bannzil Kreyòl Kiba“ für die kreolische Sprache, Kultur und Tradition ein. Als absoluter Experte auf diesem Gebiet hat er in Europa noch nie darüber sprechen können. Er ist zum ersten Mal auf dieser Seite des Atlantiks, und Feldafing war für ihn ein Schock, vor allem, als mit dem Mai die Kälte kam. Mit seinem heiteren offenen Wesen verkörpert er das Lebensgefühl der Karibik, und das möchte er uns nahe bringen.
Der Lyriker, Romanautor und Bildende Künstler Anthony Phelps fühlt sich allein schon durch seine Familie, die von überall her aus Europa, Russland und Afrika stammt, als Nomade zwischen den Kulturen. 1928 in Port-au-Prince geboren, wurde er 1954 von der Duvalier-Diktatur ins kanadische Exil vertrieben. Reisen, unterwegs sein, gehört zu seiner Biografie, und als ihn im April der bayerische Frühling mit Sonne, Wärme und überschwänglicher Blütenpracht empfing, fühlte er sich beinahe in seine Heimat Haiti zurückgekehrt. Er war auch schon an anderen Orten als Stipendiat eingeladen, aber bei weitem am elegantesten ist die Villa Wald-
berta. Doch es ist, wie er sagt, nur ein Innehalten auf Zeit, in der er auf Dis-tanz zur Alltäglichkeit geht und den Vogelstimmen lauscht, die den Park mit ihrem Gesang erfüllen. Zur Zeit arbeitet er an einer Gedichtsammlung und lässt sich auch von der schönen Landschaft und der Natur um ihn herum inspirieren. Ins Münchner Kulturleben ist er bisher nicht eingetaucht, aber er war in Neuschwanstein und Andechs. Dass in einem Kloster Bier gebraut und ausgeschenkt wird, hat ihn amüsiert. Am 18. Juni wird er zum Thema „Exil. Als Nomade unterwegs zwischen Poesie und Prosa“ sprechen und aus seinem Werk vorlesen (Institut Français, Kaulbachstr. 13).
Louis Philippe Dalembert nutzt seine Zeit als Stipendiat in der Villa Waldberta vor allem, um seinen neuen Roman zu beenden. Auch ihm ist das Wandern zwischen den Welten nicht fremd, es ist geradezu eine Obsession, die sich durch sein Werk zieht. Platz und Handlung mögen sich ändern, sagt er, aber meine Personen sind geprägt von einer ständigen Spannung zwischen zwei Zeiten, der Kindheit und dem Erwachsenenalter, die für mich genauso Länder sind wie die geografischen. Jedes Mal wechselt die Perspektive, mit ihr ändern sich die Dinge und die Art, wie wir sie betrachten. Dalembert ist in vielen Ländern zuhause, spricht sieben Sprachen und lebt heute unter anderem in Paris und Port-au-Prince. Am 11. Juni hält er einen Vortrag über „Ein Vagabundenleben für die Literatur“ (Institut Français, Kaulbachstr. 13).
Katrina Behrend Lesch
Auf den Webseiten www.villa-waldberta.de und www.kreol-deutschland.com findet man noch weitere nützliche Informationen.
by LiSe | 1. Mai 2014 | Blog, Titelgeschichte
Die Autorenbuchhandlung wurde vor 40 Jahren von Schriftstellern gegründet – Habermas, Enzensberger und andere 68er-Größen waren in der Wilhelmstraße zu Gast
Die Modell-Buchhandlung im Herzen Altschwabings feiert ihren 40. Jahrestag gleichzeitig mit dem Rückzug ihrer Chef-Managerin Hilde Schiwek nach 25 Jahren – ein „neues Kapitel“, wie Fans und Inhaber-Autoren hoffen, kein Grund zur Resignation.
Wenn Hilde Schiwek, die „den Laden“ seit 25 Jahren mit Energie und Bravour geschmissen hat, vor der Fotowand mit all den berühmten Autoren, Literaten und Poeten steht und mit dem viel zu langsamen PC kämpft, kann man kaum glauben, dass es eine „ABC-Autorenbuchhandlung“ ohne sie geben kann – aber andererseits – nun ja, auch ein FC Bayern muss ohne Uli Hoeness, so ist das mit den „Seelen“ im Geschäftsleben, auch wenn sich Hilde Schiwek den Vergleich absolut und energisch verbitten würde. Die Alleingeschäftsführerin, die das Geschäft „aus Altersgründen“, wie es so böse heißt, verlässt, ist sicher, dass das Schlimmste im Buchverkauf überstanden ist. Die neue Welle von E-Book und Internet , Tablets und Smartphones, auf denen man Romane rauf- und runterladen kann, sieht sie gelassen auf ihren guten alten „Laden“ zurollen. Vor ein, zwei Jahren hatte sie sich noch Sorgen gemacht, aber seither gibt es einen Umschwung. „Die Menschen kommen jetzt wieder bewusster zu uns, wollen sich informieren, stöbern, schmökern. Und das können sie eben nur in einer gut sortierten Buchhandlung.“
Die Anfänge der „ABC-Autorenbuchhandlung“ liegen inzwischen ja legendenumwoben im Dunkel der Geschichte. Die Gründerväter und -mütter segelten auf der Selbstverwaltungswelle der 70er Jahre. Sie wollten wohl eine Buchhandlung auch für solche Autoren, die damals in den anderen Buchläden einfach nicht geführt wurden. Jeder bekam für einen Eintrittsscheck von 1000 DM als Mitglied die Garantie, dass seine Werke hier gelesen und gekauft werden konnten. Und er hatte ein Recht auf eine Lesung, was damals noch absolut unüblich war. Nicht der Massengeschmack der Bestsellerlisten sollte das Sortiment bestimmen, sondern die literarische Qualität – gefördert und gefordert von den 12 Gesellschafter-Autoren und Literaten, die das Anfangskapital von 20 000 DM im Herbst 1973 „hineingesteckt“ hatten und die ehemalige Kneipe umbauten zur Buchhandlung. Alles sollte sogar, Kapitalismus hin, Alternative her, verzinst werden, aber das hatte sich bald erledigt.
Die erste Geschäftsführerin Inge Poppe, heute mit Ehemann Paul Wühr am Trasimener See, organisierte unermüdlich Lesungen und Diskussionen. Der Geist der 70er Jahre, gesellschaftskritisch und wortkühn, versammelte sich in den etwa 50 Quadratmetern auf drei Dutzend Klappstühlen. Martin Gregor-Dellin, Jürgen Kolbe, Michael Krüger, Tankred Dorst und einige andere steckten ihre Spargroschen in das Unternehmen Wilhelmstraße 41, einen Katzensprung vom ehrwürdigen Max-Gymnasium entfernt. Nach den Lesungen ging es gegenüber in der Pschorr-Gaststätte noch weiter, die Diskussionen mit Enzensberger, Habermas und anderen 68er-Größen überzogen bei Zigarrenqualm und Alkohol die Sperrstunde bei weitem.
Auch für Hilde Schiwek waren später, ab 1989, die Lesungen ein Höhepunkt. „Toni Morrison zum Beispiel, eine Woche bevor sie den Nobelpreis bekam, oder der junge Paul Auster. Herta Müller las hier kurz nach dem Sturz von Ceaucescu, als sie noch kaum jemand kannte.“ Doch seitdem sich das Literaturhaus am Salvatorplatz, ausgestattet mit einem Jahresetat von 400.000 Euro, vor mehr als zehn Jahren etablierte, hat es die „wirklich interessanten“ Autoren weggezogen. Dabei musste die Geschäftsführerin ja nicht nur die aktuellen Neuerscheinungen aus Deutschland und – mindestens – den USA, England und Frankreich in deutscher Übersetzung kennen, sondern auch noch den Umgang mit den empfindsamen Damen und Herren Gesellschaftern pflegen. So war etwa vor zwei Jahren die Aufstockung des Kapitals auf 62.000 Euro erforderlich. „Das sind nun nicht unbedingt meine schönsten Erinnerungen“, meint Hilde Schiwek mit einem feinen Lächeln, das den Stolz des Erreichten zeigt, aber auch die Erleichterung, „endlich ein Buch mit Genuss“ und nicht immer mit der „Schere im Kopf“ lesen zu müssen, die da heißt „Kundenwunsch“. Und: qualifizierte Kundenberatung. Das ging durchaus so weit, dass Schiwek
einen Kunden bei einer Buchbestellung entsetzt ansehen und „das ist aber nichts für Sie“ murmeln konnte. Von den Mitgliedern und Gesellschaftern mischt sich schon längst keiner mehr in die Tagesgeschäfte ein.
Braucht die Autorenbuchhandlung, um zu überleben, in Zukunft neue Impulse, Schwerpunkte, Kaffeeservice, Spezialwochen? Nein, alles Schnickschnack! Für Schiwek ist das Entscheidende: Kompetenz, Freundlichkeit und ein Mensch, der diese Buchhandlung zu seinem Projekt macht. Die Nachfolgerin, Bärbel Kempf-Luley wird das schaffen, und zur Not, Augenzwinkern, hat sie ja auch noch die Autoren im Boot.
Wolfram Hirche