Von Ursula Sautmann

Fifi lebt in einem Hochhaus mit vielen Fenstern. Hinter diesen Fenstern leben viele unbekannte Menschen, und sie sehen traurig aus. Da muss sie etwas machen, findet Fifi, und sammelt, was Menschen wegwerfen oder einfach stehen lassen: Spülmaschine, Gießkanne, Leiter, Wäscheleine, Regenschirm, Stuhl und vieles mehr. Fifi baut die Dinge aufeinander, ineinander und nebeneinander, das Gebilde, die Maschine, wird größer und größer. Neugierig schauen die Mitbewohner*innen und denken bei sich, was soll das werden. Fifi spürt, jetzt braucht die Maschine Hilfe, sie lädt zum Fest, und die Menschen beginnen zu spielen, zu reden und zu lachen – nicht nur die Maschine erwacht zum Leben. „I think we’ve got it working“ („Ich denke, es läuft“), sagt ihr Vater. „Can we invent something new? Together?“ („Können wir was Neues erfinden? Gemeinsam?“), will Fifi wissen.

„The Invention“, das englischsprachige Bilderbuch von Julia Hubery und James Munro, empfängt uns gleich am Eingang zur Ausstellung „Crazy Machines!? Fahrzeuge, Roboter und andere geniale Erfindungen“ in der Internationalen Jugendbibliothek (IJB) im Schloss Blutenburg in München. Sogleich gilt: Der Begriff „Maschine“ ist ohne den Zusatz „crazy“ hier nicht zu denken. Es gibt die Schokolinsensortiermaschine, die Elternfernbedienung, den Pfützenautomaten, den Wolkenspender, die Kackwurstfabrik (mit umfassender und reich bebildeter Aufklärung über den Verdauungsapparat) und die Zusammenbringmaschine (s.o.), die glücklich macht – sollte es sie noch nicht geben, sie müsste umgehend erfunden werden. In dieser Ausstellung locken Maschinen in phantastische Universen, sie helfen bei unangenehmen Aufgaben und bieten Lösungen, die Verstand und Fantasie voraus- und freisetzen. Michael Faltermaier, Hausmeister in der IJB, macht vor, dass jeder auch selber eine Maschine bauen kann: Sie steht prominent im Ausstellungsraum die Treppe hoch und heißt STEILA (Steampunk Seil Apparat), Jung und Alt können sie bedienen und „Das Crazy“, Jugendwort des Jahres 2025, freilegen. 50 Meter Seil sind hier verbaut.

Die Ausstellung umfasst vier Teile und beginnt links mit Alltagsmaschinen wie den Spaghettiaufwickler. Natürlich dürfen fantastische Fahrzeuge nicht fehlen, sie sind auf der rechten Seite zu finden, der Turm in der Mitte ist Erfindern, besonders Erfinderinnen, gewidmet, und im kleinen Nebenraum endlich haben sich Roboter und KI-Modelle versammelt. Die internationale Kinder- und Jugendliteratur ist voll von einfallsreichen Erfindungen, das beweist die Ausstellung, die von Cludia Söffner gemeinsam mit den Kolleg*innen aus den Abteilungen der IJB zusammengestellt wurde. Ihr Ziel, Kindern und ihren Eltern Freude zu bereiten und Lust zu machen auf eigene Erfindungen, erreicht die Ausstellung mühelos. Die Gedanken beginnen zu schweifen und nehmen die Idee eines Jungen auf, der in einer Geschichte einen Roboter für ein anderes Ich bauen möchte. Am Ende trifft ihn die Mutter und fragt besorgt: Wer bist DU denn? Ja, wer bin ICH denn?

Die Ausstellung ist geeignet für Kinder und Heranwachsende etwa ab vier/fünf bis 13 Jahren. Für alle Altersgruppen gibt es Möglichkeiten, aktiv zu werden. Da ist zunächst die Bücherkiste mit herausragenden Bilder- und Sachbüchern zum Thema. Am Tablet können sieben Bücher aus der Ausstellung dreidimensional animiert aufgerufen werden, die App wurde in Kooperation mit Student*innen des Tecnológico de Monterrey in Mexiko entwickelt. Papier in Großformat steht zur Verfügung für eigene Ideen, und ganz hinten lässt sich erkunden, wie eine kleine Maschine einst das schnelle und leserliche Schreiben möglich machte. Die alte Schreibmaschine, erzählt die Kuratorin, erfreut sich bei allen größter Beliebtheit – wer weiß denn noch, wie man den Bogen Papier überhaupt einspannt?

Die Ausstellung „Crazy Machines!?“ in der Schatzkammer der IJB ist noch bis zum 31. Oktober 2026 zu sehen.

Die Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag zehn bis 16 Uhr, Samstag/Sonntag 14 bis 17 Uhr. Die IJB lädt zum Besuch ein in ihrer Kinderbibliothek, ihrem Lesesaal, in die Ausstellungen und ins Binette-Schroeder-Kabinett sowie ins Michael-Ende-Museum (die Öffnungszeiten variieren).

Der Eintritt für Ausstellungen und Museen beträgt 3,- Euro. Für unter 18-Jährige ist der Eintritt frei. Zur Ausstellung werden Workshops für Schulklassen angeboten (www.ijb.de).