„ich wär’ so gerne Millionär. Dann wär’ mein Konto niemals leer …“,

… haben schon 1991 Die Prinzen gesungen. Da gab es Günther Jauch noch nicht, der in schöner Regelmäßigkeit Otto Normalwisser dazu einlädt, in seiner Show genau diese Million einzuspielen. Spezielles Allgemeinwissen wäre neben einem kompetenten Telefonjoker und etwas Glück eine notwendige Voraussetzung. Eine andere Option, mit deutlich mehr Wartezeit verbunden, ist der Gewinn des Literaturnobelpreises. Denn die 11 Millionen Schwedischer  Kronen, die das noble Komitee spendiert, entsprechen rund 1 Million Euro.

Wer nicht auf ein preiswürdiges literarisches Lebenswerk zurückblicken und keinen 500-Seiten-Roman in einem einzigen Bandwurm-Satz entwickeln kann (wie der letzte Preisträger László Krasznahorkai aus Ungarn), der hat noch eine Alternative – vorausgesetzt, er oder sie ist des Spanischen mächtig (am besten auf muttersprachlichem Niveau): Der Flughafenbetreiber Aena hat im Land von Cervantes, Marías und Zafón (die leider nicht mehr in den Genuss kommen können) einen mit 1 Million Euro dotierten Literaturpreis vergeben. Ein echter Wumms!

Ich frage mich, warum nicht die Lufthansa oder besser die Deutsche Bahn auf eine ähnliche Idee kommen, um ihr Image aufzupolieren. Schließlich lässt es sich im ICE nicht nur wunderbar lesen, sondern auch in aller Ruhe schreiben. Die Bahn könnte ihren eigenen Preisträger von Seite 1 bis zum Happy End ans Ziel bringen. Bei der durchschnittlichen Verspätung schafft es der reisende Poet, einen 500-Seiten-Roman auf der Strecke München – Berlin fertigzustellen. Optional könnte der Preis in zirka 15.000 Deutschland-Tickets ausbezahlt werden.

Zurück nach Spanien: Der Primo Aena ging an die argentinische Autorin Samanta Schweblin für ihren Erzählband „Das gute Übel“, ein dem Horror-Genre nahestehendes Werk. Ist da etwa ein Trend auszumachen? Hatte nicht Barbi Marković für ihren „Minihorror“ 2024 den Preis der Leipziger Buchmesse bekommen?

Die Auszeichnung sticht nicht nur wegen Preisgeld und Genre heraus, sondern auch, weil die Kurzform der Erzählung ausgezeichnet wurde. Diese – so die Autorin – könne unsere fragmentierte Wirklichkeit, die Brüchigkeit des Lebens noch am ehesten abbilden. Wer also nicht länger auf das große sinnstiftende Narrativ warten will, darf sich gern mit literarischen Häppchen begnügen, die genauso viel Genuss versprechen. Das beweist auch der Verlag „Das Gramm“, der nur 1 Kurzgeschichte pro Monat in schmalen Heftchen herausgibt. Trotz des beträchtlichen literarischen Gewichts kommen sie federleicht daher und eignen sich ideal fürs Reisegepäck – eine Idee, die vielleicht nicht 1 Million Euro, aber auf jeden Fall Gold wert ist.

Markus Czeslik