Abschiede und Aufbrüche

Marcus Tullius Cicero war der Ansicht, dass „wenn du einen Garten und eine Bibliothek hast, es dir an nichts fehlen wird“. Für Horst Oberbeil, Autor, Mitstreiter und langjähriger Akteur im Münchner Literaturbüro sowie im Freien Deutschen Autorenverband, kann man den Garten gewiss streichen – ihm reichte die Bibliothek, die Welt der Bücher, der Literatur, des Geistes. 13 Bücher verfasste er, bevorzugt Gedichtbände, aber auch einen Erzählband sowie einen Roman in Episoden, in denen er seinen Blick auf die Welt, sein Leben und Denken festhielt. Es sind Texte voller Empathie für die Brüche und Abschiede, die das Leben mit sich bringt, und die Sehnsüchte und Aufbrüche, die dem Menschen Hoffnung und Zuversicht geben. „Mein Herz / hör auf zu schlagen und /
bring mich in den Himmel / wenn noch Platz da ist“, diktierte er wenige Tage vor seinem Tod, da er zum
Schreiben bereits zu schwach war. Und so, mit einem Augenzwinkern, trat Horst Oberbeil am 14. Juli 2026 dem Himmel entgegen.   Red

Rückschau

Nachts lausch ich verklungenen Liedern
flieg ich ins All
sehe Tote auferstehn und
verlieb mich in Lolita

Nachts werd ich von Ängsten gejagt
quälen mich Abschiedsbriefe
stürz ich ins Leere

Tags spring ich auf abgefahrene Züge und weine verstaubten Küssen nach

Hinter mir verhungerte Jahre
vor mir verschütteter Wein

So wart ich auf vergangene Stunden
bis mich die Zeit totschweigt

Horst Oberbeil