Termin: Dienstag, 1. Dezember 2026, 19.00 Uhr
Referentin: Prof. Dr. Eva-Maria Auch (Berlin)
Ort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München
In diesem Sommer und Herbst jährt sich die Deportation der deutschstämmigen Bevölkerung aus den kaukasischen Unionsrepubliken der ehemaligen UdSSR nach Zentralasien und Sibirien zum 85. Mal. Während man die Wolgadeutschen noch die Kornernte einbringen ließ, leitete die Weintraubenernte in Südkaukasien im Oktober 1941 ein schreckliches Finale ein: Mit der Zwangsumsiedlung von rund 50.000 Deutschstämmigen, vor allem aus Georgien und Aserbaidschan, endete eine über 120-jährige Siedlungsgeschichte schmerzlich.
Not und religiöser Eifer hatten 1816/17 mehr als 1.200 Familien, überwiegend aus dem Schwäbischen, zur Auswanderung ins Russische Reich bewegt; etwa 500 Familien fanden zwischen Tiflis (Tbilisi) und Elizavetpol (Gäncä) eine neue Heimat. Ihre Verdienste als Weinbauern, Käser und Wagenbauer sowie im Schulwesen und in der Selbstverwaltung werden bis heute geschätzt. Als relativ kleine Siedlergruppe mit etwa 20.000 ehemaligen Kolonisten (1917) und als städtische Gemeinden in Tiflis, Gäncä und Baku waren sie Teil des deutschen Wirkens im Russischen Imperium und in der Sowjetunion und prägten die deutsch kaukasischen Beziehungen.
Die Geschichte dieser Gemeinschaften und das erhaltene kulturelle Erbe stehen im Mittelpunkt des Vortrags.
