by LiSe | 30. Nov. 2016 | Blog, Vermischtes
Ein Meilenstein für das kulturelle Leben der Stadt München ist geschafft: Die Monacensia im Hildebrandhaus (Maria-Theresia-Str. 23) öffnet ab Freitag, 9. Dezember, wieder ihre Tore. Nach der denkmalgerechten Sanierung der Künstlervilla des Bildhauers Adolf von Hildebrand kann das literarische Gedächtnis der Stadt München nun wieder besucht werden. Es gibt u.a. neue Bibliotheks- und Leseräume, eine Dauerausstellung zum „Literarischen München zur Zeit von Thomas Mann“ und das Café MON. Zur Eröffnung finden folgende Veranstaltungen (bei freiem Eintritt) statt. (mehr …)
by LiSe | 30. Nov. 2016 | Blog, Kurzgeschichte
Manchmal sehe ich es, und dann wieder nicht. Ich komme nicht dahinter, wie es das macht, und wozu, und vor allem verstehe ich nicht, warum es unsichtbar wird. Ich vermute, es will sich meiner Kontrolle entziehen.
Erst dachte ich: Naja, ein Hund. Hunde gibt es auch hier viele, und manche sind sogar ganz nett. Das Problem ist, dass man sie kaum wieder los wird, vor allem die netten, die die wirklich nur spielen wollen; eifrigst irgendwelche Stöckchen immer und immer wieder zurückbringen wollen. Eine Weile mag das ganz schön sein, aber irgendwann wird es lästig. Und dann ist der Hund erst mal da. Dann bleibt er einfach. Will immer da sein, wo ich bin. Folgt mir auf Schritt und Tritt. Keine Chance mehr, einfach mal nur für mich zu sein. (mehr …)
by LiSe | 30. Nov. 2016 | Blog, Rezension & Buchempfehlungen
Autobiografie und Kulturdiagnose
Lange ist es für mich nur ein Name gewesen.“ So beginnt der französische Intellektuelle und Soziologe Didier Eribon seine autobiografische „Rückkehr nach Reims“, den Gang zurück in sein proletarisches Herkunftsmilieu, holt er die vergessene, die verdrängte Zeit seiner Kindheit und Jugend wieder ins Gedächtnis zurück. Man liest nach, wie es zum Aufstieg des Front National kam, wie das französische Proletariat vom Kommunismus zu Nationalismus, Europafeindschaft, Hass auf Islam und Fremde überlief. Festgemacht hat Didier Eribon das an seinem eigenen Grundkonflikt: wie er einerseits sich als Arbeiterkind den Marx’schen Theorien verpflichtet fühlte, gleichzeitig als Homosexueller in diesem Milieu Gewalt und Ausgrenzung erlebte, wie er andererseits sich ins eigentlich verachtete Bürgertum hocharbeitete, auch dank homosexueller Kontakte, dennoch Ablehnung verspürt. Brexit und Trump-Wahl machen den Bestseller in und aus Frankreich aktueller denn je und für jeden bewussten Europäer ein Must.
Katrina Behrend Lesch
Didier Eribon
Rückkehr nach Reims
Aus dem Französischen von Tobias Haberkorn
Autobiografie, 240 Seiten
Suhrkamp, Berlin 2016
18 Euro
Eine Frage der Ethik
Der zugrundeliegende Handlungsstrang lässt sich in wenigen Sätzen beschreiben: Ein Neurochirurg – Mitte dreißig, weiß, wohlhabend – überfährt mit seinem SUV nach einer Nachtschicht einen farbigen Einwanderer. Als Arzt kann er erkennen, dass sein Opfer ohnehin sterben wird, er überlässt ihn seinem Schicksal und begeht Fahrerflucht, um seine Karriere und Familie nicht zu gefährden. Am nächsten Tag steht die Frau des Getöteten vor seiner Tür und will ihn erpressen: Sie will kein Geld, sondern seine ärztliche Unterstützung in Form von nächtlichen Operationen in einem illegalen Flüchtlingskrankenhaus. Diese Konstellation wird den Chirurgen vollkommen aus der Bahn werfen: Er verliert sich in Lügengespinste, wird sukzessive alle moralischen Bedenken abbauen, aber auch Leben retten, Begehrlichkeiten schaffen und seine Grundeinstellungen zu Recht und Gesetz mehrfach umstellen. Ein großartiger Roman der 34-jährigen israelischen Autorin und Psychologin Ayelet Gundar-Goshen über die Frage: Wie hätte ich entschieden.
Michael Berwanger
Ayelet Gundar-Goshen
Löwen wecken
Aus dem Hebräischen von Ruth Achlama
Roman, 432 Seiten
Kein und Aber Pocket
Zürich 2016, 13 Euro
Das sagen, was gesagt werden muss
Der Held des Buchs, ein freier Philosoph, kommt durch günstige Umstände an ein Mietshaus in München-Schwabing und gedenkt, dort eingezogen, das zu tun, was er schon immer tun wollte, nämlich Nichts. Sozusagen Montaignes Turm, mit Musik von Jean Sibelius. Das wird nicht gelingen, denkt der gewiefte Leser, und behält recht. Hier nur einige wenige der Zumutungen: liebestolle Latein- und Griechischlehrerinnen, Grünwalder Immo-Haie, deren geldgierige Gattinnen und deren ähnlich geartete Nichten, penetrante, auf Derivate spezialisierte Anlageberater, der Sender BR-Klassik, dessen Sprecherstimmen aus der Unterwelt kommen, kreative Bestattungsunternehmer mit unsäglichen Tischmanieren. Solche Dinge ärgern uns alle, und Michael Krüger nennt sie endlich beim Namen. Die vielleicht komischste Geschichte ist die eines Lyrikers und seiner rasenden Verehrerin. Tja – wem die stade Zeit zu stad werden könnte, dem lege man das „Irrenhaus“ auf den Gabentisch.
Hellmuth Lang
Michael Krüger
„Das Irrenhaus“
Roman, 192 Seiten
Haymon-Verlag
Innsbruck, 2016
19,90 Euro
Humorvoll und ergreifend
John-Irving-Fans werden auch an die-sem 14. Roman wieder ihre Freude haben – sie werden immer wieder Paral-lelen zu früheren Romanen erkennen. Außenseiter und vermeintlich gescheiterte Lebensläufe, Jesuiten, Religion, Zirkus, Wunder, Todesahnungen. Absurdes Theater. Der Held, Juan Diego, Bestseller-Schriftsteller, aufgewachsen mit seiner Schwester Lupe – die Gedankenlesen und in die Herzen der Menschen sehen kann, deren Sprache aber nur er versteht – als Waisenkinder auf einer Müllkippe in Mexiko, reist zum Jahreswechsel 2010/2011 durch die Philippinen. Todesahnungen und Liebschaften begleiten Juan Diego. Dies ist der eine Strang der Erzählung. Der zweite Strang, mit dem ersten verbunden, erzählt in Rückblenden die Geschichte der Kinder. Vielleicht ist der Roman auch deshalb so spannend, humorvoll und teilweise auch ergreifend, weil das Schicksal Juan Diegos eng mit der Biographie John Irvings verbunden sein könnte, wie der Autor in einem seiner Interviews angedeutet hat. Ein „wunderbares“ Buch!
BEPPO ROHRHOFER
John Irving
Straße der Wunder
Aus dem Amerikanischen von Hans M. Herzog
Roman, 776 Seiten
Diogenes Verlag
Zürich 2016, 26 Euro
by LiSe | 30. Nov. 2016 | Blog, Vermischtes
Den diesjährigen Tukan-Preis der Stadt München erhält der Schriftsteller Björn Bicker für sein Buch „Was glaubt ihr denn. Urban Prayers“ (Verlag Antje Kunstmann). Der mit 6.000 Euro dotierte Tukan-Preis zeichnet alljährlich eine sprachlich, formal und inhaltlich herausragende literarische Neuerscheinung aus. In die Auswahl kommen alle belletristischen Veröffentlichungen von Münchner Autorinnen und Autoren. „Was glaubt ihr denn“ ist ein überzeugendes Buch zu dem wohl wichtigsten Thema unserer Zeit: der Auseinandersetzung mit Religionsgemeinschaften und den von ihren Mitgliedern gelebten Wertvorstellungen in einer sogenannten „postsäkularen Gesellschaft“. Björn Bicker, geboren 1972, arbeitete als Dramaturg am Wiener Burgtheater und an den Münchner Kammerspielen, entwickelte als Künstler theatrale Stadtprojekte, zuletzt im Auftrag des Goethe-Instituts zur Architektur-Biennale Venedig 2016. Er schrieb Prosa, Theaterstücke, Hörspiele, Essays und den Roman „Was wir erben“. Die Preisverleihung findet am Montag, 5. Dezember (19:00 Uhr) im Literaturhaus statt. Die Laudatio hält Alex Rühle. Musik: Wiebke Puls und Ivica Vukelic. mit Songs von Leonard Cohen.
red
by LiSe | 28. Nov. 2016 | Blog
Auch 2017 vergibt die Stadt München wieder zwei mit jeweils 6.000 Euro dotierte Arbeitsstipendien für Münchner Autorinnen und Autoren, die sich mit ihrem Werk bereits literarisch ausgewiesen haben und im Literaturbetrieb in Erscheinung getreten sind: durch Veröffentlichungen in Verlagen, Lesungen, Auszeichnungen oder Rezensionen. Die Bewerbungen sind bis 15. Februar (Datum des Poststempels) beim Kulturreferat einzureichen: Abteilung 1, Arbeitsstipendien Literatur, Burgstraße 4, 80331 München.
Vorrangig berücksichtigt werden Prosaprojekte aller Genres (Romane, Erzählungen, Romanbiographien, literarische Essays), es werden aber auch anspruchsvolle Lyrikprojekte in die Auswahl einbezogen. Über die Vergabe entscheidet der Stadtrat der Landeshauptstadt München auf Empfehlung einer Jury.
Ausführliche Informationen zur Ausschreibung gibt es im Internet unter www.muenchen.de/kulturausschreibungen.
Quelle: Rathaus Umschau 226 / 2016, veröffentlicht am 28.11.2016
by LiSe | 5. Nov. 2016 | Blog, Vermischtes
Zum 7. Mal lädt das Literaturfest München von Donnerstag, 10. November, bis Sonntag, 27. November, mit der Bücherschau, dem forum:autoren und dem Festprogramm des Literaturhauses zum literarischen Herbst: Rund 100 Autorinnen und Autoren sowie Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt sind beim Literaturfest München zu Gast und am Programm mit szenischen und musikalischen Lesungen, Diskussionen, Symposien, Konzerten und Ausstellungen beteiligt.
Rund 20.000 Neuerscheinungen für Erwachsene, Kinder und Jugendliche werden bei der 57. Bücherschau im Gasteig, Rosenheimer Straße 5, präsentiert. Autorinnen und Autoren aller Sparten stellen ihre Werke vor, und im Spiel- und Aktionsprogramm für Kinder und Jugendliche gibt es unter anderem Mitmach-Aktionen, eine Buchwerkstatt und eine Vorleseaktion. Das forum:autoren wird von der Schriftstellerin und Spiegel-Autorin Elke Schmitter kuratiert und steht unter dem Motto „ein wort gibt das andere“. Es erkundet mit internationalen Gästen aus Literatur, Musik, Theater, Wissenschaft und Publizistik Möglichkeiten und Grenzen der Sprache. (mehr …)
by LiSe | 3. Nov. 2016 | Blog, Titelgeschichte
Etwa 100 Autoren aus aller Welt lesen und diskutieren in München, darunter Herta Müller und Swetlana Alexijewitsch
Vom 10. bis 27. November findet, bereits zum siebten Mal, Münchens literarisches Highlight, das Literaturfest statt. Auch dieses Jahr kommen wieder rund hundert Autorinnen und Autoren aus aller Welt, um aus ihren neuen Büchern zu lesen, sich Fragen des Publikums zu stellen und miteinander zu diskutieren. Darunter sind der amerikanische Bestseller-Autor Justin Cronin, die Büchner-Preisträgerin Sibylle Lewitscharoff, die Friedenspreisträgerin des Deutschen Buchhandels Carolin Emcke, der Prix-Goncourt-Preisträger Mathias Énard, der griechische Schriftsteller Petros Markaris, die Kinderbuch-Autorin Cornelia Funke sowie Katja Lange-Müller, Hanns-Josef Ortheil und viele andere. (mehr …)
by LiSe | 3. Nov. 2016 | Blog, Kolumne
Asche geht eigentlich immer. Im Kontext mit Dichtern oder Songwritern aber ganz besonders, denn ihre „Konnotation“, wie das so schön heißt zu Trauer, Buße, Ende, Tod beflügelt die Poesie. Neben Liebe und Liebesschmerz gibt es, im Winde klirren die Fahnen, kein Thema, das häufiger anklingt, oder wie Heine trefflich singt „Ach das Ende ist so trübe/Nach der holden Liebesnot/kommen Nöte ohne Liebe/Nach dem Leben kommt der Tod.“ (mehr …)