[LiSe 01/25] Kurzgeschichte: Die Witwe Erna Masuch

Von Ulrich Braun

Lötzen, 10. November 1938 – Dem Menschenauflauf am Markt würde Günter ausweichen. Sein Schulweg sollte deshalb durch die Boyenstraße führen, wo sich kalter Rauch aus den Grundmauern der Synagoge kräuselte. Ein Schutzmann hielt Brandwache und ein Fahrrad lehnte am schmiedeeisernen Zaun. Zwei Frauen steckten die Köpfe zusammen. In dieser Minute suchte der Fotograf der Lötzener Zeitung die richtige Position für seine Kamera. (mehr …)

[LiSe 01/25] Rezension: Paternoster

Ein verwegener „Pseudo-Thriller“ aus München

Von Michael Berwanger

Es macht Spaß, zwischen all den Selbstbefindlichkeiten und Nabelschauen der deutschen Gegenwartsliteratur einmal einen versponnenen Roman zu lesen, der mit Realitätssinn wenig zu tun hat. Schon die Genre-Bezeichnung „Pseudo-Thriller“ kann einen neugierig machen. Der Roman „Umlaufaufzug“ von Reiner Jansen ist Krimi, Fantasy, Weltbetrachtung und Gesellschaftskritik zugleich. (mehr …)

[LiSe 01/25] Solidarität: Literarische Woche gegen Antisemitismus

Sieben Münchner Literatur- und Bildungsinstitutionen setzen mit der „Literarischen Woche gegen Antisemitismus“ im Januar 2025 ein Zeichen der Solidarität mit den Jüdinnen und Juden der Stadt und ganz Deutschlands.
Angst ist für viele jüdische Bürger*innen dieses Landes seit dem Überfall der Hamas am 7. Oktober 2023 wieder ein konkretes Lebensgefühl geworden. (mehr …)

[LiSe 12/24] buchkunst – Künstlerbücher – eine außergewöhnliche Nische des Buchmarktes

Von Michael Berwanger

Kunstbücher? NEIN! Künstlerbücher. Leicht verschmitzt lächelt Dr. Lilian Landes, Kunsthistorikerin und Kuratorin der Abteilung Künstlerbücher an der Bayerischen Staatsbibliothek. Das sei das gängige Missverständnis: Kunstbücher vermitteln Wissen über Kunst, ein Künstlerbuch ist das Kunstwerk selbst. Eine Definition für den Begriff Künstlerbücher sei schwierig, meint sie. Eine Variante laute: „Wenn der Künstler sagt, dass es ein Künstlerbuch ist, dann ist es ein Künstlerbuch“. Lilian Landes bevorzugt aber die Definition: „Wenn ich ein Buch in der Hand habe, das sich mir nicht erklärt, das mich nicht an der Hand nimmt, das mir kein Wissen vermittelt und das erst mal Fragezeichen hinterlässt – dann ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich groß, dass es ein Künstlerbuch ist.“ Anders formuliert: Ein Künstlerbuch ist Kunst zwischen zwei (Buch-)Deckeln; das Buch ist das Kunstwerk. Und auch hier ist die Frage, was Kunst sei, nicht zu fassen. (mehr …)

[LiSe 12/24] Kolumne: Jenny und Max und wir

Unsere Hoffnung liegt erstens klar auf der Kinderliteratur – weil …, naja …, unsere Kinder unsere Zukunft sind, wie man so schön sagt, und wenn die, also unsere Kinder, schlaue Bücher lesen, dann lässt sich vielleicht noch was retten –, und zweitens, zweitens liegt unsere Hoffnung natürlich und vor allem auf dem bemerkenswerten, voll- wie wirrhaarigen Winzling Kalle, König der Erdmännchen (und -frauchen), genannt auch, ba-dam!: „Kleiner König Kalle Wirsch“. (mehr …)

[LiSe 12/24] Lyrikpreis München 2024

Auszeichnung für Steffen Popp

Der Lyrikpreis München, der seit 2010 verliehen und seit 2021 vom APHAIA Verlag zusammen mit dem Signaturen Magazin vergeben wird, stand in diesem Jahr unter dem Thema: Die eine rettet die Welt, die andere bewegt sie. Was haben Poesie und Technik sich heute zu sagen?

Der Hauptpreis geht in diesem Jahr an den Lyriker, Essayist und Romancier Steffen Popp. Der 1978 in Greifswald geborene Schriftsteller überzeugte die Jury mit seinem Wettbewerbsbeitrag „Sieben Stufen Nacht“. (mehr …)

[LiSe 12/24] Gedenktafeln der Literaten – Teil IV

Armer „grüner Heinrich“
Gottfried Kellers kurzer München-Aufenthalt verewigt auf einer Gedenktafel in der Neuhauser Straße

Von Markus Czeslik

Im Jahr 1840 hatte München mal wieder die Seuche – der Typhus wütete in der Stadt. In der Neuhauser Straße 35, gegenüber der Bürgersaalkirche, wälzte sich der 21-jährige Gottfried Keller in seinem Bett und rang mit seinem Leben. Dass er es behielt, hatte er wohl letztlich dem Umstand zu verdanken, nicht in ein Hospital eingewiesen worden zu sein. Denn dort starb es sich noch leichter. (mehr …)