[LiSe 02/24] Rezension: Der mit den Gänsen spricht

Ilona Jergers Roman über den Verhaltensforscher Konrad Lorenz

Von Stefanie Bürgers

Weißer Haarschopf im See inmitten von Graugänsen, ein vertrautes, sympathisches Bild: Konrad Lorenz, österreichischer Humanmediziner, Zoologe und Verhaltensforscher, der bei Wien mit Graugänsen lebte, ihre Laute nachahmte und Gras mit dem Mund zupfte. Bereits in den frühen 1930er Jahren beschrieb er – durch empirische Beobachtung belegt –, dass ein Gänseküken das erste Lebewesen, das es nach dem Schlüpfen erblickt, als Mutter annimmt. So kam es, dass die Mutterrolle bei seinem ersten Beobachtungsobjekt – von Lorenz Martina genannt – zwangsläufig auf ihn fiel. Alle späteren Versuche, die Prägung zu ändern, schlugen fehl. Martina folgte Lorenz Tag und Nacht – bis ins Schlafzimmer, wo sie nachts von ihm eine Heizdecke bekam. (mehr …)

[LiSe 01/24] Wenn die Macht nach Büchern schielt

„Verbotene Bücher. Moral. Politik. Religion.“, eine Ausstellung zum Thema „Zensur“ im Literaturhaus München

Von Katrin Diehl

Irgendwo ist immer Zensur. Das ist die schlechte Nachricht. Die gute ist: Zensur ist kein sehr stabiles Konstrukt, sie kann sich selten als Siegerin fühlen und ein gutes Image hat sie auch nicht gerade. Was zur Folge hat, dass es offiziell weder in China noch in Russland, noch in der Türkei, noch in Katar … Zensur gibt. (mehr …)

[LiSe 01/24] Kolumne: Der Große Kultursonntag

Kennen Sie den Unterschied zwischen Milch und Vollmilch? Nein? Also: Vollmilch – das klingt doch schon wesentlich bedeutender als nur Milch, oder? Dabei ist es genau umgekehrt. Bei Vollmilch wird – wie es im Amtsdeutsch heißt – „der Fettgehalt in der Molkerei eingestellt“ – bei 3,5 %. Milch – also die „nur“-Milch – hat aber einen höheren Fettgehalt. Ein klassisches Beispiel für Bezeichnungen, die einen Mehrwert suggerieren wollen, wo gar keiner ist. Derer gibt es viele: Miserable Leistungen nennt man „suboptimal“, süße Joghurt-Pampe „ist so wertvoll wie ein kleines Steak“ (wobei die Frage wäre, was an einem Steak wertvoll sein soll), Schokoriegel für Kinder haben eine „Extraportion Milch“. (mehr …)

[LiSe 01/24] Lyrische Kostprobe: Nächte, wie diese …

Hermann Gfaller wurde 1957 in Traunstein geboren und hat das Schreiben von Gedichten als Mittel entdeckt, um sich über sich und die Welt klar zu werden. Je nach Phase entstanden so Jammertexte, Gesellschaftskritik, Liebesgedichte und alles dazwischen. Er hat als Journalist in den Gebieten Informationswirtschaft und Kunst gearbeitet, malt, schreibt und fotografiert. (mehr …)

[LiSe 01/24] Neue Serie: Unabhängige Verlage – Mit den Augen der anderen

Independents im Porträt

Von Markus Czeslik

Mit dieser Ausgabe starten wir in den LiteraturSeiten München eine neue Serie, mit der wir Menschen eine Bühne geben, die die hiesige Literaturlandschaft um so vieles reicher machen. Wir porträtieren eine Auswahl unabhängiger Verlage, die mit einer großen Portion Idealismus, viel persönlichem Engagement, Herzblut und starker Überzeugung Bücher auf den Markt bringen, die sich nicht am Mainstream orientieren, sondern auch Themen in den Fokus nehmen, an die sich große Verlagshäuser vielleicht nicht herantrauen. Vor allem diese Independents sind es, denen wir viel Bibliodiversität verdanken. Bücher aus den kleinen, unabhängigen Häusern stehen für ungewöhnliche Perspektiven und einen anderen Zugang zu unserer Welt. (mehr …)

[LiSe 01/24] Empfehlungen: Buchtipps aus erster Hand

Die Mitarbeiter*innen der Münchner Stadtbibliotheken empfehlen für den Monat Januar diese Neuerscheinungen:

Cho Nam-Joo: Wo ich wohne, ist der Mond ganz nah
KiWi

Cho Nam-Joo widmet sich in diesem feministischen Roman einem koreanischen Frauenleben: Manis Familie lebt in einem der ärmsten Stadtteile von Seoul. Sie wird ein einfaches, unerfülltes Leben führen, geprägt von der Demütigung, mit Mitte 30 noch keine eigene Familie zu haben. Eines Tages erfährt ihre Familie, dass eine Stadtteilsanierung geplant ist. Diese lässt die Immobilienpreise in die Höhe schießen, ihr Haus gewinnt plötzlich an Wert. Doch bald erfährt Manis Familie, dass die Sanierung wieder abgeblasen werden solle. Als ein Fremder ihr Haus kaufen will, ist die Familie uneins darüber, ob sie diesem gutmütigen Mann die Wahrheit sagen soll. (mehr …)

[LiSe 01/24] Kurzgeschichte: Der Goldbarren

Von Ruth Neureiter

Ich erinnere mich an einen kleinen Goldbarren in meiner Handtasche. Er muss dort schlummern seit dem Schreibseminar in Lindau, unter vielen anderen Dingen, die ich mit mir herumtrage: Geldbörse, Notizbuch, diverse Stifte, Kinokarte, Parkschein, Papiertaschentücher, Kontoauszüge, Visitenkarten und Reisepass, Autoschlüssel, Einkaufszettel. (mehr …)

[LiSe 01/24] Rezension: Auf der Suche nach Mona Lisa

Tom Hillenbrand bei einer Lesung über seinen neuen Roman

Von Sevda Cakir

„Verbrechen kann manchmal auch karriereförderlich sein“ – mit diesen Worten bezieht sich der Münchner Bestseller-Autor auf den Werdegang der „Madonna Lisa“, kurz: Mona Lisa, des berühmtesten Gemäldes der Welt. Als am 22. August 1911 Leonardo da Vincis Porträt „einfach“ aus dem Louvre gestohlen wird, kennen nur Kunstinteressierte das Motiv, erzählte Tom Hillenbrand vergangenes Jahr beim Literaturfestival „Dachau liest“ über seine Recherchen. (mehr …)