by LiSe | 2. Okt. 2022 | Blog, Kolumne
Endlich ist es wieder da, das Guinness Buch der Rekorde, jener Wälzer mit Verrenkungen und Sammelfleiß in Superlativen, von „Größter Höhe auf Heißluftballon stehend“ (Seite 1) bis „Teuerster versteigerter Sport-Fanartikel“ (Seite 247). Dabei verweist das Buch im Titel schon auf die Zukunft: „Guinness World Records 2023“. Das bedeutet, die Verantwortlichen, wie der Globale Präsident Alistair Richards, wissen heute, 2022, schon, was morgen, 2023, an Speed-Klöppeln, Weltall-Turnen und Hochgeschwindigkeits-Kochen die Gesellschaft voranbringen wird. Dagegen ist – beispielsweise – der Versuch, einen Krieg mit diplomatischen Mitteln zu befrieden, geradezu Kinderkram. (mehr …)
by LiSe | 2. Okt. 2022 | Blog, Vermischtes
Rebecca Faber holt Elizabeth Stuart nach vorne
Von Katrin Diehl
Es ist ihr erstes Romanprojekt. Sie befindet sich auf Seite 60. Und obwohl es ihr erstes ist, hat sie einen stabilen Stand, wirkt sicher und gut orientiert innerhalb des Schreibprozesses. Das Ganze ist erst einmal open end getaktet, das bedeutet: schreiben ohne Zeitdruck, ohne Verlagsfestlegung. Und doch gibt es, und da spürt man auch die promovierte Literaturwissenschaftlerin, recht genaue Vorstellungen, Einordnungen, Ansprüche, vor allem das richtige Gefühl für literaturtauglichen Stoff, die Ortung ihres SchreiberInnenzustands, den strukturierten Plot-Plan (und das heißt nicht, dass man sich beim Schreiben nicht noch von seinen ProtagonistInnen überraschen lassen könnte), denn Rebecca Faber (32) ist ja auch Literaturvermittlerin (u. a. Mitbetreiberin der Lesereihe LIX), interessierte Mitmacherin von Texttreffen in diesen oder jenen Wohnzimmern, Küchen, hat mit anderen zusammen einen feministischen Blog (wepsert.de), ist auch journalistisch unterwegs… Und dass da jetzt vor ein paar Wochen in England die Queen gestorben ist, bringt sie und alle, die der Welt, die ihre werdende Story ausmacht, etwas abgewinnen können, dem Romangeschehen noch einmal ein Stück näher. (mehr …)
by LiSe | 2. Okt. 2022 | Blog, Lyrische Kostprobe
„Dichten macht Spaß“, meint Irmgard Rosina Bauer, und sie tat es ein Jahr lang jeden Sonntag und ehrte mit einem Gedichtband ihren Lieblingswochentag. Sie ist 1956 in München geboren „und von da nicht mehr weggekommen“, sagt sie, „dafür bin ich halt öfter mal verreist und kann darüber in meinen Büchern schreiben“. Auch ihre vier Kinder, alle in München geboren und aufgewachsen, fungieren hie und da als Hauptfiguren. (mehr …)
by LiSe | 2. Okt. 2022 | Blog, Rezension & Buchempfehlungen
Mit fröhlichem Spott und beißender Ironie zeichnete Wolfram Hirche die teilweise absurden, teilweise lustigen Seiten des Literaturbetriebs nach. Über zehn Jahre lang erschienen seine Glossen links neben dem Auf-macher des Blattes, das Sie gerade lesen. Nun sind knapp 90 seiner Texte in einem Band vereint.
Wolfram Hirche schreibt nicht nur satirische Glossen und Kolumnen, sondern auch Lyrik und Kurzgeschichten. Er war viele Jahre lang erster Vorsitzender des Münchner Literaturbüros. Red
Wolfram Hirche: Spottlichter. Die Kolumnen aus den „LiteraturSeiten München“ 2010 bis 2021
Verlag p.machinery, 2022
Paperback: 13,90 Euro
Hardcover: 16,90 Euro
by LiSe | 2. Okt. 2022 | Blog, Kurzgeschichte
Von Walter Brusa
Mein Schlafzimmer ist klein und unveränderlich. Ein Bett, ein Bücherschrank, wahrscheinlich noch ein paar Kleinmöbel, ich weiß es nicht, denn morgens, wenn ich aufstehe, mich im Dunkel oder Halbdunkel mühsam aus dem Bett wälze, sehe ich nichts, nicht nur, weil die Nacht sowohl noch mich selbst als auch das Zimmer umfängt, sondern auch weil Augenlicht und Geist erst ungefähr eine Minute benötigen, um dem zu Unzeiten sich erhebenden Körper zu folgen und sich zu entfalten. Nachts, wenn ich mich zu Bett begebe, ist es dunkel und ich sehe nichts. Ich bewege mich mit der Sicherheit eines Blinden auf den zwei, drei Metern, die Augen haben sich noch nicht an das Dunkel gewöhnt. Ich möchte nichts darauf verwetten, dass nicht irgendjemand eines der Schränkchen entwendet und verkauft hat. Ich sage „irgendjemand“, denn ich wüsste nicht wer, lebe ich doch seit Jahr und Tag allein. So gehe ich denn davon aus, dass sich dieses Zimmer nicht verändert, so wie auch mein einziges Motiv, es aufzusuchen, sich nicht ändert. (mehr …)
by LiSe | 2. Okt. 2022 | Blog, Rezension & Buchempfehlungen
Ulrike Draesners neuer Roman aus dem Umfeld des Olympia-Attentats 1972
Von Stefanie Bürgers
Katja, Journalistin, Anfang 40, steht in der Münchner U-Bahn. Sie will Max anrufen, doch das fällt ihr schwer. Das Gespräch mit Max beginnt abgehackt, holprig. Man ahnt, dass Katja in Max’ Schuld steht wegen eines massiven Vertrauensbruchs in Teenagertagen. In Rückblenden – oftmals wie Gedankensprünge eingeführt – ergeben Katjas Erinnerungen für den Leser, die Leserin nach und nach ein Bild.
Als Halbwaise ist Katja in den 1960iger Jahren bei ihrem Vater in engem Kontakt zu den Großeltern aufgewachsen und kämpft mit dem frühen Verlust der Mutter. Sie verhält sich launisch, lässt ihren unkontrollierten Gefühlen Lauf, quält die eigene Katze. (mehr …)
by LiSe | 24. Sep. 2022 | Blog, Vermischtes
Am 30. September fällt im Literaturhaus München der Startschuss zum Krimi-Herbst 2022. Charlotte Link, Deutschlands erfolgreichste Krimi-Autorin mit über 32 Millionen verkauften Büchern, feiert die offizielle Buchpremiere ihres neuen Romans “Einsame Nacht” – Der 4. Fall für Scotland-Yard-Ermittlerin Kate Linville um einen völlig undurchsichtigen Mordfall in den abgelegenen North York Moors. (mehr …)
by LiSe | 5. Sep. 2022 | Blog, Titelgeschichte
München feiert 50 Jahre Olympiade und sich selbst, stolz auf die demonstrative Weltoffenheit und die farbenfrohen Spiele. Dabei stellt sich durchaus die Frage, was es da überhaupt zu feiern gibt. Der palästinensische Anschlag mit am Ende elf toten israelischen Athleten und einem toten bayerischen Polizisten zerstörte jede Illusion und begrub den Wunsch auf Verdrängung. Dazu kamen dann noch ein paar weiter dunkle Flecken.
Von Michael Berwanger
Es ist wenig erstaunlich, dass man zu diesem Jubiläum fast überall in München über die „Spiele 72“ stolpert. Ausstellungen finden sich – unter anderem – in der Staatsbibliothek, im Olympiapark, in der Pinakothek der Moderne, im Kunstareal und im Münchner Stadtmuseum, die gleich zwei Ausstellungskonzepte anbieten – innerhalb des Hauses und außerhalb, in Form einer „Spurensuche“. (mehr …)