[LiSe 02/21] Rezension: Mehr als nur grauer Tunnel

Zum neuen Roman von Hans Pleschinski

Von Stefanie Bürgers

Paul Heyse (1830 – 1914), dem ersten deutschen Literaturnobelpreisträger, hat München nur eine düstere, mittlerweile renovierungsbedürftige Unterführung gewidmet. Wie passend also, dass Paul Heyse in jungen Jahren zu seiner Berliner Zeit dem Poetenverein „Tunnel über der Spree“ angehörte. Dabei gäbe es in München durchaus eine Alternative für ein angemessenes Gedenken, denn Heyses ehemalige Münchner Villa, die ja noch existiert, steht nahe dem Lenbachhaus in der Luisenstraße. Im Garten dort, ein Götterbaum. Die Villa ist nach langem Rechtsstreit endgültig vor dem Abriss bewahrt. Endlich könnte eine Begegnungsstätte für kulturell interessierte Menschen zur Erinnerung an Paul Heyse entstehen, der den größten Teil seines Lebens in München verbracht hat. (mehr …)

[LiSe 02/21] Literaturstipendien: Ausschreibung 2021 der Landeshauptstadt München

Die Landeshauptstadt München vergibt 2021 sieben Stipendien für Autor*innen und Übersetzer*innen in Höhe von jeweils € 6.000,-. Zusätzlich wird der Leonhard und Ida Wolf-Gedächtnispreis für Literatur vergeben (€ 3.000,-).

Mit den Literaturstipendien und dem Leonhard und Ida Wolf-Gedächtnispreis für Literatur sollen vielversprechende Projekte vorwiegend jüngerer Münchner Autor*innen gefördert werden. Für die Literaturstipendien besteht keine Altersbeschränkung, für den Leonhard und Ida Wolf-Gedächt-nispreis kommen nur Autor*innen unter 30 Jahren in Fragel. Das Stipendium für Übersetzer*innen fördert eine herausragende Leistung in der
Übertragung eines besonders anspruchsvollen Textes ins Deutsche.

Einsendeschluss: 15. März 2021

Rückfragen bitte an: Katrin Dirschwigl, katrin.dirschwigl@muenchen.de

Weitere Informationen unter: muenchen.de/kulturfoerderung

[LiSe 02/21] Trauer um Ursula Haeusgen

Kurz nach Redaktionsschluss haben wir vom Tod Ursula Haeusgens erfahren, eine Nachricht, die uns sehr traurig stimmt. Ursula Haeusgen, Gründerin und Mäzenin des Lyrik Kabinetts, hat das Gedicht in seiner internationalen Breite nach München gebracht und auch regelmäßig auf unsere Münchner LiteraturSeiten, die dem Lyrik Kabinett schon lange eng verbunden sind.

Eine ausführliche Würdigung folgt.

Tapetenwechsel – Ein deutsch-tschechischer Literaturaustausch – Ausschreibung 2021

Das Förderprogramm „Tapetenwechsel – Ein deutsch-tschechischer Literaturaustausch“ ist eine Form der Schriftsteller*innenförderung, die es Autor*innen aus Deutschland ermöglicht, sich während eines Aufenthalts in Tschechien ganz ihren künstlerischen Tätigkeiten zu widmen. Reziprok kommt ein*e tschechische*r Autor*in nach Deutschland.
Realisiert wird das Programm vom virtuellen Literaturhaus Bremen, globale e.V., den Künstlerhäusern Worpswede, dem Tschechischen Literaturzentrum (Sektion der Mährischen Landesbibliothek) und dem Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds. (mehr …)

AnXt – Literaturwettbewerb des muc Verlags

Einsendeschluss: 30. Juni 2021

»Anxt« – ist die Abkürzung für das englische Wort anxiety, das man übersetzen kann mit: Angst, Besorgnis und/oder Beklemmung.

Lehrt uns das Fürchten!

Wir freuen uns über Kurzprosa-Texte aus den Bereichen (Psycho-)Thriller, Horror oder Mystery. (mehr …)

[LiSe 01/21] WAS WIRKT

„Heimrad Bäcker. es kann sein, dass man uns nicht töten wird und uns erlauben wird, zu leben“ – eine Ausstellung im NS-Dokumentationszentrum

Von Katrin Diehl

Vergessen und erinnern sind nicht unbedingt Gegensätze. Fast  lässt sich sagen, dass jedes Vergessen in  einem gewissen Sinne auch ein Erinnern ist. Womit man schnell beim Thema Verdrängung wäre, die – wir wissen das alle – Folgen nach sich zieht.

Und so könnte es also sein, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen dem Quasi-Verschwinden des Schriftstellers und Verlegers Heimrad Bäcker aus dem feuilletonistischen Bewusstsein – denn immerhin  gilt er als „ein wichtiger Vertreter der konkreten Poesie und Impulsgeber der literarischen Avantgarde Österreichs nach 1945“ – und der Tatsache, dass sich eben dieser Heimrad Bäcker auf einmalige wie beeindruckende Weise und ganz einzelgängerisch sehr früh für die Verbrechen der Nationalsozialisten sowie die Menschen, Jüdinnen und Juden, die ihnen ausgesetzt waren,  interessiert hat.  Dabei war es natürlich mehr als Interesse, was ihn da getrieben hat, und es war auch mehr als eine Dokumentation, die er sehr zaghaft und erst nach Jahren zum ersten Mal hat an die Öffentlichkeit kommen lassen, und begonnen hatte er mit seiner Recherche ja auch bereits schon kurz nach ‘45, ganz für sich, auf der Suche nach Bildern, Stimmen, Dokumenten, Spuren. Der „kontaminierte“ Ort – diese Bezeichnung stammt von dem Journalisten und Autor Martin Pollack – auf den sich Bäcker konzentrierte, war das oberösterreichische Mauthausen, dort das ehemalige Konzentrationslager, das zwar – weil die Alliierten das so wollten – bereits 1949 zu einer Gedenkstätte geworden war, das aber damals als bereits verkleinerter Baukomplex nicht eben groß auf sich aufmerksam machte. Für die Stimmen der Wenigen, die aus bloßem Zufall den Holocaust überlebt hatten, den traumatisierten Zeitzeugen, hatte zu dieser Zeit ohnehin kaum jemand ein Ohr. Man war mit anderem beschäftigt und wollte solche „Sachen“ jetzt nicht hören. (mehr …)

[LiSe 01/21] Kolumne: Skandal verpufft

Seni, der Hofastrologe des berüchtigten Feldherrn Markus Söder, wusste es schon längst, oder arbeitet er für Wallenstein, na, egal, dass Mitte Dezember schweres Unheil dräute: Jupiter überholte den weiter entfernten Saturn und beide standen, von der Erde aus betrachtet, in teuflischer Konjunktion! Schon im ahndungsvollen Vorgriff darauf hatte der marsbegnadete Polemiker Maxim Biller in der SZ den steirischen Dorf-Unschuldsengel Lisa Eckart (Berufswunsch: Kabarettistin) mit seiner „sehr blonden HJ-Frisur“ aus allen Wolken gezerrt und die „Hitlerboys“ vom ZDF gleich dazu, das hatte gesessen – mochte mancher meinen.

Zumal die SZ (und das nicht nur in Klammern) ja auch gerade wild um Aufmerksamkeit, Sensationen und Auflage buhlt. Einsparungen müssen sein! Bis Silvester sollten, so hieß es, 50 Redakteure aus der großen Zeitung „sozial verträglich“ ausgebootet werden! (mehr …)