Geboren in Damaskus, Syrien, lebt Dima Albitar Kalaji seit Ende 2013 in Deutschland. Die Künstlerin, die jahrelang exilierte Autoren unterstützt hat und sich selbst im deutschen Exil befindet, packt ihre Entzweiung nach vielen Essays und Podcasts nun in ihr erstes Buch.
In „An das Monster“ versammelt sie kürzeste Texte, die auf Deutsch und Arabisch auf Doppelseiten abgebildet sind. Das „Monster“ geistert in Form eines Du durch die Zeilen und nimmt dabei unterschiedliche Formen an. Dabei hat die Sprache zum Teil eine trockene Reduktion aufs Deskriptive, bleibt aber zugewandt, hell und letztendlich zum Weinen schön. Red
An das Monster
Ich habe keinen Schatten,
nur eine dichte, schwarze Rauchwolke.
***
Ich bin die Tochter eines zornigen Mannes.
Sein Zorn sammelte sich an,
bis er und wir die Gründe dafür vergaßen.
Ich
bin die Tochter eines zornigen Mannes.
Immer, wenn er mich in die Arme schloss,
senkten sich seine Stacheln in mein Herz.
***
Wir sind zu nichts als zu Flucht und Diaspora fähig
vor/von uns selbst.
***
Das Licht ist wie die Dunkelheit
Indem es zeichnet, löscht es aus.
Als mache das Licht
wie die Dunkelheit
blind.
Dima Albitar Kalaji: An das Monster – Gedichte
Aus dem Arabischen von Kerstin Wilsch, Leila Chamaa und Dima Albitar Kalaji
Illustrationen und Gestaltung: Leyla Sehar
160 Seiten, Gebundene Ausgabe, Elif Verlag, Nettetal 2026
24 Euro
