[LiSe 07-08/26] Lyrische Kostprobe

So tanzt ein Luftikus
Friedrich Ani, geboren 1959 in Kochel am See, erhielt unter anderem sieben Mal den Deutschen Krimipreis. Mit „Drüben tanzt ein Luftikus“ legt der Autor 141 Tanka vor. In dieser klassischen japanischen Kurzgedichtform (5 Verse, 5-7-5-7-7 Silben) erzählt er von Herkunft und Familie, vom Älterwerden und von Kindheitserinnerungen, von Natur und Stadt, von Verlust und Liebe und politischer Gegenwart. Die Gedichte in ihrer Verknappung und scheinbaren Schlichtheit sind von biografischen Spuren durchzogen und zugleich thematisch breit gefächert.                  red

Flickst unsre Nähe
wenn mein Wegsein sie zerriss
Bald komm ich wieder
Dann beginnt das Nahsein neu
Jubel liebste Näherin
* * *
Wer jetzt zu Haus bleibt
wird im Winter finster sein
Heute Herbstlicht satt
Eiskaffee in den Cafés
Drüben tanzt ein Luftikus

Friedrich Ani:  Drüben tanzt ein Luftikus
141 Tanka
Hardcover, 184 Seiten
Allitera Verlag München 2026
20 Euro

[LiSe 05/26] Lyrische Kostprobe: Farbenspiel

ecco meineke, seit 1977 ansässig in München, ist seit seiner Schulzeit von der kurzen und prägnanten Form der Lyrik begeistert. Der Sänger, Singer-Songwriter und Kabarettist betreibt seit mehreren Jahren die Kunst-Galerie „GaGalerie“ und kuratierte u. a. zur Eröffnung der Pinakothek der Moderne die „DADA-Wiesn“. (mehr …)

[LiSe 04/26] Lyrische Kostprobe: Die Trinität der Zeilen

Harald Albrecht, geboren 1955, schreibt seine Lyrik „im Bewusstsein, dass vor allem die Sprache unsere Wahrnehmung beeinflusst, wenn nicht gar formt“, so der Essayist Jürgen Brôcan. Die Sprache der Gedichte und deren strenge Form sollen Ordnung schaffen in einer unübersichtlichen, sich in dauerndem Wandel befindlichen Welt – nicht von ungefähr wird die „Kunst der Fuge“ aufgegriffen. Inhaltlich spannt die Lyrik Albrechts dabei einen weiten Bogen, der Kulturen und Religionen verbindet – von Oberammergau bis zur Rose von Jericho. Der Unternehmer, Verleger und Lyriker Harald Albrecht lebt mit seiner Familie in München. (mehr …)

[LiSe 03/26] Lyrische Kostprobe

Stefan Wehmeier, geboren 1955 in Köln, Kunstschmied, Grafiker, Journalist und Dozent für Malerei und Druckgrafik, kam 1973 nach München. Neben seiner Arbeit als bildender Künstler, widmet er sich intensiv der Lyrik. Seine Gedichte bekennen sich zur mutigen Einfachheit – kurze Szenen, die vielfach Natureindrücke verarbeiten, bunt und betörend, von einer visuellen Prägnanz. Nicht selten verdanken sich die Gedichte der Gelegenheit, die sich unterwegs ergibt. Ihr Blickwinkel verleugnet das Auge des Malers nicht, der genau erkennt, worauf es ankommt. Und über allem liegt eine ruhige, abgeklärte Melancholie, der man sich nur schwer entziehen kann. (mehr …)

[LiSe 02/26] Lyrische Kostprobe: In einer Blume öffnet sich die ganze Welt

Die in Erding geborene Theresa Klesper studierte Literaturwissenschaft, Psychologie, Kommunikationswissenschaften und arbeitete als Redakteurin, Deutschlehrerin für Flüchtlinge, im Buchhandel und im Verlagswesen. Und auch ihre Gedichte haben ebenso einen längeren Weg hinter sich – einen Erkenntnis- und Erfahrungsweg. Einen Weg, den es braucht, um bei sich anzukommen, bei sich zu sein. Denn die Welt fängt eigentlich im Kleinen an, wie alles Wissen um die Dinge. Sie beginnt auf einer Wiese, einem Hang, einem Wald. Im Kleinen entdecken wir die Dinge und Lebewesen, das Gras und den Vogel, den Baum und die plötzlich schwebenden Äpfel. Genau hier nimmt für Klesper das Poetische seinen Anfang. Red (mehr …)