Verstehen wir uns? Wahrscheinlich eher nicht. Wir reden aneinander vorbei. Vielleicht sind es nicht mehr als drei Millimeter. Drei Millimeter zu weit rechts, zu weit links von unseren Ohren, unseren Hirnen, unseren Herzen entfernt. Knapp daneben eben. Am Ende funktioniert dann ja meistens doch die Verständigung, worüber man mal kurz staunen darf. Die Person, die etwas sagt, ist wahrscheinlich in dem Moment, in dem sie das sagt, das einzige Wesen weit und breit, das zu hundert Prozent versteht, was da gerade aus seinem Mund kommt. „Schönes Wetter heute“, eine Kopfgeburt.
Drei Wörter nur und nichts als ein banales Beispiel. Und stimmt das überhaupt, dass man sich selbst versteht? Ist mit einem leichten Fragezeichen zu versehen und reinste Rhetorik. Weil: „Manchmal versteht man sich selbst nicht“. Whattt?! Sorry, aber uns ist wirklich nicht zu helfen! Jedenfalls (und dabei fällt mir auf, dass die Frage „Verstehen wir uns?“ auch reflexiv gemeint sein kann, also: Verstehen wir uns selbst?). Jedenfalls: Manchmal steigen in mir und aus der Vergangenheit diverse Kommunikationsmodelle auf und – omg – was geht da alles auf die einfachsten paar Wörter („Aussage des Senders“) an Störungen – und das bei besten Bedingungen – nieder, bis das, was dieser wirklich sympathische und gutwillige Sender von sich gibt, zum Beispiel „schönes Wetter heute“, beim „Empfänger“ in Form eines Pfeils ankommt. Lärm, Luftverschmutzung, Zerstreuungen jeder Art, eine Raumecke zu viel, eine lispelnde oder schwere Zunge, eine fremde Sprache … Und dieser Empfänger (ebenfalls so sympathisch wie gutwillig wie männlich)? Der antwortet mit allergrößter Wahrscheinlichkeit und in der Regel einfach mit „ja“. Oder mit „nein“. Oder er reagiert nicht, obwohl er alles verstanden hat, Gespräche übers Wetter aber ignoriert …
Das Wort „verstehen“ ist in der deutschen Sprache aber auch so was von mehrdeutig und schillernd. Sich mit jemandem zu verstehen, bedeutet, da kommen zwei gut aus, und wenn’s noch so stürmt oder schneit oder draußen vor der Tür ein Presslufthammer um sein Leben hämmert. Und klar, konnten Lehrer*innen nicht aufhören zu betonen: „Ich versteh dich nicht, also rein akustisch.“ Geglaubt hat ihnen niemand. Aber stimmt schon: Verstehen bedeutet nicht zwangsläufig auch, einverstanden zu sein. Und Brüllen war noch nie eine gute Entscheidung, wenn es ums Überzeugen geht. Und im Grunde können sich hinter der Aussage „schönes Wetter heute“ tatsächlich Tausende von Hintergedanken verbergen. Die KI versteht mich jedenfalls. Komplett. Wenn ich zu ihr sage: „schönes Wetter heute“, sagt sie „ja“ oder „nein“ oder gar nichts und ist dabei auch noch völlig mit sich einverstanden.
Dika
