by LiSe | 30. Mai 2018 | Blog, Vermischtes
Münchner Literaturbüro – MLB: Ein offener Treffpunkt für alle, die Prosa oder Lyrik schreiben und ihre eigenen Texte gerne mal öffentlich vor 10 bis 30 Zuhörern vortragen wollen.
Jeden Freitag (außer im August) von 19:30 bis 22 Uhr lesen im MLB, Milchstraße 4, direkt hinter dem Gasteig. Autorinnen und Autoren ihre Texte und bekommen vom Publikum direkte Resonanz und Anregungen. Anmeldung unter: muenchner-literaturbuero.de/terminkalender
Bitte folgen Sie den dort aufgeführten Anweisungen.
Haidhauser Werkstattpreis: An jedem ersten Freitag im Monat ist eine Anmeldung nicht erforderlich! Jede/r Autor*in kann einen eigenen maximal 10-minütigen Text lesen. Das Publikum wählt den besten Beitrag, der am Finale im Gasteig teilnimmt. Dem Sieger winken Champagner und Preisgeld!
WH.
by LiSe | 30. Mai 2018 | Blog, Rezension & Buchempfehlungen
Max Scharniggs neuer Roman „Der restliche Sommer“
Von Ursula Sautmann
Paul und Sara sind (nicht mehr ganz) frisch verliebt, Tin und Sonja sind (nicht mehr ganz) frisch getrennt. Max Scharnigg beschreibt in seinem soeben erschienenen Roman beide Seelenzustände gleich leicht und leicht schräg. Die vier Protagonisten müssen sich neu orientieren. Dabei stellen sie sich höchst unterschiedlich an. Die Männer sind am Ende eher bedauerlich, die Frauen eindeutig lebenstüchtiger. Kein Triumphgefühl, bitte, denn sie haben es in diesem Buch eher dem Zufall zu verdanken, dass sie am Ende besser dastehen; im wahren Leben ist das meist ganz anders. (mehr …)
by LiSe | 2. Mai 2018 | Blog, Titelgeschichte
„Ins Blaue!“ führt die neue Ausstellung im Literaturhaus über Natur in der Literatur
Von Katrina Behrend Lesch
Die Farbe ist es, die den Ton angibt. Hören Sie selbst! Ab ins Grüne, das klingt nach Wald, Wiese, Heide, nach einem Ziel mit Namen. Ins Blaue hingegen verheißt Weite, das Grenzenlose, die Suche nach der blauen Blume, das Symbol für Sehnsucht und Liebe in der Romantik. Ins Blaue, da sind wir Taugenichts, der in die Welt hinauszieht mit nichts als seiner Geige und ein paar Groschen. „Hinter der Nebelwand im Gehirn gibt es noch andere Gegenden, die blauer sind, als du denkst“, schreibt Hans Magnus Enzensberger. Diesen Gedanken haben die Macherinnen der Ausstellung aufgegriffen, als sie das ungeheuer weite Feld von 2.500 Jahren Literaturgeschichte der Natur zu fassen suchten.
Natur in der Literatur ist anders als die, die uns umgibt. Sie ist erfunden, künstlerisch gestaltet, poetisiert. „Als ihr ewiger Wider- und Gegenstand geistert die Natur durch das Form-, Wort-, Klang- und Bildmaterial der Literatur“, sagt Kuratorin Heike Gfrereis. In Zusammenarbeit mit Projektleiterin Karolina Kühn hat sie sich für das Spielerische, absichtlich Befremdliche entschieden. Und die Tür für eine Fülle von Assoziationen und poetischen Möglichkeiten aufgestoßen. (mehr …)
by LiSe | 2. Mai 2018 | Blog, Kolumne
Ma va a cagar!“ Sicher kennt das Italienische schlimmere Verwünschungen, als diese, mit der Gigi Buffon im Viertelfinale der Champions-League vor kurzem den britischen Referee bewarf, um wütend dessen Darmtätigkeit zu fördern. Doch Mister Oliver zog humorlos Rot, sicher nur deshalb, weil die Torwartlegende nicht britisch geflucht hatte. Das war unverzeihlich, und so nahm das Schicksal auf spanischem Boden seinen Lauf. Gigi schied aus. Der Angloamerikaner bevorzugt bekanntlich beim Fluch die Sexualsphäre, während der Kontinentaleuropäer zum Fäkal greift. Treffen diese Kulturen aufeinander, muss der Schwächere vom Platz. (mehr …)
by LiSe | 2. Mai 2018 | Blog, Vermischtes
Eine langsame Stadt
Erst spät würdigt München die Dichterin Anette Kolb
Von Antonie Magen
Googlet man die Adresse „München, Sophienstr. 7“, wird man mit der Homepage des Parkcafés am alten botanischen Garten verbunden, die den kulinarisch Interessierten mit „deutsche[r] Hausmannskost, bayerische[n] Schmankerl[n] oder internationaler Küche“ lockt. In der Rubrik „Über uns“ findet sich zwar ein kurzer Abriss zur Geschichte des Restaurants, der auch darüber informiert, dass sich „zwischen 1854 und 1931 […] an der Stelle des heutigen Park Cafés der riesige Glaspalast“ befand. Allerdings wird nirgendwo darauf verwiesen, dass direkt neben dem avantgardistischen Ausstellungsgebäude aus Glas und Eisen, und zwar so dicht, dass „es sozusagen daran lehnte“, ein weiteres Gebäude stand, nämlich ein „etwas gespenstisch aussehende[s] Haus, das die Nummer Sieben trug“. (mehr …)
by LiSe | 2. Mai 2018 | Blog, Vermischtes
Wilma Horne von der „buchhandlung horne“ in Haidhausen empfiehlt diese beiden Romane:
Maja Lunde: Die Geschichte des Wassers
btb-Verlag
Norwegen, 2017. Die fast 70-jährige Umweltaktivistin Signe begibt sich auf eine riskante Reise: Mit einem Segelboot versucht sie die französische Küste zu erreichen. An Bord eine Fracht, die das Schicksal des blauen Planeten verändern soll.
Frankreich, 2041. Eine große Dürre zwingt die Menschen Südeuropas zur Flucht in den Norden, es ist längst nicht genug Trinkwasser für alle da. Virtuos verknüpft Maja Lunde das Leben und Lieben der Menschen mit dem, woraus alles Leben gemacht ist: dem Wasser. Ihr neuer Roman ist eine Feier des Wassers in seiner elementaren Kraft und ergreifende Warnung vor seiner Endlichkeit. Doch bei dem jungen Vater David und seiner Tochter Lou keimt Hoffnung auf, als sie in einem vertrocknetem Garten ein uraltes Segelboot entdecken. Signes Segelboot.
Garry Disher: Leiser Tod
Unionsverlag
Auf der australischen Halbinsel Mornington blüht das Verbrechen. Detective Inspector Hal Challis und sein Team haben es gerade nicht leicht. Die raffinierte Kunstdiebin Grace macht die Peninsula unsicher und den Sergeants schwer zu schaffen: Grace ist eine Meisterin ihres Fachs, erbeutet ein teures Kunstwerk nach dem anderen und verwischt gekonnt alle Spuren. Zudem treibt ein Vergewaltiger, als Polizist verkleidet, sein Unwesen auf der Halbinsel. Und dann verrät Challis auch noch in einem schwachen Moment der Presse, dass auf dem Revier gerade einiges im Argen liegt.
Garry Disher weiß einfach, wie man fesselnde Geschichten erzählt. Auch sein neuer Kriminalroman überzeugt wieder mit jeder Menge Tempo, Spannung und Sprachwitz.
buchhandlung horne, Wörthstraße 18, 81667 München
by LiSe | 2. Mai 2018 | Blog, Lyrische Kostprobe
Der Wald ist dunkel schwer und lauscht
Drei Tropfen Harz auf jede ausgestreckte Zunge
Die volle Schale auszutrinken auszukippen
Ich zittere vor Gier und Durst
Und in der blauen Badewanne
Schrumpft Schaum zu Salz und Nackt zu roter Haut
Zwei junge Kiefernnadeln in die Schläfen
Ein Handvoll Moos auf Brust und Bauch
Ein Auge lehnt sich an das Fenster
Presst zuckt und klappt die Lider zu
Harz schmeckt nach Salz und Salz nach nackter Haut
Mein Kopf schwimmt auf
Slata Roschal
by LiSe | 2. Mai 2018 | Blog, Rezension & Buchempfehlungen
Von Michael Berwanger
Erich Mühsam war 1918 – also vor hundert Jahren – Mitglied des Revolutionären Arbeiterrats in München und Mitbegründer des Freistaats Bayern.
Hauptsächlich aber war der gelernte Apotheker Journalist und Autor und hatte Zeit seines Lebens Tagebuch geführt. Speziell in den frühen Tagebüchern zeigt er sich als Bürgersohn, der immer am finanziellen Tropf seiner Verwandtschaft hängt, große poetische und politische Ambitionen hegt und sich zwischen wahnwitziger Selbstüberschätzung und freundlicher Selbstironie inszeniert. Und er zeichnet – im Wortsinn – sein Selbstbild als Karikatur mit übergroßen Ohren, großer Nase und Rauschebart. (mehr …)