[LiSe 04/18] Rezension: Kunst und Knast

Lilian Lokes zweiter Roman „Auster und Klinge“

Wolfram Hirche

Erst am zweiten Roman, so meinte der Kritik-Papst Marcel Reich-Ranicki, entscheidet sich, ob ein Autor zum Schriftsteller taugt oder nicht. Die Münchner Autorin und PR-Beraterin Lilian Loke hat vor drei Jahren für ihren Erstling „Gold in den Straßen“ reichlich Lorbeeren geerntet und den Münchner Tukanpreis errungen. Während sie damals fleißig im Milieu der Häuser-Makler recherchiert hatte und ökonomisch kundig deren Geschäftsmodell aufs Korn nahm, nimmt sich ihr neuer Roman das Künstler- und Ganoven-Milieu vor. Er versucht es jedenfalls.Ernste, tiefe Recherche ist da freilich schwierig, denn wer kennt schon einen erfahrenen Einbrecher, der auch so richtig „auspackt“? (mehr …)

[LiSe 03/18] Politisch und provokant

Politisch und provokant
1968, vor 50 Jahren, wurde Rainer Werner Fassbinders ganz besondere Art der Schauspielkunst geboren

Von Ursula Sautmann

Rainer Werner Fassbinders Filme sind berühmt. Seine einschlägigen und praktischen Erfahrungen mit Bühne und Schauspiel, mit Buch, Regie und Inszenierung, begannen aber im Theater. Hier legte er die Grundlagen für seinen eigenen Stil. Im August 1967 stieß Fassbinder zum Action-Theater, einem Off-Theater mit gut 50 Plätzen in der Müllerstraße. Dort saß er täglich im Zuschauerraum, unübersehbar. Ein Ensemblemitglied brach sich den Arm, Fassbinder bekam die Rolle. Wenig später wurde er Mit-Regisseur bei Büchners „Leonce und Lena“ und inszenierte schließlich im Dezember „Die Verbrecher“ von Ferdinand Bruckner. Die Süddeutsche Zeitung bezeichnete das Theater am 21. Dezember als „eine der lebendigsten unter den zahlreichen Münchner Privatbühnen“.  (mehr …)

[LiSe 03/18] Kolumne „Stille Wasser“

Während draußen Sodom herrscht und Gomorra, in der Dichterstube ist Stille. Der Diskurs der Geschlechter mag noch so hohe Wogen werfen, Film- Regisseure grapschen und vergewaltigen, Chor- und Ballettleiter bedrohen und verführen Minderjährige, Musikhochschulen kannste sowieso vergessen, die Theater sind Dorados für Tyrannen, in olympischen Trainingscamps werden Sportlerinnen nicht nur gedopt sondern oft auch sexuell genötigt – nur der Dichter entzieht sich dem zuchtlosen Treiben, huldigt Buch um Buch dem Alterseros, wie Martin Walser, oder wirft sich auf vergangene Schlachtfelder wie Ralf Rothmann und Arno Geiger. Manch einer betreibt sieben Tage gründlich Nabelschau wie Simon Strauss, der Sohn von Botho, der das ja auch glänzend beherrschte.  (mehr …)

[LiSe 03/18] Dichter-Denkmäler in München (Folge 5)

Seiner Zeit weit voraus
Frank Wedekind und sein Brunnen / Todestag vor hundert Jahren

Von Stefanie Bürgers

Eine Bank unter lauschigen Bäumen im Halbrund nahe dem Brunnen. Das liebliche Lächeln der von Ferdinand Filler geschaffenen Brunnennymphe am Wedekindplatz in Schwabing lädt zum Verweilen. Von der abgründigen Tiefe, in die sie einen locken kann, ahnt man auf den ersten Blick nichts. Die sinnend an die Stirn gelegte Hand und die Schriftrolle weisen auf den Schriftsteller, die Lyra auf den Liedersänger, die Maske auf den Schauspieler Frank Wedekind. Artige Anerkennung eines viele Jahre abgelehnten Dichters. Die Deutung der Skulptur von 1959 meidet den Aufruhr, den Wedekind mit seinen Werken stets verursacht hat. Anatol Regnier, Enkel Wedekinds, damals 14 Jahre alt, erinnert sich an die Einweihungsfeier: Tribünen, der Theaterwissenschaftler Artur Kutscher war da, sogar das Fernsehen. Seine Mutter Pamela, die Tochter Wedekinds hat Wedekind-Lieder gesungen. (mehr …)

[LiSe 03/18] Lyrische Kostprobe

Das muss doch mal vorbei sein, sagen die frisch Gebadeten, die exakt Gescheitelten. Die alten Speisewägen stünden doch auf dem Abstellgleis.

Liebhaber alter Dampfrösser frühstücken in ihren Modellbahnen, die sehnen sich nach Fahrten auf nostalgischen Routen, nähmen gerne die betagten Schlachtrösser aus den Schuppen, setzten sie unter Dampf.
Dann schnaubten Rösser quer durch die Republik.

Franz Oberhofer

[LiSe 03/18] Ausstellung: Ins Blaue!

Die Literaturgeschichte der Natur – eine Ausstellung des Literaturhauses München

Die Literatur findet in der Schönheit und Gewalt der Natur ihr poetisches Arsenal. Sie fängt ein und bezähmt, sie beunruhigt und macht unheimlich. Die Natur ist ihr ewiger Wider- und Gegenstand. Wie nun kann man die Literatur über Natur in einer Ausstellung zeigen? So, dass wir diese Lust an der Natur (und am Text) mit Haut und Haar, Fingern und Füßen erfahren! Der Ausstellungstitel „Ins Blaue!“ ist Methode: eine Kunst- und Wunderkammer des Zufalls, weil Schriftsteller*innen um Naturstücke gebeten wurden, die das unendliche Thema im Kleinen einfangen

Künstler*innen/Autor*innen: Anita Albus, Marcel Beyer, Durs Grünbein, Michael Fehr, Arno Geiger, Eva Menasse, Martin Mosebach, Marion Poschmann, Teresa Präauer, Josef H. Reichholf, Ilja Trojanow, Jan Wagner, Judith Zander u. a.

23.3.-7.10.2018.
Mo-Mi, Fr 11-19 Uhr, Do 11-21.30 Uhr, Sa/So/Feiertage 10-18 Uhr.