[LiSe 11/21] Lyrische Kostprobe

Ein Kenotaph für Newton, Opening Night.

Gravitationsfinsternis.
Die Nacht öffnet ihren Mund wie ein Planet. Oben, wird unten
behauptet, pflanze jemand Zypressen, lockere die Erde, häufe
Dünger im Kreis um die Kugel. Der Zirkel noch frisch, das totale
Lächeln von Masse. So bohrt man sich schließlich Tunnel zur
Nacht. Durch Gebirge, Moose und Dohlen. Dabei auch versehentlich
gekitzelte Tamarisken. Jedoch die Nacht öffnet ihren Mund, wie
ein Planet. Der hat dem Schwarz Reflexe antrainiert, und so gibt’s
dunkle, zuckende Klumpen: Die igeln sich ein und
adlern sich aus. (mehr …)

[LiSe 11/21] Buchtipps aus erster Hand

Die Mitarbeiter*innen der Münchner Stadtbibliotheken empfehlen für den Monat November diese Neuerscheinungen:

Beth Ann Fennelly; Tom Franklin: Das Meer von Mississippi
Heyne Verlag

1927 erlebt der Süden der USA eine Jahrhundertflut, als der mächtige Mississippi über die Ufer tritt. Zwei Prohibitionsagenten finden am Schauplatz eines Verbrechens ein verlassenes Baby. Agent Ingersoll vertraut das Kind Dixie Clay Holliver an. Was er zunächst nicht ahnt – sie ist eine erfolgreiche Schwarzbrennerin. Als die Deiche brechen, wird die Welt aller aus den Angeln gehoben. Die Schilderungen der Gesellschaft in der Kleinstadt am Mississippi sind fesselnd, die Landschaftsbeschreibungen beeindruckend. Ein mitreißender Roman, der auch ernste Themen wie Rassismus nicht ausspart. (mehr …)

[LiSe 11/21] Rezension: „Mercury in München“

Von Stefanie Bürgers

30 Jahre ist es jetzt her, dass Freddie Mercury an den Folgen von Aids in London gestorben ist. Anlass für Nicola Bardola, auch an dessen Zeit in München zu erinnern. „Mercury in München“ lautet daher der Titel seines Buches. Von 1979 bis 1985 hatte die Rockband Queen, deren Frontman Mercury war, etliche Hits und Alben in den Musiclandstudios im Münchner Arabellapark produziert. Den Anstoß für das Buch habe der Film „Bohemian Rhapsody“ gegeben, sagte Bardola, denn die Münchner Zeit von Queen sei in gerade einmal zehn Minuten abgehandelt worden. Der Rockspezialist Bardola, so scheint es, will hier also etwas zurechtrücken. Immerhin brachten die in München entstandenen Hits Queen mit Mercury an der Spitze große Erfolge. (mehr …)

[LiSe 11/21] Rezension: Die Tragik des Unmöglichen

Von Katrin Diehl

Werner Herzog hat einmal, und das ließ dann schon staunen, gesagt, dass er fest davon ausgehe, dass es nicht seine Filme sein würden, die von ihm blieben, sondern seine Bücher. Mal sehen. Können tut er beides: schreiben und Filme drehen. Seit Jahrzehnten – der 1942 in München Geborene (aufgewachsen ist er dann auf dem Land) kommt ja noch aus der Zeit des „jungen deutschen Films“ – liefert er zuverlässig und stetig Qualitätsarbeit mit sehr eigener, wiedererkennbarer Handschrift.  Wo Herzog drauf steht, ist Herzog drin, und so könnte es ewig weitergehen. Zumal man ihn mittlerweile immer mitdenkt hinter seinen Filmen, aber auch hinter seinen Büchern, mit denen er allerdings wesentlich sparsamer in Erscheinung tritt. (mehr …)

Verleihung der Literaturstipendien

Die Landeshauptstadt München zeichnet (Nachwuchs-) Autorinnen und Autoren für vielversprechende literarische Projekte aus. Bürgermeisterin Katrin Habenschaden überreicht am Freitag, 29. Oktober, die mit jeweils 6.000 Euro dotierten Preise an: Daniel Bayerstorfer für sein Lyrikprojekt „Neulich starb Antigone“, Christian Hödl für sein Romanprojekt „Wie man barfuß auf Kies stolziert“, Jan Hoffmann für sein Romanprojekt „Monte Serpente“ und Fabienne Imlinger für ihr Romanprojekt „Alles über meine Eltern“. Mit dem Stipendium für Übersetzungsprojekte wird Maximilian Murmann für seine Übersetzung von Eeva-Liisa Manners „Das Mädchen auf der Himmelsbrücke“ geehrt. Die beiden Stipendien im Bereich Kinder- und Jugendbuch gehen an Benita Berge für ihr Kinderbuchprojekt „Emma und die verrückte Weihnachtsnacht“ und an Yasmin Shakarami für ihr Jugendbuchprojekt „Die Perfekten“. Zusätzlich wird der Leonhard und Ida Wolf-Gedächtnispreis in Höhe von 3.000 Euro an Louise Kenn für ihr Projekt „Wir bauen Gehege und wundern uns dann“ vergeben. Die Verleihung findet mit geladenen Gästen und unter Einhaltung der erforderlichen Hygienemaßnahmen zur Eindämmung der Pandemie im Saal des Literaturhauses statt. Ausführliche Informationen und Jurybegründungen unter www.muenchen.de/literatur.

Quelle: Rathaus Umschau 206 / 2021 vom 26.10.2021

[LiSe 10/21] Literaturvermittlung einmal anders!

Von Stefanie Bürgers

Wer ein Buch liest, hat es zweifellos immer mit so etwas wie Literatur zu tun. Verlässt man die Bindung von Literatur ans Medium Buch, wird es spannend.

Literatur „jenseits aller Gattungsgrenzen“ präsentiert die Monacensia bei ihrem dreitägigen Festival „atelier monaco“. Das Angebot ist vielfältig, die Liste der Münchner Lyriker*, Schriftsteller*, Theatertexter*, Musiker* und Künstler*innen ist lang. Hier ein paar Kostproben. (mehr …)