by LiSe | 30. Apr. 2020 | Blog, Rezension & Buchempfehlungen
Von Stefanie Bürgers
Alexandra Cedrino entstammt der seit Generationen der Kunst verbundenen Familie Gurlitt, deren Name nicht erst seit dem Schwabinger Kunstfund bekannt ist. Cedrinos Großvater Wolfgang, war Händler, ihr Ururgroßvater Louis, Maler. Hildebrand, Wolfgangs Cousin, war ebenfalls Händler und vom Nazi-Regime beauftragt, für das geplante Museum in Linz anzukaufen und sogenannte „entartete Kunst“ ins Ausland zu veräußern. Die Cousins pflegten keinen persönlichen Kontakt. Die Familienzweige waren zerstritten. Aus Hildebrands Sammlung resultierte schließlich der in der Wohnung seines Sohnes Cornelius 2013 entdeckte Schwabinger Kunstschatz. (mehr …)
by LiSe | 29. März 2020 | Blog, Vermischtes
Auch wenn der Gasteig wegen der Corona-Pandemie bis auf Weiteres geschlossen bleiben muss – die Münchner Stadtbibliothek macht aus dieser Not ein einzigartiges Angebot: Drei Monate lang können alle, die in der Region München leben, kostenlos auf eine große Auswahl an e-Books, Zeitungen oder Audiobooks zugreifen. (mehr …)
by LiSe | 27. März 2020 | Blog, Titelgeschichte
Das Münchner Übersetzer-Forum
Von Stefanie Bürgers
Ein Großteil der Weltliteratur liegt uns kurz nach Erscheinen fremdsprachiger Ausgaben in deutscher Sprache vor. Diese für uns so selbstverständliche Annehmlichkeit verdanken wir der Übersetzung.
„Becoming“ von Michelle Obama wurde von einem sechsköpfigen Team binnen einer Frist von nur zwei Wochen aus dem Amerikanischen ins Deutsche übertragen. Alle Fassungen weltweit sollten gleichzeitig erscheinen. Autor und Titel zieren das Cover. Wer übersetzt hat, findet sich auf dem Innentitel. Nur wenige Verlage präsentieren dies auf Cover oder Rückendeckel. (mehr …)
by LiSe | 27. März 2020 | Blog, Vermischtes
Zwar werden Messen, Lesungen und Gespräche reihenweise abgesagt, doch trotzdem müssen Sie nicht auf Literatur verzichten. Denn neben dem eigenen Lesen, das an erster Stelle steht, ist auch ein reiches Angebot an literarischen Beiträgen im Radio zu entdecken. Dieser Tage wird es sogar noch ausgebaut, während Literatursendungen in den Fernsehprogrammen zunehmend ein Nischendasein fristen.
So bietet der Deutschlandfunk mit „Büchermarkt“, immer um 16.05 Uhr, eine tägliche Sendung mit Rezensionen und Buchvorstellungen. Mittwochabends, 20.05 Uhr, ist „Lesezeit“, Autor*innen lesen aus einem aktuellen Werk, dieser Tage z. B. Michael Krüger, Marion Poschmann, Lutz Seiler, um nur einige bekannte Namen zu nennen. Studio LCB, eine Lesung mit Gespräch und Diskussion aus dem Literarischen Colloquium Berlin findet am letzten Samstagabend im Monat statt, auch um 20.05 Uhr (mehr …)
by LiSe | 27. März 2020 | Blog, Kolumne
Wenn wir im Morgengrauen von der Straße her ein dunkles Grollen und Rollen hören, unsere ungeschulten Ohren mag es an Panzerketten-Rasseln gemahnen, und zum Fenster hinausschauen, sehen wir: Es sind unsere jungen Dichter! Sie sind mit schweren Rollenkoffern unterwegs und brechen auf zu neuen Ufern. Da sie sich ein Taxi nicht leisten können oder wollen, ziehen sie ihre Habe hinter sich her. Sie haben sicher gerade einen der beliebten „Reisepreise“ gewonnen, von denen es inzwischen ein paar Duzend gibt und sind eben auf dem Weg zu einer hübschen Ostseeinsel, als Stadtschreiber in ein mittelalterliches Turmzimmer oder sie landen unversehens in der Villa Aurora, nahe L.A. (mehr …)
by LiSe | 27. März 2020 | Blog, Vermischtes
„Mann was ist das Schreiben doch für eine Macht“
Von Ursula Sautmann
Sehnsucht, Ehrfurcht, Demut, Selbstüberforderung: In diesem kleinen Satz „Mann was ist das Schreiben doch für eine Macht“, entnommen dem Roman „Klassenliebe“, steckt viel von Karin Struck und ihrem hohen Anspruch an die Literatur. Dabei geht es ihr um die Macht, die Dichter und Schriftsteller auf sie ausüben, wie auch um die Macht, die sie selber mit dem Schreiben ausüben möchte. In vielen ihrer Werke bezieht sie sich auf andere Dichter, so in „Klassenliebe“ auf Goethe’s Werther, in „Die Mutter“ auf Brecht, Gorkij und Pearl S. Buck, in „Männertreu“ auf Moravia und Gabriele Wohmann. Sie, die nicht mit Büchern aufwächst, verschlingt Literatur, sieht sich im Dialog mit Dichtern und Schriftstellern, möchte aber mehr, nämlich Menschen aus der Unterschicht in ihren Werken eine Stimme geben. „Ich muss meine Kraft des Schreibens finden, meine Wortgewalt des Schreibens“, formuliert sie in einem ihrer Essays mit dem Titel „An die Frauen“. (mehr …)
by LiSe | 27. März 2020 | Blog, Lyrische Kostprobe
Ein Hut
Ein Hut trat auf die Straße
mit großem Schwung und Mut,
trug einen Mann spazieren
und fand das fein und klug.
Der Hut schickt‘ ihn des Weges,
wie wenn er sein Rekrut,
beguckte sich die Gegend,
als säße er im Zug.
(mehr …)
by LiSe | 27. März 2020 | Blog, Kurzgeschichte
Von Andreas Wiehl
Das Positive zuerst: das Wunder dieses Hauses ist sein Garten. Wacholder und Kirsche, links ein hoher Walnussbaum, halb verdeckt durch Lorbeer und der rote Vogelbeeren tragenden Eberesche. Der sonnenüberstrahlte Rasen schwingt sich in leichten Hügelbewegungen zum Haus hinauf. Keine Stelle, von der aus man den Garten insgesamt überblicken könnte, doch immer wieder Einblicke, Licht und Schatten im Wechsel. Der kleine Teich nimmt genauso unaufdringlich seinen Platz ein, wie der Weg vor dem Kirschbaum, der am Nussbaum vorbei zur Spitze des Gartens führt; doch die sehe ich längst nicht mehr. Aber halt: der andere Nussbaum ganz hinten, links vom Pullover, tropfnass an der Wäscheleine hängend, lässt sich noch erkennen. Wäre ich jedoch fremd hier, wüsste ich nicht, dass dort der Garten zu Ende ist. Über mir schlagen die Blätter der Haselnuss aufeinander, was ferner geschieht, klingt wie Rauschen zu mir herüber. (mehr …)