by LiSe | 4. Juni 2019 | Blog, Rezension & Buchempfehlungen
„… ich habe Lust zu schreiben …“
Anne Franks Tagebuch gilt als das Dokument gegen die Unmenschlichkeit des Völkermordes während des Nationalsozialismus und ist aus unserem kollektiven Bewusstsein nicht mehr heraus zu dividieren. Das Mädchen führte ihr Tagebuch ab ihrem 13. Geburtstag im Juni 1942 bis zur Verhaftung Anfang August 1944 durch die SS. Die Aufzeichnungen wurden gerettet, 1950 veröffentlicht und zu einem Welterfolg. Viele Jahre als Zeitdokument eingeschätzt, verkannte man ihren literarischen Anspruch, zumal mehrere Versionen vermischt worden waren. (mehr …)
by LiSe | 4. Juni 2019 | Blog, Rezension & Buchempfehlungen
Günther Gerstenbergs Anmerkungen zum Umsturz und den Räterepubliken 1918/19
Von Bernd Zabel
Der Schriftsteller, Historiker und Künstler Günther Gerstenberg ist in München kein Unbekannter. Als Angehöriger der 68er Generation war er in den 80er Jahren an der Gründung des Archivs der Münchner Arbeiterbewegung beteiligt und arbeitet an dem neueren Projekt „Protest in München von 1945 bis in die Gegenwart“ mit. Sein Buch über die Räterepublik ist keine durchgehende Darstellung, es versammelt Aufsätze zu verschiedenen Aspekten der Revolution, darunter auch Kapitel zur Situation der Frauen, zur Rolle der Kirche und zur Spiegelung der Ereignisse in der Karikatur. (mehr …)
by LiSe | 29. Apr. 2019 | Blog, Titelgeschichte
Vor hundert Jahren eröffnete Circus Krone nicht nur mit Menschen Tieren Sensationen, sondern auch mit Großkundgebungen von Adolf Hitler.
Von Ina Kuegler
Hundert Jahre hält diese Verbindung nun schon, hundert Jahre Circus Krone und München. Am 10. Mai 1919 wurde auf dem Marsfeld der Circus-Krone-Bau eröffnet, mit der Araber-Stute Puppchen und mit Assam, dem einzigen Elefanten, der auf den Hinterbeinen durch die Manege laufen konnte. Zuvor war der Circus jahrzehntelang mit Wagen, Sonderzügen und Zelten durch ganz Europa getourt, jetzt gab es einen Festbau, einen 4.000 Zuschauer umfassenden runden Saal, der als Versammlungsort auch in die (Literatur)Geschichte einging. Hier gastierten 1966 nicht nur die „Beatles“, hier hatte Adolf Hitler seine ersten großen Kundgebungen. (mehr …)
by LiSe | 29. Apr. 2019 | Blog, Kolumne
Dies hier ist sie ohne Zweifel, endlich: Die tiefere Stadt, in der es (gelegentlich) Wunder „als Inhalt hat“ und (vor allem) auch das Manna, das sich beim Arzt und Dichter aus Berlin noch auf Habana reimte – er kannte wohl München nur vom Hörensagen? Und was reimt sich schon auf „München“? Das Manna hat der jetzt scheidende Kultur-Gott Hans-Georg Küppers mitsamt den Stadtrats-Engeln auf das von ihm vor zehn Jahren geborene Literaturfest über die Jahre ganz ordentlich ausgeschüttet, da hat sich keiner beklagt, schon gar nicht der jeweilige Kurator, die Kuratorin, die dazu gehören wie der Säugling zum Taufbecken! (mehr …)
by LiSe | 29. Apr. 2019 | Blog, Lyrische Kostprobe
Muttersprache
Türkisch ist meine Muttersprache
Meine Muttersprache ist Deutsch
Die Brüste haben mich nicht gestillt
Mich zeugten heimlich die Zitzen einer Hindin
Meine Sprache ein Geweih heterodox
Am korrekten Ausdruck vorbei
Ich übersetze nicht
keine Sprache ich setze
aus dem Nichts über
Oya Erdogan
by LiSe | 29. Apr. 2019 | Blog, Vermischtes
Carl Amerys Nachlass in der Monacensia
Von Michael Berwanger
Wer sich das äußerst arbeitssame und vielschichtige Leben Carl Amerys vor Augen führt, wird es vollkommen sinnrichtig finden, dass sein Nachlass heute zu neunzig Prozent in der Monacensia liegt. Das Literaturarchiv, das zur Münchner Stadtbibliothek gehört, war schon zu Lebzeiten Amerys in den Besitz großer Teile des Vorlasses gekommen. Schließlich war Carl Amery von 1967 bis 1971 Direktor der Münchner Stadtbibliothek; nicht gerade ein selbstverständlicher Job für einen Literaturtheoretiker und Schriftsteller. (mehr …)
by LiSe | 29. Apr. 2019 | Blog, Vermischtes
Die Internationale Jugendbibliothek empfiehlt für Mai diese beiden Neuerscheinungen:
Michael Roher:
Wer stahl dem Wal das Abendmahl
Luftschacht
Bei diesem kleinen Wunderwerk der (Kinder)Lyrik muss man mit den Bildern anfangen: feinen schwarz-weiß Zeichnungen, Collagen und Lithographien, die mal kraftvoll expressiv, mal zart und poetisch den Band zu einer Augenweide machen. Der Leser taucht ein in eine Welt voller Lebenskünstler: Akrobaten, Zauberer, Musikanten und viele andere. Die kurzen Gedichte sind oft unsinnig und sehr witzig, spielen mit Kinderreimen, aber auch Philosophisches hat sich eingeschlichen. Eine verrückte Welt, an der Leser allen Alters ihren Spaß haben. (mehr …)
by LiSe | 29. Apr. 2019 | Blog, Vermischtes
Den 26. Haidhauser Werkstattpreis des Münchner Literaturbüros hat der Münchner Autor Helmut M. Schmid im gut besetzten Carl-Amery-Saal des Gasteigs am 6. April vor Klaus Schuster und den Lyrikern Marc Richter und Veronique Dehimi gewonnen. Der mit 300.- Euro dotierte reine Publikumspreis wurde diesmal unter acht Autorinnen und Autoren ausgefochten, die sich in den 12 Monaten davor als Freitag-Abendsieger im MLb ebenfalls vom Publikum wählen ließen. Auch im Finale diskutierte das Auditorium und beteiligte sich engagiert an der Abstimmung! Die Sieger-Story überzeugte durch humorvolle Mensch-Tier-Konfrontation. Ein Papagei, der lange Zeit bei einem Psychoanalytiker gelebt hatte, zwang seinen neuen Besitzer indirekt, sich auf die Couch zu legen und auf die „Therapie“ mit ihm einzulassen. Ob sie Erfolg hatte, musste freilich offen bleiben.
Der erste Nominierungsabend für den nächsten Werkstattpreis findet am 3. Mai im MLb statt.
W. H.