by LiSe | 26. Feb. 2019 | Blog, Kurzgeschichte
Von Genia Livshi
Der Bus hielt an, die Frau grapschte mit Wucht die Hand des zweieinhalbjährigen Kindes, schob es vor sich hin und kreischte es mit einer leicht befehlenden Stimme an, auszusteigen. Dann folgte sie ihm, während sie hastig die Griffe ihrer großen Tasche an der Schulter zu ordnen versuchte, und stieg vorsichtig, langsam die zwei Stufen hinunter.
Die Landstraße war billig asphaltiert, zerfranst, zweispurig, am Rande staubig, ein Rest des Erdbodens. Einzelne Häuser mit Gärten waren verstreut in der Gegend neben überwucherten Grundstücken, mit von der Sonne verbrannten Gräsern und Kräutern, die vielleicht einen neuen Besitzer suchten.
Sie stand einen Moment da, sah sich um, als ob sie die Umgebung mit all ihren Sinnen erkunden wollte.
„Schön ist es wahrlich nicht“, dachte sie. (mehr …)
by LiSe | 26. Feb. 2019 | Blog, Vermischtes
Eine spannende Vielfalt an Texten steht wieder im Mittelpunkt der WORTSPIELE, die heuer zum neunzehnten Mal in München stattfinden. Insgesamt 30 junge deutschsprachige Autor*innen aus Deutschland, Österreich, der Ukraine, Griechenland, der Slowakei, Russland und Weißrussland werden vom 13. bis 15. März 2019 im Muffatwerk ihre neuen Bücher vorstellen. Themen wie die Suche nach Zugehörigkeit in brüchiger werdender Gegenwart, die Welt der Bibliothek als spannend-abgründiger Schauplatz oder die Wurzeln der Familie in der Fremde und ihre Geheimnisse erwarten die Besucher. Spezielle Elemente des diesjährigen Festivals sind die Installation „Cover Shuffle“ von Nikolai Vogel und die Verleihung des Bayern 2-Wortspiele-Preis, der mit 2000 Euro dotiert ist. Darüber hinaus erwartet die Gewinnerin/den Gewinner ein einmonatiges Aufenthaltsstipendium im Goethe-Institut Peking. Der Gewinnertext wird bei einer öffentlichen Lesung in Peking präsentiert. RED
Infos unter www.festival-wortspiele.eu
by LiSe | 26. Feb. 2019 | Blog, Rezension & Buchempfehlungen
Herbert Kapfer collagiert in seinem Buch „1919“ Originaltexte, Zitate und Fotos aus der Zeit zwischen 1918 und 1938.
Von Bernd Zabel
Jahresanfang 2019, vor 100 Jahren wurde die Münchner Räterepublik ausgerufen, und es vergeht zur Zeit kaum ein Tag, an dem Interessierte in dieser Stadt nicht eine Veranstaltung besuchen könnten, die mit dem Jahrestag zusammenhängt. Ausstellungen, Filme, sogar ein Musical und natürlich eine Unzahl an Publikationen. 1919, ein magisches Jahr, das uns bis heute in seinen Bann zieht. Politische Deutungen, Entlarvungen und Zeitzeugnisse dominieren das Feld. Doch man muss dem Reigen der Texte nicht unbedingt ein weiteres Beispiel hinzufügen. Texte lassen sich auch adoptieren, vor allem wenn es weitgehend unbekannte, gute sind. (mehr …)
by LiSe | 26. Feb. 2019 | Blog, Vermischtes
Richtig gehen tut sie ja nicht, unsere langjährige verantwortliche Redakteurin Ina Kuegler. Sie will nur nicht mehr das Sagen haben, sich um alles kümmern müssen, diese Stelle gibt sie auf. Was sie während der neun Jahre auf diesem Posten allerdings zu Wege brachte, hat die LiteraturSeiten München geprägt. Ina Kuegler ist gelernte Journalistin und war 26 Jahre für den Kulturteil der Fürstenfeldbruck-Ausgabe der SZ zuständig, bevor sie zu den LiteraturSeiten stieß. Sie gab dem Blatt die heutige Struktur, führte die Serien auf Seite 2 ein, derzeit über Dichternachlässe, beschränkte die Rezensionen auf Seite 4 auf Bücher von Autoren mit Münchenbezug, und für den Aufmacher–Artikel hielt sie immer nach Themen Ausschau, die dem Literaturbetrieb nahe stehen. Ganz müssen wir auf ihre Mitarbeit aber nicht verzichten, sie wird uns nach wie vor mit Rat und Tat zur Seite stehen und auch immer wieder einen Beitrag schreiben. Darauf freuen wir uns. Red
by LiSe | 26. Feb. 2019 | Blog, Vermischtes
Schreibwettbewerb: Schreib deinen eigenen Krimi und mach mit!
Alle eingesandten Krimis werden von einer Jury gelesen. Die Gewinner*innen werden in drei Altersgruppen ermittelt. Für Schulklassen und Schreibgruppen, die gemeinsam und mit mehreren Texten am Krimi-Schreibwettbewerb teilnehmen, gibt es zusätzlich die Chance auf Erwähnung als Schreibteam. Alle Krimis werden veröffentlicht und die Preisträger*innen lesen ihre Krimis u. a. bei der Kinder-Kriminacht in der Seidlvilla und auf der Münchner Bücherschau im Gasteig vor. Wettbewerbsunterlagen und alle Termine zu den Schreibwerkstätten unter www.muenchner-stadtbibliothek.de und www.kinderkrimifest.de
Bitte Ausschreibungsunterlagen anfordern. (mehr …)
by LiSe | 14. Feb. 2019 | Blog, Vermischtes
Der Schriftsteller Ingo Schulze kuratiert das forum:autoren des 10. Literaturfests München (13. November bis 1. Dezember) und hat dafür das Motto „Einübungen ins Paradies. Fragen an die Welt nach 1989“ ge- wählt. Ingo Schulze möchte auf die nachhaltigen Folgen des Umbruchs in der Gegenwart blicken und gemeinsam mit deutschsprachigen wie auch internationalen Autorinnen und Autoren erkunden, wie diese literarisch wahrgenommen und gedeutet werden. „Denn vor allem durch Literatur können wir besser erkennen, in welcher Zeit wir leben“, so Schulze. (mehr …)
by LiSe | 29. Jan. 2019 | Blog, Titelgeschichte
Über das Sammeln und Verwahren von literarischen Nachlässen
Von Christine Erfurth
Briefe, Tagebücher und Manuskripte – einzigartige, authentische Schriftstücke bilden den Nachlass von Schriftstellern. Vor knapp 200 Jahren schrieb Johann Wolfgang von Goethe in seinem Aufsatz „Archiv des Dichters und Schriftstellers“, dass seit dem Sommer 1822 „nicht allein Gedrucktes und Ungedrucktes, Gesammeltes und Zerstreutes vollkommen geordnet beisammen steht, sondern auch die Tagebücher, eingegangene und abgesendete Briefe in einem Archiv beschlossen sind“. Mit seinen Gedanken, der akribischen Organisation seiner Werkausgabe und seines Nachlassarchivs prägt er bis heute unsere Vorstellung vom Schriftstellernachlass als kulturelles Erbe. Die LiteraturSeiten München wollen in einer neuen Serie literarische Nachlässe vorstellen, die in enger Verbindung mit München und Bayern stehen. (mehr …)
by LiSe | 29. Jan. 2019 | Blog, Kolumne
Diese Stadt ist ja unbewohnbar wie der Mars, im Winter wegen der Schneemassen, im Sommer wegen Föhn und dazwischen wegen beidem gleichzeitig. Die Meteorologen ignorieren München einfach (genau wie T. Bernhard übrigens). Sie sprechen von „Alpenrand“ oder von „südlich der Donau“, und der Münchner weiß nicht, ob seine Stadt vielleicht gemeint sein könnte. Kommt jetzt der Schnee oder bleibt doch der Föhn, er quält sich mit dieser Ungewissheit, der Münchner, verzweifelt sucht er nach der Wetterwahrheit. Das ist auf Dauer ungesund, das macht ihn so grantig! Deshalb haben uns auch schon so viele Autoren verlassen, sterben einfach weg oder streben in den Norden. (mehr …)