[LiSe 06/17] Aktionstag: Bookuck die Dritte

Münchner Buchhandlungen laden zum Aktionstag

Am Samstag, 24. Juni, heißt es zum dritten Mal „bookuck! Münchens beste Seiten. In Ihrer Buchhandlung“. 41 Buchläden laden mit unterschiedlichsten Aktionen Kids, Teens und Erwachsene zum Miterleben und Mitfeiern ein. Auffällig leuchtet das orangefarbene Aktionsplakat bookuck! im Stadtbild und zeigt auch in den Schaufenstern und an den Türen der Buchhandlungen an, welche Buchläden mitmachen. (mehr …)

[LiSe 06/17] Rezension: Bis zum Tod ein Emigrant

Eine neue Biografie würdigt Oskar Maria Graf

von Antonie Magen

Als Oskar Maria Graf am 28. Juni 1967 in New York im Alter von 72 Jahren starb, hatte er fast die Hälfte seines Lebens im Exil zugebracht. Dessen Beginn markierte er in seiner zweiten Autobiografie „Gelächter von außen“ (erschienen 1966) rückblickend mit dem 6. März 1933, dem Tag, an dem seine Lebensgefährtin Mirjam Sachs nach der letzten freien Reichstagswahl der Weimarer Republik in Wien eingetroffen war. Graf selbst befand sich schon seit Februar auf einer Lesereise in Österreich. Nach Deutschland kehrte er erst 1958 zurück, kurz nachdem er die amerikanische Staatsbürgerschaft erhalten hatte. Allerdings beschränkten sich seine Aufenthalte in Europa der fünfziger und sechziger Jahre auf drei Reisen. – Unzufrieden mit dem Nachkriegszustand Westdeutschlands und der mangelnden Würdigung seines Werkes, das zumindest in der BRD erst ab 1960 wieder Aufmerksamkeit erregte, kehrte er nicht dauerhaft in sein Geburtsland zurück und blieb bis zu seinem Tod Emigrant. (mehr …)

[LiSe 05/17] Die Kellnerin vom Lande

Eva Leidmanns Romane werden im Mai 1933 von den Nazis verbrannt

Von Ina Kuegler

Im Lichthof der Münchner Uni beginnt der Terrorakt – auf dem Königsplatz endet das barbarische Spektakel: Bücher mit „volkszersetzendem Schrifttum“ werden am 10. Mai 1933 von den Nazis verbrannt. Viele der verbotenen Werke sind bis heute weitgehend unbekannt, so auch die Bücher der aus Mühldorf am Inn stammenden Schriftstellerin Eva Leidmann. Zwei ihrer autobiographischen Romane spielen überwiegend in München oder Dachau, bevorzugt in Wirtshäusern. Diese Werke müssen dem NS-Staat missfallen – schließlich passen sie so gar nicht zu der von den Nazis geforderten Idealisierung von Bauerntum, Volksgemeinschaft sowie der Blut- und Bodenideologie. (mehr …)

[LiSe 05/17] Kolumne: Der nackte Arzt

Das wäre wieder so eine Überschrift, so ein Buchtitel, an denen man vor der Auslage unwillkürlich stehen bleibt und hineingeht um zu kaufen bzw. zu lesen, muss man haben, will man wissen – oder? Beispiele für wesentlich raffiniertere Titel gibt es viele, oft stammen sie vom Verleger selbst, wie etwa „Das Herz ist ein einsamer Jäger“. Und sie haben kaum noch etwas mit dem Inhalt zwischen den Buchdeckeln zu tun. Oder sie sind zu Alltagswendungen geworden wie „Im Westen nichts Neues“, „Wer einmal aus dem Blechnapf frißt“ oder „Vom Winde verweht“ – auch wer das nicht alles gelesen hat, kann es verwenden nach Belieben. Da loben wir uns doch seriöse Titel, die sich dennoch verkaufen, wie etwa „Das war mein Leben“, Ferdinand Sauerbruch, Berlin 1950. (mehr …)

[LiSe 05/17] Münchens literarische Orte (Folge 11)

Alles im Fluss

Am 20. Mai geht es mit „Hörgang“ und Autoren durch Bogenhausen

Von Stefanie Bürgers

Man stelle sich vor: Unten rauscht die Isar, oben lauscht eine Gruppe von Menschen einer Lesung. Wie schön, so ein zufälliges Zusammentreffen von Muße und Darbietung an so einem exponierten Ort. Das Oberföhringer Stauwehr ist bekannt als Tatortkulisse, Fundort von allerlei Schwemmgut. Den Münchnern dient es oben als verbindende Brücke zwischen rechtem Isar-ufer und Englischem Garten. Spannend, was hier vor sich geht. Ein „flashmob“? Weit gefehlt. Das Wehr ist einer der ausgewählten Schau- oder besser „Hörplätze“ für das Erlebnis „Hörgang“. (mehr …)

[LiSe 05/17] Lyrische Kostprobe

gezeiten

ich kann es nicht benennen: ebbe oder flut
meinen koffer müsst ich packen nur das
wenigste um nicht zu frieren zu schwitzen
die windeseile dämmen das hereinbrechen
eines zustands mein wissen mein gewissen
schlägt purzelbäume fruchtlose ängste – ja:
bei aller wiederholung streikt der verstand
zieht sich naturgemäss zurück wie das meer
fühlbar unter füssen das verborgene getier
harte schalen und krusten im innern leere

verlassener strand

Lisa Elsässer
aus: „Flussbewohner“
Orte-Verlag, 2017

[LiSe 05/17] Vortrag: Zur Bücherverbrennung im NS-Doku-Zentrum

„ … Dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen“,

sagte einst Heinrich Heine – und er sollte Recht behalten. Nationalsozialisten und deutsche Akademiker verbrannten 1933 in mehr als 100 Städten tonnenweise Bücher pazifistischer, oppositioneller, jüdischer, marxistischer und anderer politisch missliebiger Schriftsteller. In München fand auf dem Königsplatz ein ähnlich inszenierter „Verbrennungsakt“ wie in Berlin statt. (mehr …)

[LiSe 05/17] Kurzgeschichte: Job Interview

Und was wollen Sie in den nächsten fünf Jahren bei uns erreichen?” Der Personalchef – er hieß Dr. Schneider –, spielte gedankenverloren mit seinem Füllfederhalter, während er mir diese Frage stellte. Die Frage aller Fragen.

Natürlich hatte ich in den Handbüchern für Bewerber geblättert und dort die Antwort auf die Frage aller Fragen gefunden: Karriere, Geld, Betriebsklima. Aber wenn ich ehrlich war, gab es nur einen Grund, warum ich mich als Marketingassistent bei diesem Touristikunternehmen beworben hatte: Ich hegte die vage Hoffnung, auf diesem Job eine Weile zu parken, bis mir eine bessere Idee kam. Das Unternehmen hatte auf mich die Anziehungskraft einer Zeitung, die seit drei Tagen im Rinnstein liegt. Mir war klar, dass ich mit dieser Motivation in den Augen meines Gegenübers den Text der Stellenanzeige nicht einmal hätte lesen dürfen; geschweige denn, mich bewerben. (mehr …)