[LiSe 09/23] Kolumne: Matrjoschka

Es war einmal ein Kulturzentrum, das stand an einem garstigen Steig. Weil es aber so protzig und klobig war, hat es nie jemand so richtig liebgewonnen. Nach kaum 40 Jahren war es vom ständigen Benutzen und Bespielen so schwach geworden, dass die Stadtmütter und -väter beschlossen, es solle eine Kur bekommen. Sie legten einen Zeitplan für die Reha fest. Und so flohen die ansässigen Institutionen aus dem Kulturzentrum, eine jede in eine andere Richtung. (mehr …)

[LiSe 09/23] Lyrische Kostprobe „Gedichte sollten einfach sein“

Frank Schmitter kam 1957 in Krefeld zur Welt. In seinem Berufsleben war er Bibliothekar – im Juli dieses Jahres ging er in Pension. Seit 1999 wurde seine Lyrik und Prosa in Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht. Vier Kriminalromane sowie drei Lyrikbände und eine Novelle erschienen in der Lyrikedition 2000 im Münchner Allitera-Verlag und in der edition offenes feld, Dortmund. (mehr …)

[LiSe 09/23] Kurzgeschichte: Breakdancer, TU-Mensa

Von Tiny Stricker

In einer anderen Jahreszeit, die jetzt anscheinend schon weit zurückliegt, sah ich einmal zwei Breakdancer am Eingang der TU-Mensa beim Üben. Der Schauplatz war sehr gut gewählt: Zwei Stufen führen hinauf zu einer Art Vorhalle mit Säulen, es hat etwas von einer weiten Bühne, erinnert auch abstrakt an eine Tempelfront. Alles ist eckig, nüchtern, rechtwinklig, technisch hier, die Säulen aus Beton, die Bodenplatten, Lamellen an der Decke. Sogar der CD-Spieler, den die beiden dabeihatten, fügte sich nahtlos ein: ein längliches, tönendes Vierkantstück mit Tragegriffen für den Zug durch das Ghetto. (mehr …)

[LiSe 09/23] Schreibwerkstatt: Geschichte inspiriert

Im Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst (SMÄK) steckt jede Menge Stoff für Geschichten und Figuren. Es blickt in die Vergangenheit und erzählt dabei von unserer Gegenwart. Beantwortet Fragen und wirft zugleich neue auf. Gibt Impulse, schult das Beobachten – und bietet daher den besten Platz für kreatives Schreiben. Das SMÄK lädt fantasieliebende und schreibaffine Wortakrobat*innen ab dem Jugendalter zur „Schreibwerkstatt SMÄK“ in ihr Museum. (mehr …)

[LiSe 09/23] Rezension: Mord im Hause Adlon

Eine Rekonstruktion von Ulrike Claudia Hofmann

Von Stefanie Bürgers

Die blutüberströmte Leiche der 47-jährigen Sonja Bletschacher wurde am 12. Dezember 1951 in deren Wohnung in der Villa Adlon in Starnberg gefunden. Unzählige Messerstiche und eine mutmaßliche Schussverletzung haben zum Tod geführt. Da die Tür unbeschädigt war, musste das Opfer geöffnet haben. Die Vermutung, dass eine Beziehungstat vorläge, war also Ausgangspunkt der umfangreichen Ermittlungen. Auch die prominente und streitsüchtige Vermieterin Ottilie Adlon, die erste Ehefrau des Berliner Hoteliers Louis Adlon und deren verhaltensauffällige Tochter Elisabeth gerieten in den Fokus der Untersuchungen, die aber ergebnislos blieben. Die Ermittlungen zogen sich, weitere Personen wurden vernommen. Das Ergebnis der kriminaltechnischen Untersuchungen ließ Monate auf sich warten: die eingesendete Haarprobe biete nicht ausreichend Material, so hieß es. (mehr …)