by LiSe | 1. Dez. 2025 | Blog, Rezension & Buchempfehlungen
Die Mitarbeiter*innen der Münchner Stadtbibliotheken empfehlen für Dezember diese Neuerscheinungen:
Katie Yee: Maggie
park x ullstein
Mit ihrem Mann Sam und ihren zwei Kindern führt die Hauptfigur ein glückliches Leben in Brooklyn – bis Sam ihr eines Abends in einem Restaurant eröffnet, dass er eine Affäre mit einer Frau namens Maggie hat. In den darauffolgenden Tagen spürt sie immer wieder ein Stechen in ihrer Brust, und die Diagnose bringt Gewissheit: Es ist nicht nur der Liebeskummer, sondern ein Tumor. Während sie durch Strahlentherapie und Scheidungsformalitäten navigiert und irgendwie versucht, mit alldem klarzukommen, beginnt sie, mit ihrem Tumor zu sprechen. Kurz entschlossen gibt sie ihm einen Namen: Maggie. Mit Feingefühl und Komik erzählt Katie Yee, wie man sich sein Leben zurückerobert. (mehr …)
by LiSe | 1. Dez. 2025 | Blog, Rezension & Buchempfehlungen
Wie immer zur Weihnachtszeit empfehlen Redaktionsmitglieder der „LiteraturSeiten München“ ihre Lieblingsbücher des Jahres.
Zwischen Ost und West
„Eldest Immigrant Daughter“: Was nach einem stolzen Titel klingt, ist für die Erzählerin Didi eine Bürde. Die älteste Tochter in einer Anfang der 1990er Jahre aus dem slowakischen Bratislava nach Wien ausgewanderten Familie zu sein, heißt vor allem, eine dauerhafte Mehrfachbelastung zu stemmen. Von klein auf jongliert Didi mit mehreren Rollen und Funktionen – der glänzenden Einser-Schülerin und Nachhilfelehrerin für ihren jüngeren Bruder, der Kulturvermittlerin und Dolmetscherin, die die Eltern bei den Behördengängen und Bewerbungsgesprächen begleitet. Niemals darf sie versagen, nie darf sie auffallen – und immer muss sie besser sein als die anderen. Dieser immense Erwartungsdruck entfernt sie zunehmend von ihrem Vater. Mehr als zehn Jahre lang haben sie keinen Kontakt mehr – bis Didi von ihm einen Anruf aus dem Krankenhaus erhält. Kann sich die Tochter dem Vater und seinem „Ostblockherz“ wieder nähern? Finden sie zu einer Sprache der Geborgenheit zurück? Der schmale Roman mit autobiografischen Zügen erzählt schnörkellos und überzeugend von Migration, Identität und Zugehörigkeit.
Slávka Rude-Porubská (mehr …)
by LiSe | 1. Dez. 2025 | Blog, Vermischtes
Wir trauern um unsere Kollegin und Freundin Inge Pröll, die am 4. November für immer von uns gegangen ist. Die promovierte Sozialwissenschaftlerin, Journalistin und ehemalige „natur“-Redakteurin hatte sich 2021 auf eine Anzeige hin bei uns gemeldet. Ihre frische, zupackend-fröhliche Art und ihr profundes Wissen waren für uns bis zuletzt eine große Bereicherung. Wir möchten Inge auf diesem Weg einen letzten Dank für ihre stete Unterstützung zusenden. Wir werden sie vermissen!
Die Redaktion „LiteraturSeiten München“
by LiSe | 26. Nov. 2025 | Blog, Vermischtes
Der Literaturwissenschaftlerin Carolin Amlinger und dem Soziologen Oliver Nachtwey wurde heute in München vor rund 600 geladenen Gästen der Geschwister-Scholl-Preis verliehen. Sie erhalten den Preis für ihr Buch „Zerstörungslust. Elemente des demokratischen Faschismus“ (Suhrkamp). Die Auszeichnung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels – Landesverband Bayern und der Landeshauptstadt München ist mit 10.000 Euro dotiert. Bei dem feierlichen Festakt in der Großen Aula der Ludwig-Maximilians-Universität sprachen als Vertreter der Stifter des Preises Oberbürgermeister Dieter Reiter und Klaus Füreder, Vorsitzender des Börsenvereins in Bayern. Prof. Dr. Matthias Tschöp, Präsident der Ludwig-Maximilians-Universität, begrüßte als Hausherr. Die Laudatio hielt Thomas Krüger, der bis 2025 Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung war. (mehr …)
by LiSe | 16. Nov. 2025 | Blog, Vermischtes
Ausschreibung hat begonnen – Einsendeschluss ist der 3. Januar 2027
Das Bewerbungsverfahren für den Lyrikpreis München 2027 ist eröffnet: Ab sofort können sich Autorinnen und Autoren mit ihren Beiträgen um den renommierten Preis, der seit 2010 vergeben wird, bewerben. Das Wettbewerbsthema lautet diesmal „Dürers Melencolia I und die Gravur der Gegenwart“. (mehr …)
by LiSe | 30. Okt. 2025 | Blog, Titelgeschichte
Von Katrin Diehl
„Jella Lepman und ihre Bibliothek der Träume“, ein Bilderbuch für Jugendliche und junge Erwachsene, ist eine Verneigung vor einer Frau, die allzu lange unbeachtet gewesen ist. Erst seit den 2000er Jahren gibt es, vor allem aus Kreisen der an Kinder- und Jugendliteratur wie deutsch-jüdischer Kulturgeschichte Interessierten, Bemühungen, die sehr besondere, kluge und durchsetzungsstarke Frau nach vorne zu holen. Es wird geforscht und entdeckt, erkannt auch, wie lückenhaft sich ihr Leben noch immer darstellt. Lepman ist mit Auskünften zur eigenen Person, dem eigenen, alles andere als einfachen Leben äußerst zurückhaltend gewesen ist. Es ging ihr um die Sache. (mehr …)
by LiSe | 30. Okt. 2025 | Blog, Kolumne
Es gibt Länder und Städte, da macht in den öffentlichen Verkehrsmitteln ein Piktogramm darauf aufmerksam, dass Manspreading unerwünscht ist.Manspreading beschreibt ein Verhalten, nämlich das von Männern, sich sehr breitbeinig hinzusetzen, den Blick freizugeben auf ihren wunderbaren Schritt. Vielleicht ist das bequem, vielleicht ein Ergebnis von Erziehung, vielleicht der Hinweis auf fehlendes Selbstbewusstsein. Keine Ahnung. Ist ein prima Thema für den Küchentisch, an dem dann jeder so genüsslich wie unterhaltsam sein Wissen zu Social-, Behavioral- oder Gender-Studies auspacken darf. Fakt ist, dass so ein breitbeinig dasitzender Mann mehr Platz einnimmt als nötig, Platz, der vielleicht anderen fehlt. (mehr …)
by LiSe | 30. Okt. 2025 | Blog, Lyrische Kostprobe
Für Óscar Colchado Lucio
Patricia Colchado, geboren 1981 in Perú, ist Schriftstellerin, Kinderbuchautorin und Tochter des Schriftstellers Óscar Colchado Lucio (1947 – 2023). Seit 2005 lebt sie in München. Sie stelle sich Poesie als ein gefährliches und zugleich schönes Tier vor, das manchmal brülle, manchmal singe, je nach Sichtweise der Schreibenden und Betrachtenden. Die Poesie staune über die Natur, über die Liebe, vertiefe sich in den Schmerz und prangere auch Gewalt oder Ungerechtigkeit an, reflektiere über Krieg und menschliches Elend. Für Colchado ist Poesie mehr als ein Bedürfnis, sie ist Rettung und die Gewissheit, nicht allein auf dieser Welt zu sein. Red
III
Mit welchen botanischen Schönheiten
müssen wir den Saal schmücken, in dem wir dich bestatten werden,
wenn der Moment gekommen ist?
Die Blumen sind ebenso abgerissene Leichname
eines musikalischen Gartens.
Ich stelle mir dich laufend vor durch Felder voll
von leuchtenden Gewässern,
verzückt die mystische Flora
unbekannter Universen beobachtend,
du pflanzt in ihnen Sinfonien;
währenddessen verzweifle ich daran
irgendeine zu säen, die dich in dieses Leben verwurzelt.
(Aus dem Spanischen übersetzt von Sebastian Witzel)
Patricia Colchado: Astro de luz sinfónica (in spanischer Sprache)
Hipatia editiones, Perù 2025, 10 $ (über hipatiaedicion.com)