mit Ruth Geiersberger und dem Mesconia-Quintett
Musik von Nino Rota, ihrem Zeitgenossen und Oscar-Preisträger für Filmmusik
Idee: Katja Duffek; Stimme, Performance, Regie: Ruth Geiersberger
Mesconia Quintett: Katja Duffek, Corinna Schröder (Vl), Anja Hepp-Dierig (Va), Julia Herrscher (Vc), Susanne Goderbauer (Kb)
„Die Normalität ist eine Erfindung der Phantasielosen.“
Alda Merini (1931-2009) ist sowohl für ihre poetische Ausdruckskraft als auch für ihr außergewöhnliches Leben berühmt. Ihr Werk ist geprägt von Sensibilität, Schmerz und Ironie, Ver-Rücktheit, mystischem Denken und klarem Verstand. In ihrer unnachahmlichen Art beschreibt sie das Leben wie eine Wunde, aber auch wie ein Wunder.
Sie publizierte ihre ersten Gedichte in den frühen 50er Jahren und wurde (u.a. von Pasolini) gefeiert als eine neue, visionäre Stimme, voller Anmut und Wildheit. Über eine lange Phase als Patientin der psychiatrischen Klinik Paolo Pini schrieb 1986 sie „Die andere Wahrheit“, das „Tagebuch einer „Andersartigen“. Es folgten zahlreiche Publikationen bei großen Verlägen, wie Einaudi und Mondadori. 2006 wurde sie für den Literatur Nobelpreis vorgeschlagen. In ihrer letzten Lebensphase wurde ihre Wohnung im Mailänder Bezirk Navigli ein zentraler Ort der künstlerischen Szene.
Nach ihrem Tod am 1.11.2009 bekam sie ein Staatsbegräbnis im Mailänder Dom und wurde auf dem Friedhof „Cimitero Monumentale“ beerdigt neben Literaturgrößen wie Alessandro Manzoni und Salvatore Quasimodo.
Gerade bei einem jungen Lesepublikum hat Merini heute in Italien Kultstatus. Man sieht in vielen Städten Italiens ihr Konterfei als Graffiti, begleitet von ein paar Gedichtzeilen, sie ist ein postumer TikTok- und Insta-Star. Ihre Botschaft wird als ein Gesang der Freiheit und ein Protest gegen jede Form der Ausgrenzung verstanden.
Nino Rota (1911-1979) ist vor allem durch seine Filmmusik bekannt geworden, unter anderem für Fellini und Coppola.1975 bekam er einen Oscar für „Der Pate“. Er selbst verstand sich als klassischer Komponist, war aber auch ein außergewöhnlich fantasievoller Improvisator. Die tiefen emotionalen und melodischen Qualitäten aus seiner Filmmusik finden sich auch in klassischen Kompositionen wie dem „Concerto per archi“ von 1965.
Ruth Geiersberger, Trägerin des renomierten Theaterpreises der Stadt München (2023) ist eine herausragende Performerin, Schauspielerin, Sprecherin und Beobachterin. Sie wird ihren Blick auf die kleinen und großen Dinge im Leben Alda Merinis werfen und in Originaltexten (erstmals auf deutsch) ihr außergewöhnliches Leben und poetisches Genie dem Publikum nahe bringen.
In einer Klang- und Wort-Performance begegnet man den Worten von Alda Merini manchmal barfuß, manchmal schreiend, und der bittersüßen Musik von Nino Rota, der wie sie mit der Stille tanzt. Das „concerto per archi“ wurde 1965 komponiert, in dem Jahr, als Merini in die psychiatrische Klinik Paolo Pini eingewiesen wurde.
Donnerstag 12. und Freitag 13. Februar
20 Uhr