Termin: Freitag, 23. Oktober 2026, 19.00 Uhr
Sprecher: Stephan Schäfer (Köln)
Ort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München
In Kooperation mit: Arbeitskreis für ost- und westpreußische Landeskunde der LMU
Siegfried Lenz erzählt in den „Masurischen Geschichten“ von den liebenswerten Käuzen und Querköpfen des Dorfes Suleyken, irgendwo im Süden Ostpreußens zwischen Torfmooren, sandiger Öde, verborgenen Seen und Kiefernwäldern. In zwanzig Schelmengeschichten setzt er Landschaft und Menschen ein literarisches Denkmal. Bei aller Leichtigkeit des Stils sind es tiefsinnige Erkundungen der masurischen Seele. Der miterlebende Erzähler, dessen Ton Naivität vortäuscht, trifft die Helden, die in erfrischend unprätentiöser Nachdenklichkeit über elementare Lebensfragen sinnieren. Lenz rühmt die Originalität und unterschwellige Intelligenz dieses Menschenschlags mit blitzhafter Schläue, tapsiger Zärtlichkeit und rührender Geduld. Figuren wie der lesefreudige Großvater Hamilkar Schass, der reiche Stanislaw Griegull mit seinem absurden Geduldsduell oder der schöne Alec, dem das Erbe seines Onkels bevorsteht, spiegeln die Skepsis der Dorfbewohner gegenüber technischem Fortschritt, etwa der Jungfernfahrt der Kleinbahn Popp.
