[LiSe 06/16] Kolumne: Alles nur Romane

Als Mitte Mai dieser kräftige blaue Hai vor Mallorca seine Kreise zog, die Bademeister Liegestühle in den Sand setzten, Sonnenschirme, da dachte mancher Mallorca- und Sonnenhungrige: Diese ganzen Romane, die in diesen Liegestühlen schon gelesen wurden und demnächst wieder gelesen werden, was nützen sie uns, um in rechter Weise mit dem Blauhai umzugehen? (mehr …)

[LiSe 04/16] Kolumne: Nachfolgequal

Ein Krake wäre, um mit der Tür ins Haus zu fallen, nicht die schlechteste Lösung, mit acht Tentakeln, Saugnäpfen, Reichweite, die Probleme des neuen Literarischen Quartetts zu lösen, das seit Oktober letzten Jahres im ZDF als Nachfolger des Marcel R.-R.-Quartetts präsentiert wird. Aber gemach: Die Suche nach einem Nachfolger ist ein harter Job; nur ganz selten gelingt es dem Alphatier selbst, sich rechtzeitig um einen geeigneten Kandidaten zu kümmern, ihn nach und nach „aufzubauen“. Wir denken an Bismarck, Adenauer, Christian Ude. Er muss erheblich jünger sein, talentiert, aber nicht von auffallender Intelligenz, darf nichts wissen von Leichen im Keller seines Vorgängers und muss doch vom Milieu als kompetent akzeptiert werden. Von dem sehr speziellen Milieu, in das er geworfen wird, von den Medien und den Konsumenten, die ihn nach und nach verbrauchen sollen und werden. Auch in der hier verhandelten Causa hatte der einstige Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki keinen Gedanken an einen Nachfolger verschwendet – die Musik der eigenen Unersetzlichkeit übertönte alles. (mehr …)

[LiSe 03/16] Kolumne: Knotenkunst-knoten

In diesem Winter tragen wir unseren Schal wieder locker, leicht geschürzt und lässig, fast wie einst der große Theodor Storm, denn wir wissen, eigentlich schon seit der Story von Gordios 333 v. Ch., das feste Schnüren bringt‘s nicht, irgendwann kommt ein Alexander und löst ihn ja doch oder zerschlägt ihn, den Knoten. Vor sechs Jahren war das noch anders, als der Feldherr KT von und zu Guttenberg seinen weißblauen Edelschal kälberstrickartig vor der Brust knotete , und die Männer ihm brav folgten, die Wählerinnen ihm zu Füßen lagen – vorbei . (mehr …)

[LiSe 01/16] Kolumne: Häschtäglich Täsch

Häschtäg oder hächtäsch schwirrte es plötzlich Ende des letzten Jahres ständig aus dem Fernseher durchs Zimmer, egal wo man saß oder sah, wie eine Motte, aus Jauch, Will oder Maischberger oder war es jäschkläsch, egal, einige Male konnte man mit der Hand danach schnappen, aber es wich geschickt aus. Ich hatte es noch nie gehört oder gesehen. Andere, die total PC-affin sind, händeln das Wörtchen sicher schon seit Jahren, mag sein, aber unsere Welt klafft ja längst himmelweit auseinander, Parallelwelten! Oder war das wieder eines dieser Worte und Dinge, die plötzlich auftauchen und meist genauso schnell wieder verschwinden. Sicher irgendwas Manipuliertes, das in die Werkstatt zurückgerufen und umgerüstet werden muss, Anfang des Jahres, spätestens, häschtäg, Gesundheit! (mehr …)

[LiSe 12/15] Kolumne: Fuck-up-Nights

Manchem Anfang wohnt ein Zauber inne, aber auch ein Scheitern … doch gerade dieses Scheitern und das Bekenntnis dazu kommen derzeit groß in Mode. Junge Ökonomen bekennen sich z. B. an der ehrwürdigen Frankfurter Universität in „Fuck-up-Nights“ dazu, mit mindestens einer Firmengründung gescheitert zu sein und es sofort wieder zu versuchen. – Moment mal, wir haben doch hier jetzt Advent, die Zeit der weichen Herzen und Kerzen und der unzähligen Ludwig Thoma-„Heilige Nacht“-Lesungen! Werfen wir also einen prüfenden Blick auf die Chancen jenes Start-up-Unternehmens, wie es das Neue Testament uns als literarische Quelle und der bayerische Oberdichter in marzipansüßer Vers-Variante überliefern: Betlehem-Konzept, Knowhow, Personal und Kapitalausstattung. (mehr …)

[LiSe 11/15] Kolumne: #Flop & Top

Jetzt, da der Pulverdampf der Salutschüsse sich verzogen hat vom 100. Geburtstag des vermeintlichen Politikers F. J. Strauß, wird uns schmerzlich bewusst, wie wenig FJS doch als großer Lyriker gewürdigt worden ist! Dabei enthält sein brillanter Vers „Eher gehe ich Ananas / Züchten in Alaska, als / Bundeskanzler zu werden“ Witz und Sprache moderner Poesie im Kern, in nuce, wie er gesagt hätte. Vorbei, vorbei, die Bundeskanzler-Sache war sein Flop und damit auch die Poesie. (mehr …)