by LiSe | 29. Aug. 2016 | Blog, Kolumne
Das soll es sein: Der Vater im Fond der Familienkutsche mit einem oder zwei Kindern, die Mutter am Steuer, so rollen jetzt die Heimkehrer über den Brenner, die Karawanken oder vom Bodensee wieder in München ein. Der hochgebildete Vater liest leichte Lyrik vor, Kästner, Eugen Roth oder ein Pixi-Buch, die Mutter, souverän, bleibt auch im Stau ganz ruhig, fährt niemals zu dicht auf, liefert sich keine Wettrennen mit anderen Verkehrsrowdys! Ja, überall schwappt der Frauenanteil über die Ufer, man schaue nur in die Justiz, in die Kliniken, von den Schulen ganz zu schweigen. Wir kommen auf sie zurück. Auch am Steuer hat der Mann nichts mehr zu suchen. „Writers don’t drive“ – und „Writer“ sind auch Denker. In einer Beziehung ist immer nur einer der Denker, und dies beanspruchen nach wie vor die Männer für sich – klar, dass sie dann nach hinten gehören. (mehr …)
by LiSe | 30. Juni 2016 | Blog, Kolumne
Verstohlen wischt sich manches Kind den Mund ab, mit dem Ärmel, wenn die Mutter es geküsst hat. Was aber, wenn es die Muse war und nicht die Mutter? Und wenn das Kind kein Kind, sondern ein Lyriker, eine Lyrikerin, ein Fabelwesen also, dünnhäutig, durch Spiegel in andere Welten tretend, trunken von Küssen – Wesen, die man um diese Jahreszeit vermehrt des nachts an S-Bahnhöfen antrifft, in Hotellobbys und Abflughallen, mit zerrauftem Haar und tiefen schwarzen Ringen unter den Augen, „Panda-Augen“, wie die Werbung neuerdings höhnt. Das alles sind Verlierer, deren es viel mehr gibt als Gewinner, und denen hier unbedingt mal ein Röslein gebrochen werden soll – vor allem, wenn man ihnen gerade ein Veilchen geschlagen hat. (mehr …)
by LiSe | 30. Mai 2016 | Blog, Kolumne
Als Mitte Mai dieser kräftige blaue Hai vor Mallorca seine Kreise zog, die Bademeister Liegestühle in den Sand setzten, Sonnenschirme, da dachte mancher Mallorca- und Sonnenhungrige: Diese ganzen Romane, die in diesen Liegestühlen schon gelesen wurden und demnächst wieder gelesen werden, was nützen sie uns, um in rechter Weise mit dem Blauhai umzugehen? (mehr …)
by LiSe | 31. März 2016 | Blog, Kolumne
Ein Krake wäre, um mit der Tür ins Haus zu fallen, nicht die schlechteste Lösung, mit acht Tentakeln, Saugnäpfen, Reichweite, die Probleme des neuen Literarischen Quartetts zu lösen, das seit Oktober letzten Jahres im ZDF als Nachfolger des Marcel R.-R.-Quartetts präsentiert wird. Aber gemach: Die Suche nach einem Nachfolger ist ein harter Job; nur ganz selten gelingt es dem Alphatier selbst, sich rechtzeitig um einen geeigneten Kandidaten zu kümmern, ihn nach und nach „aufzubauen“. Wir denken an Bismarck, Adenauer, Christian Ude. Er muss erheblich jünger sein, talentiert, aber nicht von auffallender Intelligenz, darf nichts wissen von Leichen im Keller seines Vorgängers und muss doch vom Milieu als kompetent akzeptiert werden. Von dem sehr speziellen Milieu, in das er geworfen wird, von den Medien und den Konsumenten, die ihn nach und nach verbrauchen sollen und werden. Auch in der hier verhandelten Causa hatte der einstige Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki keinen Gedanken an einen Nachfolger verschwendet – die Musik der eigenen Unersetzlichkeit übertönte alles. (mehr …)
by LiSe | 1. März 2016 | Blog, Kolumne
In diesem Winter tragen wir unseren Schal wieder locker, leicht geschürzt und lässig, fast wie einst der große Theodor Storm, denn wir wissen, eigentlich schon seit der Story von Gordios 333 v. Ch., das feste Schnüren bringt‘s nicht, irgendwann kommt ein Alexander und löst ihn ja doch oder zerschlägt ihn, den Knoten. Vor sechs Jahren war das noch anders, als der Feldherr KT von und zu Guttenberg seinen weißblauen Edelschal kälberstrickartig vor der Brust knotete , und die Männer ihm brav folgten, die Wählerinnen ihm zu Füßen lagen – vorbei . (mehr …)
by LiSe | 29. Dez. 2015 | Blog, Kolumne
Häschtäg oder hächtäsch schwirrte es plötzlich Ende des letzten Jahres ständig aus dem Fernseher durchs Zimmer, egal wo man saß oder sah, wie eine Motte, aus Jauch, Will oder Maischberger oder war es jäschkläsch, egal, einige Male konnte man mit der Hand danach schnappen, aber es wich geschickt aus. Ich hatte es noch nie gehört oder gesehen. Andere, die total PC-affin sind, händeln das Wörtchen sicher schon seit Jahren, mag sein, aber unsere Welt klafft ja längst himmelweit auseinander, Parallelwelten! Oder war das wieder eines dieser Worte und Dinge, die plötzlich auftauchen und meist genauso schnell wieder verschwinden. Sicher irgendwas Manipuliertes, das in die Werkstatt zurückgerufen und umgerüstet werden muss, Anfang des Jahres, spätestens, häschtäg, Gesundheit! (mehr …)