by LiSe | 26. Feb. 2019 | Blog, Lyrische Kostprobe
Losgebunden
Da hast du die Felder gesehen, von weitem,
um Basra, lauter verlassene.
Was hier starb, legt keine Spur und
flog nicht mit Signalen als Nachricht.
Rufe auf dem Markt, zu hören die
Stille der Händler mit ihren alten Figuren
aus Ton und Kupfer. (mehr …)
by LiSe | 29. Jan. 2019 | Blog, Lyrische Kostprobe
Von all den Brücken
nur eine
ohne Geländer
Kommt der Moment
wo du
nicht mehr festhältst
an mir
*
Hatte sich doch ein Fasan
in unserm Garten verfangen
Hechtend suchte ich ihn
an den zum Nacken hin
offenen weißen Halsring
zu packen
Hätte ihn auch gewiss
eigenhändig gerupft
geflammt und abgehangen
Mit höhnischem Gelächter
flog er kurz auf
schlug ich hart auf
sprangen wir aneinander
stolz und tapfer
vorbei
Christian Dörr
by LiSe | 8. Jan. 2019 | Blog, Lyrische Kostprobe
Blaadl im Wind
Da Sommer war a kurzer Draam
für unsern oidn Lindnbaam.
Da Herbst is kemma gar so gschwind,
de gelbn Blaadl zaust da Wind.
Sie wispern midanand ganz staad:
„Boid wern mia alle obegwaht, (mehr …)
by LiSe | 30. Nov. 2018 | Blog, Lyrische Kostprobe
wie man farbige dunkelheit kreiert
stückzahl. geleitworte. ungelenke satzgeschosse
erzählen unzuverlässig von gewinnen. blue chips, werg
qua wertstellungswechsel: im disagio blühen renditen und
gänsefingerkraut-WHAM, aufflackernde ziffernblöcke &
all die homestories, dort,wo obstruktionen regieren. rat race
nachtschwarzer nominalgewinne gewittert hellauf über alle pips.
computer generiert. automatisch überboten. geld-
inkubatoren. palliative abschreibung, badewannenwarm.
der juniorchef macht seinen ersten großprofit. die lücke im ja/nein
schnickschnackt in verfilzten optionswolken. ich sage mir nichts.
Armin Steigenberger
by LiSe | 30. Aug. 2018 | Blog, Lyrische Kostprobe
Afrotilaki
Das also ist meine Erinnerung:
Ein riesiger, überhängender Fels,
mit feinen, fotogenen Rissen und Linien,
dunkel, wie meine Furcht,
mich zu täuschen. Noch immer
am Ufer Steine wie geschorene
Riesenköpfe – gefürchteter Traum –
Und Tamarisken, jetzt völlig vertrocknet
tot. Daran hätte ich
denken sollen: Kein Schwimmen
möglich, die Windstille,
der immerblasse
Himmel, der auf dem
ächzenden Meer lastet, Du
gelb-tote Sonne versteckst Dich,
Du Ich. Verschlossen
die nutzlose Kirche.
Wie soll ich hier mir selber begegnen?
Deutlich zerfallener ist
das einzige Haus: jetzt
ohne Dach und Tür
Ein weißer Tisch steht
unter vergessenen Olivenbäumen,
darauf: Nichts.
Aber das Schilf, das Schilf:
Pfeile vom Himmel in die Erde geschossen.
Alles mich ständig verunsichernde
Zeichen. Zum Beispiel
die Wasseruhren am Wasserverteiler:
wie mein Herz und mein Hirn
stehen sie still.
Verdammte Symbolik, also –
jetzt noch einmal und endlich:
Abhauen von hier!
Ulrich Schäfer-Newiger
by LiSe | 30. Mai 2018 | Blog, Lyrische Kostprobe
Zuletzt
sind wir eineiig geborene mönche ich
knete aus schneeflocken brot du
erfindest einen strohhalm wir saugen
stoff aus den birkenrinden am saumpfad (mehr …)